Unser Land hat nicht viele Superlative: nicht das beste Wetter, nicht die dramatischsten Landschaften, nicht die größten Kunstschätze. Eines aber ist unbestritten und wird überall neidvoll anerkannt: daß die Bundesrepublik die besten (und teuersten) Theater der Welt hat, und daß beides miteinander zu tun hat, die Qualität unseres Theaters und sein Reichtum. Doch jetzt will man in Deutschland sparen, und da liegt eine deutsche Lösung nahe: Man rettet den Wohlstand, zerstört die Kultur.

In Bremen fällt in der nächsten Woche eine politische Entscheidung, die überall als Signal und Symbol verstanden wird: Der Senat muß darüber befinden, ob sich die Hansestadt auch in Zukunft ein eigenes Schauspiel leisten will. Ein negativer Beschluß, so fürchten viele, wäre nur der Anfang eines großen Theatersterbens in der ganzen Republik. Die Bremer Politiker müssen also wissen, was sie tun. Ein Theater gehört zu den wenigen wirklich öffentlichen, immer noch festlichen Orten in einer Stadt. Ein geschlossenes Theater ist ein so trauriges Faktum wie eine zerstörte Kirche, ein gerodeter Park, eine niedergebaggerte Altstadt.

Wer ein Theater schließt, hat der große Regisseur Peter Stein kürzlich geschrieben, vernichtet damit die Umwelt. Das ist pathetisch formuliert – und ist doch die nüchternste Wahrheit.

B.H