Christus ist nur so ein Wort, Gott ist auch nur ein Mann. Für sich gesehen ist das schon eine Leidensgeschichte. Mit einem Mann zu schlafen, muß nicht selbstverständlich so schön sein, daß mehr zu spüren ist, als was Begriffe sagen. Mit einem Wort zu schlafen, braucht nicht das Tor zu öffnen zu phantastischen Bilderwelten. Das ist meine Leidensgeschichte als Zuschauerin.

Aber von Anfang an. Dieses Wort steht über dem letzten Bild von Helma Sanders-Brahms Film "Die Berührte". Da ist ein leeres Anstaltsbett zu sehen und dahinter ein mächtiges, hinter Glas weggerücktes, bläulich beleuchtetes, langsam verglimmendes Holzkreuz. Das ist der Abschluß einer Alptraumsequenz, in der der Vater der Hauptfigur am brennenden Kreuz hängt und ein blauer Reiter Runden zieht, kostümiert wie der wilde reitende Tod, der in Renoirs Film mit dem Mädchen mit den Schwefelhölzern in den Himmel hinaufgaloppiert.

Am Filmanfang der Vorspann mit huschenden grünen Schriftzügen eines Datenbildschirms, der grünblauen Traumszene von zwei kämpfenden Tauchern, deren Atemluft in den Ohren dröhnt; Elisabeth Stepaneks Schreien und ihre angstvollen Rufe nach Gott, Vater und Mutter.

Diese Bilder und Töne erinnernd, die beunruhigen, weil sie ein Doppeltes schaffen – dem analytischen Kopf Erklärungshinweise geben für den Leidensdruck der Hauptfigur und sich gleichzeitig der Diffusion ihrer Gefühle stellen –, finde ich in seinem Anspruch den Schlüssel für meine Wut über das, was dazwischen liegt.

Die Regisseurin nennt ihren Film "Versuch, den Wahnsinn von innen zu filmen" (die Methode). Da liest sich die Filmographie wie eine Folge von Oberwörtern: "Gewalt", "Die industrielle Reservearmee", "Der Angestellte", "Die Maschine", "Deutschland, bleiche Mutter", "Die Berührte" (der Denkansatz). Kino als Ort der Ableitungen. Dann das "eiskalte Berlin" und die "persönliche Wärme" – Polarisierungen in alle Richtungen der Stereotypie, die einem die Gänsehaut verpassen soll (die atmosphärischen Valeurs).

Die Berührte ist "der Wahnsinn" in Frauengestalt, gegen Einwände abgesichert durch Authentizität. Es gibt eine Rita G., die ihre Gott/Vatersuche in den Männern, mit denen sie schläft, und ihre Psychiatrieerfahrungen aufgeschrieben hat. Ihren selbstproduzierten Dialogpart spricht Elisabeth Stepanek wörtlich nach im Film, die jeweiligen Partner reagieren nach der Regiekonzeption ohne Drehbuch improvisierend.

Das setzt sie aus. Und da die Regie die Manie zur Hingabe offensichtlich nur als ein sich Hinlegen und Stillhalten versteht, wird der Blick auf die jeweiligen Männer gelenkt.