DIE ZEIT

Aus der Isolierhaft

Lisa Alexejewa – unvergeßlich ist für mich das Bild dieses jungen Mädchens: leicht mongolischer Einschlag, dunkle Haare, auffallend schöner Teint, sehr schüchtern, traurig auch, saß sie "in der Blüte ihrer Jahre", wie es bei Tolstoi heißen würde, neben der Mutter von Andrej Sacharows Frau, die 18 Jahre in Lagern und Gefängnissen zugebracht hat – eine uralte Dame von zierlichem Wuchs, die nur noch aus Knochen und Geist zu bestehen scheint.

Was tun?

Von den vielen Wirtschaftsprognosen, die gegenwärtig feilgeboten werden, wird wohl nur eine mit Sicherheit in Erfüllung gehen: Jede neue Meldung über steigende Arbeitslosenzahlen verstärkt den Ruf nach staatlichen Aktionen und Programmen.

Jetzt sind die Großen am Zug

Mit einem Male ist die Weltpolitik wieder in Bewegung geraten. Mitte voriger Woche hat der amerikanische Präsident Ronald Reagan – endlich – ein Abrüstungsprogramm vorgelegt; in Bonn bekundete daraufhin der Sowjetführer Leonid Breschnjew seinen Willen, nicht nur eine Begrenzung der Mittelstreckenraketen in Europa, sondern deren Verminderung anzustreben; und nach zwei verlorenen Jahren setzen sich am kommenden Montag in Genf Amerikaner und Russen wieder zu Rüstungskontrollverhandlungen zusammen.

In der Sackgasse

Nichts tut sich mehr in der Europäischen Gemeinschaft. Zum Londoner Gipfel in dieser Woche traten die Repräsentanten der Zehn mit festzementierten Positionen an.

Theatertod

Unser Land hat nicht viele Superlative: nicht das beste Wetter, nicht die dramatischsten Landschaften, nicht die größten Kunstschätze.

Bonner Geheimtreffen: Aus dem Wörterbuch der Neurosen

Der klassisch-ehrwürdige Spruch stimmt schon: Es ist schwer, nicht eine Satire darüber zu schreiben – über jene angeblich ganz und gar geheimen Treffen, die an so verschwiegenem Ort den Bundeskanzler mit CSU-Chef Strauß und den Vizekanzler Genscher mit Oppositionsführer Kohl zusammengeführt haben.

Zeitspiegel

Als die Libyer vor einem Jahr in den Tschad einfielen, verdächtigte Washington die Sowjetunion der Beihilfe zur Invasion. Gründliche Untersuchungen brachten nun, zwölf Monate später, freilich ganz andere Übeltäter zum Vorschein: Zwanzig amerikanische Piloten, die meisten in Miami und Umgebung angeworben, wären nur zu gern bereit gewesen, sich Colonel Ghaddafis Geld zu verdienen und Truppen in den Süden zu fliegen.

"Bombe auf Bombe gestapelt"

Die Stimme Jack Geigers, Professor der Human-Medizin an New Yorks City College, dringt durch das Audimax der University of Philadelphia und trägt die Botschaft der nuklearen Apokalypse in die Köpfe eines entsetzten Publikums: Fiele eine Atombombe von der Sprengkraft einer Megatonne TNT (gleich 70 Hiroshima-Bomben) auf die Großstadt Philadelphia, "dann würden – bei wolkenlosem Himmel – sofort 769 000 Menschen umkommen".

Demonstrationen zum Breschnjew-Besuch: Hie Neutralismus, dort Nationalismus

Sehr geehrte Damen und Herren", schrieben Jakob Schumacher und andere in altmodisch schöner Schrift an die Medien und Parteien, "wir, die Unterzeichner, bitten Sie von ganzem Herzen, unsere Bemühungen im Namen der Schlußakten von Helsinki und der Familienzusammenführung zu unterstützen".

Prozeß in Nürnberg: Verlust an Vertrauen

Der Nürnberger Demonstranten-Prozeß wird in die Rechtsgeschichte eingehen, selbst wenn er – nachdem das Gericht die Hauptverhandlung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt hat – nun ohne Urteil endet: als erschreckendes und hoffentlich auch abschreckendes Beispiel dafür, wie in den Köpfen mancher deutscher Juristen noch immer die "Überführungsmaxime" über den Willen zur Gerechtigkeit dominiert.

