Annehmbar

„Der Mann im Pyjama“ von Christian Rateuke und Hartmann Schmige. Mißverständnisse gibt es zuhauf. Verwechslungen auch: schließlich wimmelt es im „Mann im Pyjama“ von Männern im Pyjama! Und der weibliche Star des Films (Elke Sommer) verwandelt sich durch bunte Verkleidung in eine geheimnisvolle Orientalin. Die drei Hauptzutaten einer Situationskomödie (Mißverständnis, Verwechslung, Verkleidung) sind zu einer temporeichen und – meist – amüsanten Handlung zusammengefügt Ihren Ausgang nimmt die Komödie von einer banalen, wenn auch nicht ganz alltäglichen Situation: Rudi (Otto Sander) geht – wo sieht man das heutzutage schon? – in einer lauen Maiennacht mitten in Berlin nur mit Pyjama und Bademantel bekleidet auf die Straße. Sein Ziel ist der Zigarettenautomat Um die Ecke. Ins traute, spießige Heim freilich kehrt er vorerst nicht zurück. Er landet vielmehr: im Streifenwagen, im Schlafzimmer einer blonden Schönen, in einer Wohnung mit vielen Türken und schließlich,auf dem Polizeirevier. Die Berliner Regisseure Rateuke und Schmige, die bisher mehrere Kurzfilme gedreht haben, sorgen mit zwei langen Sequenzen – einer Schlafzimmerschlacht und dem großen Finale auf dem Polizeirevier – für Klamauk, Lärm und Slapstick. In vielen kurzen Szenen machen sie amüsante Beobachtungen am Rande, die das Berliner Milieu widerspiegeln. Daß es ein Happy End à la Hitchcock gibt, liegt nicht daran, daß aus der! Komödie plötzlich ein Kriminalfilm wurde (obwohl: die Polizei eine gewichtige Rolle spielt). Es liegt an der Schnittechnik. So wie Elke Sommer und Otto Sander reichten sich einst Cary Grant und Eva Marie: Saint die Hände: in „Der. unsichtbare Dritte“.

Anne Frederiksen

Kaputt

„Dealer Connections – Die Straßen des Heroins“ von Enzo G. Castellari,. der eigentlich Enzo G. Girulami heißt, ist ein Trivialfilm, ein viert- bis fünftklassiger. Aber mit David Hemmings und Fabio Testi. Und mit einer unglaublichen Raumexposition. Bevor der Film endlich an dem Ort ist. wo er eigentlich spielt: in Rom, gibt es Sekundentrips nach Catagena (Kolumbien), Hongkong, Amsterdam, New; York. Man sieht Figuren, die eingeführt werden, als seien sie für den Fortlauf der Geschichte wichtig, Aber dann sieht man sie nie wieder. Einmal hört man eine Kommentarstimme, die einige Erklärungen zur Heroinszene gibt. Aber dann hört man auch sie nie wieder. Manchmal vergißt der Filmsogar, daß es in ihm um Heroin geht. Da sieht man Testi nur rennen und schießen. Da sieht man Stuntmen bei Geländefahrten mit Motorrädern oder in Kleinflugzeugen sich austoben. Doch am Ende sieht man immerhin einen der Bösen zweimal sterben und den Boß aller Bösen an einer Hürde scheitern, die derHeld zuvor schon elegant genommen hatte. Norbert Grob

Langweilig

frohes Fest“ von George Tabori. Das besondere Weihnachtsangebot jetzt also nicht nur im Kaufhaus, sondern auch im Kino. Der Theatermann und Drehbuchautor realisiert in seinem ersten Film vor allem eine (kritische) Idee: Das Fest der Liebe soll entlarvt werden Konsum,. Aggression, Gleichgültigkeit, keine wahren; nur noch behauptete Gefühle: das ist Weihnachten im „Land 8“. Vorgeführt wird der absurde Christfestrummel durch den Kamerablick eines indianischen Amateurfilmers, der hier fremd ist und neugierig immer, wieder fragt: „Was ist das, Weihnachten?“ Einen Moment lang ist es spannend anzusehen wie die hin- und herschwenkende laienhaft eingesetzte Kamera die (gespielten) Leute auf der Straße, in der Kneipe, im Kaufhaus ganz nah heranholt, sie genau beobachtet. Allzu schnell aber wird es langweilig, denn die Form und die Fragen bleiben die gleichen: da ist nichts mehr erschreckend, nichts mehr besonders komisch. Und so funktionieren auch die fünf irren Frauen als Repräsentantinnen des; Lebendigen inmitten all der Starre nur noch als Klischees. Es gibt in diesem (für das ZDF gedrehten) Film den Satz: „Marilyn Monroe ist tot, John Wayne ist auch tot, Robert Mitchum ist schon lange tot, es gibt keinen Film mehr.“ Manuela Reichart.