DIE ZEIT

Wundersame Wende

Nun also wird tatsächlich in Genf verhandelt. Niemand hätte sich das vor sechs Wochen vorstellen können. Carters Vizepräsident Walter Mondale hatte noch Ende Oktober kopfschüttelnd bemerkt: "Diese Regierung hat es erstaunlicherweise dahin gebracht, daß viele Europäer meinen, wir und nicht die Russen blockierten die Verhandlungen.

Explosiv

Heinrich Böll sagte neulich in einem Fernsehgespräch, befragt nach seinen berühmt gewordenen frühen Satiren: "Die Wirklichkeit hat den Satiriker überholt; sie schreibt sich heute ihre Satiren selber.

Karge Normalität

Für die Empfindlichkeiten des politischen Protokolls mag es fast wie ein Schönheitsfehler anmuten, daß der Visite Leonid Breschnjews am Rhein das schon zweimal aufgeschobene Treffen zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker nun wie auf dem Fuße folgen soll.

Zeitspiegel

Weil Militärflugzeuge über den Odenwald mit einem Schallpegel von 70 Dezibel dahinbrausen, sorgten sich die Pfarrer der Gemeinde Erbach wegen schädlicher Auswirkungen bei der Bevölkerung.

Der Seiltanz über dem Sinai

Die Israelis kennen, wie sonst kaum jemand im Westen, "ihre" Araber. Erst recht kennen sie ihre weisen Sprichworte – dieses zum Beispiel: "Die Hunde heulen, die Karawane zieht weiter.

Ein Sprung ins Leere

InFes zerstritten sich die Araber, in Washington setzte sich Israel durch: Die Schlacht um den Frieden in Nahost geht weiter

Spiegelbild der nationalen Krisen

Das letzte Wort hatte jemand, der gar nicht dabei war. "Wenn die Europäische Gemeinschaft an innerem Zusammenhalt und internationaler Statur gewinnen soll", schimpfte der ehemalige britische Premier und unbeirrbare Europäer Edward Heath, "dann muß der Europäische Rat mehr zustande bringen als Meinungsverschiedenheiten und Platitüden.

Ordnung in ein Chaos

Es ist kein Scherbenhaufen, vor dem die Außenminister der zehn Mitgliedsländer der Europäischen Gemeinschaft (EG) stehen. Aber es ist doch ein ziemliches Durcheinander, in das sie im Auftrag ihrer Regierungschefs Ordnung bringen sollen.

Sozialdemokraten siegen bei britischer Nachwahl: Absolute Mehrheit ist keine Utopie

Sensationelle Nachwahlerfolge sind in Großbritannien keine Seltenheit. Nachwahlen ins Unterhaus, die nötig sind, weil es beim britischen Wahlrecht keine Listen und damit keine Nachrücker gibt, erlauben es den Wählern, ihrem Unmut über die Regierung freien Lauf zu lassen, ohne doch die Regierung damit zu stürzen und eine neue Regierung zu wählen.

Umweltschutz: Zu kleine Schritte

Der Platz des Liberalen – Zyniker wissen es längst – ist zwischen allen Stühlen, und Schelte von allen Betroffenen mag durchaus den Beweis für die richtige Politik abgeben.

Waffenexport: Kaum klüger als zuvor

Wie restriktiv oder wie großzügig soll Bonn es künftig mit Waffenexporten halten? Wer entscheidet? Und nach welchen Kriterien? Die Antworten, die eine Arbeitsgruppe der SPD-Fraktion unter Egon Bahrs Regie auf diese Fragen soeben gefunden hat, enthalten zwei wirklich neue Elemente.

Türkei: "Wir haben für ihn keinen Ersatz"

Die Herrschaft der Militärs in der Türkei wird immer heftiger kritisiert. Jetzt stellten die Offiziere den früheren Ministerpräsidenten Bülent Ecevit vor Gericht.

Südtirol: Klagen gegen Rom

Die ultimative Drohung des Parteiobmanns, er werde zurücktreten, falls der italienische Staat die verschleppten Ausführungsbestimmungen zum Autonomiestatut nicht endlich in Kraft setze, hat sich als Schlag ins Wasser erwiesen.

"Gelbe Karte" für Coppik

Glotz: Keineswegs. Wir haben auch nicht die Absicht, weitere Verfahren einzuleiten. Gravierende Fälle können wir aber nicht übergehen.

Die SPD entdeckt Amerika

Die Sozialdemokraten, so kann man glauben, entdecken Amerika aufs neue. Das ist natürlich übertrieben, denn an verläßlichen Verbindungen hat es auch in der jüngsten Zeit nicht gefehlt, trotz aller Irritation und Enttäuschung über die ersten Schritte – oder Nichtschritte – der Regierung Reagan in der Abrüstungspolitik.

Honduras: Modell für Zentralamerika?

Honduras – knapp halb so groß wie die Bundesrepublik und mit 3,7 Millionen Einwohnern dünn besiedelt – galt lange als klassischer Fall einer "Bananen-Republik".

Polen: Kein Streik gegen teuren Wodka

Lech Walesa zeigte sich realistisch. Er warnte eindringlich davor, wegen der Erhöhung der Alkoholpreise um 75 Prozent wieder zu streiken: "Dieses Mal würde die Welt sagen: Das ist das Ende, wenn sie bereits für Wodka streiken.