Aufregung in Zentralamerika: Sperrfeuer um Nicaragua

Kleine Staaten haben allen Grund, große Worte großer Staaten ernst zu nehmen – zumal in Zentralamerika. Ronald Reagans Regierung eröffnete im Januar ihre Amtszeit mit verbalen Attacken auf die kommunistisch-kubanische Gefahr in El Salvador.

Wolfgang Ebert: Dolmetscher gesucht

"Es würde sich um ein neues, attraktives Betätigungsfeld handeln, das mit großer Verantwortung verbunden ist. Wollen doch mal sehen, ob Ihnen so was liegt.

Ostblock: Versorgungslücke

Die Versorgungslage in Osteuropa hat sich weiter verschlechtert. In Polen richtete der Vorsitzende der Gewerkschaft "Solidarität" einen Appell an die ganze Welt, seinem Land mit Lebensmittelspenden zu helfen.

Argentinien: Aus für Viola?

Der argentinische Präsident Roberto Viola ist einstweilen in den Ruhestand getreten: Vorspiel zu seiner endgültigen Entmachtung?

Nahost: Vergebliches Warten

Vor dem arabischen Gipfel in Fes hatte Saudi-Arabiens König Chalid an den libyschen Staatschef Ghaddafi geschrieben, die Uneinigkeit der "arabischen Nation" sei dafür verantwortlich, daß es ihr weder gelungen sei, arabische Rechte durchzusetzen, noch die "vom Feind" besetzten Gebiete zurückzuerhalten.

"Begrenzte Erfahrung"

Der heute 76jährige Ex-Senator William Fulbright verkörpert seit Jahrzehnten das liberale außenpolitische Gewissen der USA..

Über Jungfrauen und Silberstreifen am Horizont

Einen Silberstreif für ihre Partei und die Koalition scheinen Helmut Schmidt und Willy Brandt am Horizont zu entdecken. Nach dem Besuch Leonid Breschnjews und dem Verhandlungsbeginn der Großmächte in Genf, so ihre Erwartung, könne endlich eine gewisse Beruhigung in der SPD eintreten, zumal in der Diskussion über den Doppelbeschluß in der Nato.

Frankreich: Watergate an der Seine

Wochenlang wartete die Öffentlichkeit auf Enthüllungen. Denn vieles an der Ermordung des Fürsten Jean de Broglie ist im dunkeln geblieben, obwohl der Giscard-Gefährte und Schloßherr schon vor fünf Jahren, am Heiligen Abend des Jahres 1976, den Kugeln eines gedungenen Killers zum Opfer gefallen ist.

Bundesrat: Die Macht zeigen?

Der frischgebackene Präsident begann seine Amtszeit mit einer Beschwörung. Gerade der Bundesrat müsse, so erklärte Bremens Bürgermeister Hans Koschnick, eben zum zweiten Male zum Bundesratspräsidenten gewählt, mehr sein "als nur das Spiegelbild wachsender Konfrontation zwischen den Parteien".

Die Macht des Einfallsreichtums

Wie soll die Europäische Gemeinschaft aus ihrer tiefen Krise finden? Max Kohnstamm, bis zum vergangenen Sommer Präsident des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz, plädierte im Rahmen der dort alljährlich veranstalteten "Jean-Monnet-Vorträge" für eine europäische Bestandsaufnahme.

Die Gemeinsamkeit neu bekräftigen

John McCloy, ehemals US-Hochkommissar in Deutschland und eine der großen Gestalten der Nachkriegszeit, hat sich vor kurzem bei der Verleihung des Jean-Monnet-Preises der Goethe-Stiftung in Basel mit ungewöhnlichem Freimut zum amerikanisch-europäischen Verhältnis geäußert.

Asien: Ein Beobachter zieht Bilanz

Der Name Robert Shaplen ist zu einer Art Markenzeichen für gute und fundierte journalistische Berichterstattung aus, Asien geworden.

