Von den vielen Wirtschaftsprognosen, die gegenwärtig feilgeboten werden, wird wohl nur eine mit Sicherheit in Erfüllung gehen: Jede neue Meldung über steigende Arbeitslosenzahlen verstärkt den Ruf nach staatlichen Aktionen und Programmen.

Doch was wäre konkret zu tun? Die Situation ist für Patentrezepte viel zu kompliziert. Die Ursachen der Arbeitslosigkeit sind zu vielfältig, als daß Ausgabenprogramme nach dem Muster von 1967 anschlagen könnten; sie würden mehr Schaden als Nutzen stiften (siehe dazu das ZEIT-Gespräch mit Karl Schiller, Seite 25).

In dieser Lage stieß das jüngste Gutachten des Sachverständigenrates zur wirtschaftlichen Lage auf besondere Aufmerksamkeit. Wenn überhaupt irgend jemand Rat weiß, dann müßten es doch die keiner Interessengruppe verpflichteten "Vier Weisen" sein. Auch sie scheinen ihrer Sache jedoch nicht mehr so sicher zu sein, wie sie es noch bei der Niederschrift ihres Sondergutachtens im Sommer waren. Sie empfehlen dem Staat zwar eine weitere Konsolidierung seiner Finanzen, den Tarifparteien eine auf mehr Beschäftigung statt mehr Lohn gerichtete Politik und der Bundesregierung ein "Maßnahmenbündel" zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums. Aber das alles bleibt recht vage. Eine Entscheidungshilfe für den Kanzler ist das Gutachten kaum. Guter Rat ist nach wie vor teuer. mj