Angeklagt: die Ankläger

KOMM-Prozeß in Nürnberg: Auf die größte Massenverhaftung seit 1945 folgte der Justizskandal

Unvollständige Akten

Im Verlauf der Hauptverhandlung vor der 13. Strafkammer stellte sich heraus, daß in den drei von der Staatsanwaltschaft gebildeten Hauptakten nicht alle Aussagen von Polizeibeamten vorhanden wären, die bei der damaligen Demonstration eingesetzt waren.

"Keine Erinnerung"

Erster Haftrichter: "Zur Entscheidung über jeden einzelnen Haftbefehlsantrag lag mir jeweils für jeden Beschuldigten gesondert ein jeweils gleichlautender umfassender polizeilicher Ermittlungsbericht vor.

Skandal in Washington: Diener im Wartestand

Im Zweifel für den Beschuldigten: Dieser Grundsatz muß auch für den Privatmann Richard Allen gelten, solange nicht erwiesen ist, daß er als designierter oder amtierender Sicherheitsberater Präsident Reagans seine einflußreiche Stellung mißbraucht hat – bei der Annahme kleiner Geschenke oder anhaltender Kontaktpflege mit japanischen Automobilexporteuren.

Fernseh-Zeit: Ferngesteuert

Wir mögen sie ja alle, die Pleitgens, die Bressers, die Alts und Rosenbauers. Sie sagen uns immer, was Sache ist, und wir gehen beeindruckt ins Bett, Deutschlands Fernseh-Schicksal in guten Händen wissend.

Streik: Drohung oder Bluff?

Montag, 16.29 Uhr: Die Deutsche Presse-Agentur meldet, was eigentlich niemand außerhalb des Sitzungsraumes im Frankfurter IG-Metall-Hochhaus wissen sollte: Der Vorstand der größten Einzelgewerkschaft will mit einer Forderung von 7,5 Prozent in die Lohnrunde ’82 gehen.

Ungeliebt, aber unverzichtbar

Für Innenminister Gerhart Baum muß es schon eine recht ungewöhnliche Situation sein, sich gleichermaßen bei Industrie und Umweltschützern unbeliebt zu machen.

Bonner Kulisse

Der Haushaltsausschuß des Bundestages hat den Etat von Verteidigungsminister Hans Apel mit großer Gründlichkeit beraten und durchgeforstet.

Zeitmietverträge: Omas gesucht

Rund 100 000 Wohnungen stehen in der Bundesrepublik leer. Darüber wird öffentlich weit weniger lamentiert als über einige hundert besetzte Häuser.

Japan: Einfuhrhilfe?

Kabinettsumbildungen zählen in Japan zur Routine: Beim Verteilungskampf um politische Pfründe werden immer kürzere Zyklen des Machtwechsels erforderlich.

Kabelfernsehen: Glasperlenspiel der Ratgeber

Die Monopolkommission, das höchste Ratgeber-Gremium der Bundesregierung in Wettbewerbsfragen, nahm vergangene Woche in einem Sondergutachten zur Frage Stellung, wie das künftige Kabelfernsehen betrieben werden soll.

Nordirland: Gettos, Gewalt, Gewinn

Norman Hull, Leiter des staatlichen Ausbildungszentrums, hat die Frage schon erwartet, die in Nordirland so naheliegt, nicht zuletzt hier in Sichtweite des Friedhofs, auf dem die IRA ihre "Gefallenen" unter den Augen von Polizei und Armee oft mit militärischen Ehren bestattet.

Bertelsmann: Wachstum mit Video

Sein Arbeitszimmer hat die Größe eines mittleren Thronsaals. Doch anders als die Regenten früherer Jahrhunderte nutzt der Chef des zweitgrößten Medien-Reichs der Welt die Entfernung zwischen der Tür und seinem Sitzplatz nicht als Symbol menschlicher Distanz.

Österreich: Ab in den Kerker

Geben ist keinesfalls immer seliger denn Nehmen. Dies wissen’nun die führenden Manager von Siemens-Österreich und von ITT sowie die Eigentümer des österreichischen Elektronikunternehmens Schrack.

Buchverlage: Große sparen und Kleine wachsen

Wenn alle sparen, wollen viele Buchverleger nicht abseits stehen. Die Münchner Bertelsmann-Verlage haben ihr Programm um ein Drittel gekürzt, Multiverleger Herbert Fleissner (Verlagsgruppe Langen-Müller) plant ähnliches, und auch in manchen kleineren Häusern wird, wenn auch ohne öffentliche Erklärungen, der Rotstift angesetzt.

Luftverkehr: Billigflieger in Nöten

Zwei deutsche Banken und eine österreichische Geldanstalt verärgern Sir Freddie Laker, der mit einer Stundung fälliger Kredite von 55 Millionen Dollar eine finanzielle Atempause sucht.

Zeitraffer

Je näher das Jahresende rückt, um so häufiger geht der Blick der Wirtschafts- und Konjunkturforscher über die Zeitgrenze – ins neue Jahr.

Manager und Märkte

Daß die Top-Manager der drei großen deutschen Chemiekonzerne es nicht miteinander können, wird ihnen niemand nachsagen wollen – im Gegenteil.

Mehr Verantwortung

Statt von bisher vier Vorständen, die im Beamtenverhältnis stehen, wird die Deutsche Bundesbahn künftig wie ein privates Wirtschaftsunternehmen von Managern geführt.

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