Von Michael Schwelien

Frankfurt, im November

Zwei, drei Freunde aus der Bürgerinitiative gegen die Startbahn 18 West bewachen ständig das Haus von Alexander Schubart. Wenn er mit dem Auto fährt, dann wird er begleitet. Seit jenem Sonntag, als die Startbahngegner den Frankfurter Flughafen blockierten, erhält „Aschu“ – wie ihn seine Freunde mit einem zärtlichen Unterton nennen – „waschkorbweise“ Solidaritätsbriefe und zustimmende Anrufe. Doch unter die Schreiber und Anrufer mischen sich auch etliche, die dem suspendierten Magistratsdirektor übel wollen: „Die wollen mich in die Luft Sprengen; einer sagte, man hätte vergessen, mich zu vergasen.“

Zustimmungen und Drohungen lassen Alexander Schubart nicht unberührt. In seinem Mienenspiel wechseln Euphorie und Angst. Während unseres Gesprächs ist „Wachablösung“. Ein alter Bekannter Schubarts, ein Frankfurter Hochschullehrer, soll über Nacht im Hause bleiben. „Mensch Aschu“, sagt er, „du bist der erste und einzige von uns, der den Weg Gandhis und Martin Luther Kings gegangen ist. Gewaltloser Widerstand – das heißt heute, du gehst für deine Überzeugung in den Knast.“ Schubart wehrt entsetzt ab: „Das hast du ganz falsch verstanden.“

Die Erinnerung an Gandhi und King hatte er zwar tags zuvor selber wachgerufen – in einer Pressekonferenz. Doch so konsequent, wie sein Freund wollte er die Parallele nicht ziehen.

Dabei hatte der so unrecht nicht. Ein Jahr bis zehn Jahre Haft ist das Strafmaß für die „Nötigung eines Verfassungsorgans“, derentwegen Generalbundesanwalt Rebmann jetzt gegen Schubart ermittelt. Die Beweise gegen ihn wiegen. schwer. Und Justizminister Schmude hat die Anwendung dieser harten juristischen Waffe – Präzedenzfälle sind die Entführungen des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer und des Politikers Lorenz – inzwischen ausdrücklich gebilligt; in diesem Fall gebe es „kein Ermessen“.