Zum zweitenmal hintereinander müssen die Hausfrauen in der Europäischen Gemeinschaft auf billige Weihnachtsbutter verzichten. Denn der Grund für die früher übliche Schleuderaktion der Brüsseler Agrarstrategen – der kostspielige Butterberg – ist "weggeschmolzen". Freilich ist dies kein Zeichen von plötzlich ausgebrochener Vernunft der Euro-Agrarier – sie produzieren nämlich unverdrossen mehr als die EG-Konsumenten verdrücken können.

Den teuren Berg abzutragen halfen vor allem die Landwirte-Kollegen aus der Sowjetunion, die ihre Geschäft immer noch mehr schlecht als recht betreiben. Vier schlechte Ernten hintereinander schufen einen enormen Importbedarf – die Deutschen profitierten seit dem vergangenen Jahr davon: Um nicht weniger als 427 Prozent auf 682 Millionen Mark explodierte der Nahrungsmittelexport. Besonders gefragt waren im Arbeiter- und Bauern-Staat nicht nur Butter, sondern auch Zucker, Fleisch, Mehl und Grieß. Auch in diesem Jahr wuchsen die Lieferungen munter weiter, so daß bis Dezember mit einem Agrarexport von rund einer Milliarde Mark zu rechnen ist.

Die Überschuß-produzierende Landwirtschaft hierzulande kann erst einmal unverdienterweise aufatmen – bis zur nächsten guten Ernte der östlichen Kollegen. üth