Wirtschaft

Kummer mit der Knete

Wer mit dem anderen Leben ernst machen will, wer "alternativ" nicht nur in Kleidung, Auftreten und Stimmabgabe sein will, verachtet vor allem den Inbegriff der bürgerlichen Wirtschaft: das Geld.

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DIE ZEIT

Dachschaden

Ein Verband ist ein Zusammenschluß von Menschen, die gemeinsam etwas erreichen wollen, was sie einzeln nicht erreichen könten.

Blinde Arroganz

So viele Gedanken aus allen Teilen der Welt gehen nach Gorki. Aus Rom, Paris, Washington sandten die Staatsoberhäupter Appelle an Breschnjew; die Wissenschaftler ehrwürdiger Akademien und Universitäten, Nobelpreisträger aus westlichen und neutralen Ländern stimmten ein.

Prüfstein

Bund und Länder haben sich über die Spargesetze zur Sanierung des Bundeshaushalts geeinigt. Die demokratischen Institutionen funktionieren.

Krumme Touren, leere Kassen

Das hat uns gerade noch gefehlt: Während in Bonn die neue Politik der Sparsamkeit verkündet wird, von der Notwendigkeit zu opfern die Rede ist, weil das Land nicht mehr über seine Verhältnisse leben dürfe, wird gegen Geldgeber und Politiker ermittelt, die im Verdacht stehen, den Parteifinanzen auf krummem Weg, nämlich durch Steuerhinterziehung, aufgeholfen zu haben.

Ein Zeichen setzen

Spektakuläres ist von dem deutsch-deutschen Treffen am Werbellinsee nicht zu erwarten – so klang es allenthalben, ehe sich der Bundeskanzler auf den Weg zu Erich Honecker machte.

Am Kamin bei kleinem Feuer

Noch immer stößt bei den Bonner Auguren die inzwischen tausendfach wiederholte offizielle Versicherung auf gelinden Unglauben, Helmut Schmidt und Erich Honecker würden am Werbellinsee nur miteinander reden, aber nicht verhandeln.

Worte der Woche

"Ich habe es nicht nötig, mir nach 50 Jahren Zugehörigkeit zur Arbeiterbewegung von dem Metaller Löwenthal, dem Hafenarbeiter Weichmann oder der Textilarbeiterin Renger sagen zu lassen, was der deutsche Arbeiter denkt.

Zeitspiegel

Am 19. Dezember wird Leonid Breschnjew 75 Jahre alt. Die Partei wird den Geburtstag gebührend inszenieren – jedoch: Was schenkt man einem Mann, der alles hat? Schon jetzt ist Breschnjew der höchstdekorierte Sowjetführer seit der Oktober-Revolution; er hat sich mit mehr Auszeichnungen schmücken lassen als Stalin und Chruschtschow.

Die Armee als letzte Chance?

Zugleich aber scheint das Land von Depression überzogen. Auch wenn man es weiß und kennt, überwältigen die Eindrücke: die Schweigsamkeit in den Bussen, die Düsternis der langen Schlangen im Dezember-Regen, die Leere ganzer Kaufhaus-Etagen, die kunstvoll über die Regale verteilte Dürftigkeit des letzten Angebots und die totale Teilnahmslosigkeit von Verkäuferinnen, die nicht einmal mehr den Kopf heben, wenn sie "niema" sagen: "Gibt es nicht.

Friedensbewegung: Was ist bloß mit den Deutschen los?

Eine Monde Schöne mit langen Zöpfen, den gehörnten Germanenhelm auf dem Kopf und das Schwert in der Hand so stellte das Magazin Le Point Ende November auf der Titelseite den deutschen Nachbarn vor.

Südafrika: Vorstoß gegen die Swapo

Der Vorstoß, 240 Kilometer weit, fand schon in den ersten drei Novemberwochen statt und galt der Zentrale der namibischen Befreiungsbewegung Swapo in Chitequeta in der Provinz Cuneue.

