Blöd

„Opium Road“ von Maurizio Lucidi, ein italienischer Billigfilm, der in und um San Francisco spielt. Italien/USA: im Kino führt diese Mischung oft direkt zu einer Mafiageschichte, zu einer Welt, in der Familie, Mord, Geschäft und Religion untrennbar miteinander verknüpft sind. So auch hier. Ein Bischof spielt eine Rolle und ein großes Kreuz aus Sizilien, das den sizilianischen Fischern in Frisco einen Platz zum Beten bieten soll und das gleichzeitig für eine Million Dollar Heroin transportiert, und die Mafiosi sind liebenswürdige ältere Herren, die stets dunkle Anzüge mit hellen Nadelstreifen tragen. Es könnte sicherlich spannend sein, ihren Professionen und Obsessonen zu folgen. Nur müßte der Blick präziser sein, auch präziser rhythmisiert. Und den Star hätte man sich sparen müssen, der die einzelnen Geschehnisse zu einem Zusammenhang fügen soll: Roger Moore. Der trägt hier keine sündhaft teuren Anzüge. Was ihn noch fürchterlicher macht als sonst. Der zweite Star ignoriert den Zusammenhang zum Glück. Er weigert sich einfach, seine Langeweile zu überspielen. So fängt er manchmal an, mit sich selbst zu spielen. Das sind dann die Sekunden, die aufregend sind: Stacy Keach und wie er das Blöde aufbricht. Indem er mit seinem Körper blödelt.

Norbert Grob

Sozialpädagogisch „Das Ende vom Anfang“ von Helmut Christian Görlitz. Die Differenz zwischen einem Roman und einem Film liegt in den Bildern. Die Differenz zwischen dem Kino und dem Fernsehen auch. In der Verfilmung des Romans „Treibjagd“ von Michael Holzner (mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen als Co-Produzenten) wird eine einfache Verbindungsmöglichkeit behauptet: der Romanautor kommentiert im Off die Film-Bilder, erzählt, was der, den man gerade sieht, fühlt. Der Phantasiemangel im Bild soll aufgehoben werden durch die Intensität der Sprache. Vorstellen kann man sich beim Ansehen der mit sozialpädagogisch-aufrüttelndem Impetus erzählten Karriere eines Heimjungen zum Kriminellen auf diese Weise ein Hörspiel. Und der metaphernträchtige Hinweis auf die jungen Bäume in einer Baumschule, die gestützt werden müssen, sollen sie wachsen, läßt gleich am Anfang dieses Films etwas Fernsehmäßiges vermissen: den Abschaltknopf.

Manuela Reichart

Aufdringlich

„Der Bockerer“ von Franz Antel. Altregisseur Franz Antel schont seine Landsleute, die Österreicher, nicht. In seinem neuesten Film (nach einem Theaterstück des österreichischen Bühnenautors Ulrich Becher), der im besetzten Wien spielt, sind viele von ihnen fanatischer als die deutschen Okkupanten. Karl Bockerer (Karl Merkatz) freilich, Metzgermeister in der Wiener Vorstadt gehört nicht zu ihnen. Er ist eine gutmütig-naive Figur. Die Zeichen der Zeit will er nicht verstehen. Und wenn er mit den Braunen kollidiert, kommt er immer davon, indem er sich ahnungslos und gewitzt zugleich gibt. Vergangenheitsbewältigung auf wienerisch und humoristisch dazu. Das mag originell sein, überzeugend ist es für meinen norddeutschen – Geschmack nicht. Karl Merkatz als Bockerer wirkt auf mich – obwohl er die Rolle mit großer Natürlichkeit spielt – durch seine oft lautstarke Präsenz aufdringlich; andere Figuren, allen voran Walter Schmidinger als hinterhältig-habgieriger Kollaborateur der Nazis (und nach der Befreiung als Geisteskranker, der sich für Hitler hält), geraten zu Karikaturen ihrer selbst Auch wenn Antel bemüht ist, durch Originalaufnahmen vom Einmarsch der Deutschen in Wien und Aufnahmen von zerbombten Häusern den Kammerspielcharakter des Films aufzuheben, bleibt er doch, nicht zuletzt durch sein Aufgebot an Altstars (Senta Wengraf, Hans Holt Gustav Knuth u. a.), dem Wiener Volksstück verhaftet. Volkstümlich-sentimental geht es denn auch am Schluß zu. Als der Krieg vorbei und Österreich wieder Österreich ist, taucht das Enkelkind des Bockerer auf und auch sein jüdischer Freund Rosenblatt ist wieder da. Alles ist eitel Sonnenschein und der Wiener Walzer erklingt dazu.