Von der Nachrüstung zur Null-Rüstung

Die Vereinigten Staaten sind bereit", verkündete Ronald Reagan vor 200 Millionen TV-Zuschauern in vierzig Ländern, "auf die Stationierung von Pershing II und cruise missiles zu verzichten, wenn die Sowjets ihre SS-20, SS-4 und SS-5 verschrotten.

Der amerikanische Verhandlungsführer: Paul Nitze: Perfekter Beamter des Westens

Gemeinsame Beethoven-Verehrung führte den ersten amerikanischen Salt-Unterhändler, Paul Henry Nitze, und seinen sowjetischen Gegenspieler Semjonow auf Spaziergänge in die liebliche Umgebung von Baden, dem österreichischen Kurort an der Schwechat: Hier wanderte einst der große Komponist, ein Sonderling schon, in legendärer Einsamkeit.

Russisch-Orthodox: Wem gehört die Kirche?

Ein monotoner Choral füllt das kleine Kirchenschiff. Zahllose Kerzen brennen zu Ehren der Mutter Gottes und bringen ein wenig Licht in das Dunkel, gerade genug, um das Interieur der Kirche schemenhaft wahrnehmen zu können.

Radioaktiv verseucht?: Die Monster-Kröten vom Steinbruch

Normalerweise haben Kröten zwei leuchtend goldene Augen und vier Beine. Die mißgebildeten Wechselkröten jedoch, die vor etwa einem Jahr in einem Steinbruch nördlich von Stuttgart entdeckt wurden, hatten mit tumorartigen Beulen übersäte Köpfe, conterganähnliche Verkrüppelungen und bis zu sieben Beine.

"Fabrik" und "Markthalle": Düstere Zukunft

Fabrik" und "Markthalle", zwei beliebte Hamburger Kommunikationszentren, stehen vor dem finanziellen Ruin. Am 31. Januar 1982 müssen sie Konkurs anmelden, wenn ihnen die Stadt Hamburg nicht hilft.

Lenin in Bayern: Die Russen kenn i!

Über der Menschentraube am Marienplatz grinst Lenin. Hat die CSU nicht irgendwann einmal, zu Wahlkampfzeiten, dieses Bild beschworen, das jetzt zur Wirklichkeit wird? Unter der Mariensäule, zwischen Rat- und Warenhaus präsentiert sich in der Münchner Fußgängerzone ein grimmig blickender Russe mit Bart und Pelzmütze.

Rettung vorm Verfall: Zu kaufen: Schlösser und ein Kloster

Charme haben sie alle. Doch dies allein erklärt noch nicht, warum sie immer mehr Liebhaber und Freunde finden: die ehedem als alte Klitschen, alter Kruscht, altes Gelump verschrieenen Scheunen, Höfe und Gebäulichkeiten, die von Bauern und Baronen verlassen, mittlerweile denkmalverdächtig oder bereits in einem Denkmalätlas kartiert sind.

Ein Regime der Willkür

Tyll Necker, der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), hat sich seinen Kummer von der Seele geschrieben.

Zurück zur Konzertierten Aktion

ZEIT: Herr Professor Schiller, der Sachverständigenrat hat sein Gutachten vorgelegt und dem Staat sowie den Tarifparteien Vorschläge für eine koordinierte Strategie im Kampf gegen die Wirtschaftskrise vorgeschlagen.

DGB-Jugendkongreß: Stellvertreterkrieg

Ein tiefer Riß spaltet die Gewerkschaftsjugend in zwei Lager. Zwar konnte der endgültige Bruch auf der DGB-Jugendkonferenz noch einmal vermieden werden, doch auf die Dauer ist er nur dann zu verhindern, wenn sich die Gewerkschaften mehr um ihren Nachwuchs kümmern.

Dollarkurs: Markschwäche

Was trieb den Dollarkurs in dieser Woche plötzlich auf 2,2665 Mark hoch? Die Erklärung ist nicht schwer. Die Mark ist nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber anderen Währungen schwach geworden.

Osthandel: Unverdient

Zum zweitenmal hintereinander müssen die Hausfrauen in der Europäischen Gemeinschaft auf billige Weihnachtsbutter verzichten.

Benzinpreise: Marktgesetze

Als der Durchschnittspreis für Super- und Normalbenzin im September dieses Jahres in der Bundesrepublik 153,7 Pfennig je Liter erreichte, war die Aufregung groß.

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