BONNER BÜHNE: Die Lotterbuben der SPD

Bittere Situationen fordern natürlich auch zu bitterem Spott heraus. Kaum kursierten in Bonn Richard Löwenthals Thesen zur Lage der SPD, da war auch schon der Abgeordnete Jakob Maria Mierscheidt mit einem eigenen Thesenpapier zur Stelle – jener biedermännisch-bodenständige Volksvertreter, den der MdB Egon Lutz und andere Sozialdemokraten von Fall zu Fall als Kunstprodukt ihrer Federn durch die hauptstädtischen Kulissen geistern lassen.

DAS KURZE INTERVIEW: Ich war ein Bürger zweiter Klasse

Im Westen war Wolfgang Harich nie recht heimisch. Von den DDR-Dissidenten mußte er sich anfeinden lassen, weil die SED ihm nicht die Rückkehr verbaute; auch die Grünen, denen er sich anschloß, hielten auf Distanz zu ihm.

Amerika: Propagandakrieg gegen Libyen

Ronald Reagan behauptet, auf ihn sei ein libysches Mordkommando angesetzt worden – Oberst Ghaddafi hält dagegen, wahr sei, daß er vom amerikanischen Geheimdienst getötet werden solle.

UN: Rückzug der Kandidaten

Nachdem UN-Generalsekretär Kurt Waldheim vorige Woche seine Kandidatur für eine dritte Amtsperiode vorläufig zurückgezogen hatte, schied am Dienstag auch sein Mitbewerber Salim Achmed Salim vorerst aus.

Identität und Zukunft der Sozialdemokratie

Die Sozialdemokratie ist nicht nur die älteste deutsche Partei. Sie ist auch diejenige Partei, die durch ihre mehr als hundertjährige Tradition am tiefsten im Kampf um die Durchsetzung, Verteidigung und Weiterentwicklung einer freiheitlich-demokratischen Ordnung verwurzelt ist.

Rebellion gegen Brandt?

Wie eine Rebellion gegen Willy Brandt mußte es wirken, als Annemarie Renger Unterschriften von Sozialdemokraten unter das Sechs-Thesen-Papier des Berliner Professors Richard Löwenthal zur Identität der SPD zu sammeln begann.

"Wir brauchen die Öffnung"

Die moderne SPD verzichtet auf weltanschauliche Festlegung; sie begnügt sich mit den berühmten "vorletzten" Werten. Aber sie braucht gerade jetzt den Mut, ihre Ziele selbständig zu bestimmen.

Wolfgang Ebert: Angsthasen

Der Freimut, mit dem der Kanzler im Bundestag eingestand, auch schon mal Angst zu haben, machte uns Mut zu einer kleinen Angstumfrage.

Nachdenken in schwierigen Zeiten

Auf dem Papier", so urteilt Richard Löwenthal, könne man immer Kompromißformeln finden, die beiden Zielen gerecht werden, dem Primat wirtschaftlicher und dem Primat ökologischer Interessen.

Von der Freiheit, sich friedlich zu versammeln

Hanno Kühnert sorgt sich (ZEIT 49/81) um Artikel 8 des Grundgesetzes (s. Kasten h. Das Demonstrationsrecht werde ausgehöhlt durch "die Neigung der Polizei, der Behörden und der Gerichte, Demonstranten post festum mit Bußgeldbescheiden, Gebühren, Polizeikosten und Schadensersatzforderungen einzudecken.

Urteil: Kapitulation vor dem Computer

Ein Herr Götz aus München darf neuerdings seinen Namen computergerecht mit oe schreiben: Goetz. Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin hat ihm eine offizielle Namensänderung zugebilligt.

Die "Baracke" – ein offenes Haus

Ihrem jüngsten Telebiss konnte ich überhaupt keinen Geschmack abgewinnen. Ich fand, da hat jemand im intellektuellen Oberstübchen auf einem Brieflein herumgekaut, nichts herausgepickt, aber falsches hineininterpretiert, es dann hinabgespuckt ins Tal, und zwar ziemlich zielbewußt dorthin, wo ihr da oben die Niederungen des Parteilebens vermutet.

