Jugendzentren in Not

Hamburg

Fabrik" und "Markthalle", zwei beliebte Hamburger Kommunikationszentren, stehen vor dem finanziellen Ruin. Am 31. Januar 1982 müssen sie Konkurs anmelden, wenn ihnen die Stadt Hamburg nicht hilft. Die beiden Zentren, die sich in ihrer Not schon nicht mehr als Konkurrenzunternehmen betrachten, sondern aus Kostengründen sogar eine Arbeitsgemeinschaft gegründet haben, fordern vom Hamburger Parlament von 1982 an jährliche Subventionen in Höhe von 800 000 Mark. Denn beide Häuser sind nicht in der Lage, außer den laufenden Betriebskosten auch noch die hohen Mieten zu erwirtschaften.

Es wäre ein Jammer, wenn "Fabrik" und "Markthalle" aus der Hamburger Kulturszene verschwänden. Denn hier gibt es keine vergleichbaren Veranstaltungsorte, in denen täglich wechselnd junge, oft noch unbekannte Theaterkollektive, Musiker, Jazz- und Popgruppen gastieren, kein ähnliches Forum für lebhafte Publikumsdiskussionen und Autorenlesungen. Rund 300 000 Besucher kommen jährlich in die ehemalige Munitionsfabrik, 200 000 in die "Markthalle".

In der "Markthalle", die gleich neben dem Hauptbahnhof nicht gerade in der feinsten Gegend steht, treten zur Zeit auf der Musikbühne "Bernie’s Autobahnband", eine Blues- und Rockgruppe mit deutschen Texten, der Engländer Kevin Coyne mit Alt-Rock und "Ideal", eine neue New-Wave-Gruppe aus Berlin mit Tanzmusik auf. Auf der Theaterbühne findet ein Gastspiel der Heinrich-Heine-Gesellschaft statt, eine englische "Comedy Show" zeigt Pantomimen, Clownerien und Slapsticks, eine Licht- und Schatten-Performance "Lied an die Freude" ist zu sehen, und ein Stück über Ernesto Cardinal.

Das Programm in der "Fabrik" im Stadtteil Altona, einem Arbeiterviertel mit hohem Anteil ausländischer Bevölkerung, ist ebenso bunt und vielfältig.

Obendrein lockt sie viele Altonaer Kinder und Jugendliche von der Straße; zehn Pädagogen helfen ihnen auch bei den Schularbeiten und beschäftigen sie während der Freizeit mit Malen, Töpfern, Werken und Theater-Spielen. Mindestens die Hälfte der etwa 140 Kinder, die jeden Tag in die "Fabrik" kommen, sind Kinder von ausländischen Arbeitnehmern.