Daimler-Benz: Blauer Brief für einen Lehrling

Stefan G., Lehrling "beim Daimler", wie man in Stuttgart liebevoll sagt, bekam einen eingeschriebenen Brief: Seine Lehrherren teilten ihm "vorsorglich mit, daß wir nicht in der Lage sind, Sie nach Abschluß Ihrer Ausbildung in ein ordentliches Arbeitsverhältnis zu übernehmen".

"Verlängerte Abschiebehaft"

Fast wäre Bundesfinanzminister Hans Matthöfer im Sommer vergangenen Jahres ins Schwärmen geraten, als ihn sein Weg an der Tübinger Thiepval-Kaserne vorbeiführte.

Wissenschaft: Gut Ding...

Der Dezember hat schon begonnen, als der Postbote ein Couvert aus Augsburg bringt. Es enthält eine fleißige Studie zweier Wissenschaftler der dortigen Universität, in dem sich – so die Autoren – "besonders markante Ergebnisse" finden.

Wasag-Chemie: Ertappt

Wer sich mit seinem Wirtschaftsprüfer so zerstreitet, daß der das Testat unter einer Bilanz verweigert, den Abschlußprüfer daraufhin abwählen lassen und auf der Hauptversammlung mit der eigenen Stimmenmehrheit die Bilanz feststellen will, muß mit Aufsehen rechnen.

Wirtschaftspolitik: Das Ziel ist klar

Die Bundesbank hat mit der Bekanntgabe des Geldmengenziels für 1982 (4 bis 7 Prozent) und der Senkung des Sonderlombardsatzes von 11 auf 10’/2 Prozent die Weichen in Richtung Abbau der Arbeitslosigkeit gestellt.

Bonner Kulisse

Verteidigungsminister Hans Apel könnte ein denkwürdiges Jubiläum feiern. Apel übermittelte den Mitgliedern des Verteidigungs- und Haushaltsausschusses einen Tornado-Jahresbericht.

Banken: AEG-Facette

Als die Hamburgische Landesbank, größerer Kreditgeber von AEG-Telefunken, der Dresdner Bank ihre Forderung an den um seine Existenz kämpfenden Elektrokonzern "zum halben Preis" anbot, wollte sie für sich einen Schlußstrich unter ein unerfreuliches Engagement ziehen.

Mediengewerkschaft: Ehe zu dritt

Die Erklärung besteht aus ganzen drei Sätzen, doch die Sensation ist perfekt. Nüchtern und sachlich teilen der Deutsche Journalisten-Verband, die IG Druck und Papier und die Rundfunk-Fernseh-Film-Union (RFFU) mit, daß eine gemeinsame Arbeitsgruppe in den nächsten Monaten das Modell einer Mediengewerkschaft entwickeln wird.

Buchmarkt: Ein erfolgloses Experiment

Anfang dieses Monats bekamen 128 Wissenschaftler und einige Verlage in der Bundesrepublik Post aus Frankfurt. "Ich bedauere tief", hieß es in dem dreiseitigen Schreiben, "Sie mit der Tatsache konfrontieren zu müssen, daß zumindest ein Teil der Konzeption des Syndikats als gescheitert betrachtet werden muß: Die Idee nämlich, daß ein Verlag von seinen Autoren – zumindest teilweise – finanziert wird .

Medien: TV-Piraten sollen berappen

Wenn es Nacht wird, schauen die Schweizer gern über ihre Grenzen. Dann sind eine Million Fernsehzuschauer, die ihre Programme über Kabel zugespielt bekommen, bei den Sendeanstalten ihrer europäischen Nachbarländer zu Gast – ohne Genehmigung der deutschen, österreichischen, italienischen und französischen Sender und ohne dafür einen Rappen zu zahlen.

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