DIE ZEIT

Rückfall in den Kalten Krieg?

Jene Ideologen, die sich am wohlsten fühlen, wenn Schwarz-Weiß-Kontraste die Welt regieren, mögen sich nach einem solchen Rückfall geradezu sehnen.

Schlappe für Börner

Bleibende politische Flurschäden, Gewalt und eine Eskalation der Gefühle hätte sich Holger Börner ersparen können, wenn er mit dem Baubeginn der Frankfurter Startbahn bis zum Urteil des Staatsgerichtshofes über die Zulässigkeit des Volksbegehrens der Startbahngegner gewartet hätte.

Kunst am Bau

In Zürich wurden sie zuerst gesichtet, dann in Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin: Auf kahlen Betonmauern tanzten Schmetterlinge, auf frisch verputzten Wänden flatterten fabelhafte Vögel, und leichtfüßige Strichmännchen liefen an U-Bahn-Schächten und Tiefgaragen entlang: Kunstwerke aus der Sprühdose, nicht bestellte und doch frei Haus gelieferte "Kunst am Bau" aus der Hand des berüchtigten "Sprayers".

Tränen um Polen

Wieviele Tränen mögen in Polen geflossen sein, als Ministerpräsident Jaruzelski am Ende seiner Ansprache, die das jähe Ende aller Hoffnungen zu bedeuten scheint, sagte: "Vor dem ganzen polnischen Volk und der ganzen Welt möchte ich jene unsterblichen Worte wiederholen: ‚Noch ist Polen nicht verloren‘.

Begins Bombe

In einer Hinsicht ist auf den israelischen Ministerpräsidenten Verlaß: Er schert sich, was immer er auch unternimmt, den Teufel darum, was andere davon halten.

Worte der Woche

"Arbeitet, meine Brüder, gebt nicht eure Köpfe hin, denn abgeschnittene Köpfe sind nicht viel wert, Jeder Kopf, jede Hand wird jedoch für den Wiederaufbau kostbar sein, der dem Ausnahmezustand folgen wird.

Das Treffen am Werbellinsee: Die Zuversicht blieb zaghaft

Werbellinsee/Güstrow, im Dezember Erfurt, 19. März 1970: Jene fast hilflose, aber dwshalb um so eindringlichere Handbewegung, mit der Willy Brandt am Fenster des "Erfurter Hofs" den ungebärdigen Jubel der Menschen zu dämpfen versuchte, haftet noch im Gedächtnis.

Zeitspiegel

Große Aufregung herrscht im Parlament des indischen Unionsstaates Maharaschtra. Die Zentralregierung in Delhi hat das Herzensanliegen der Abgeordneten abgeschmettert: Sie dürfen ihrer Hauptstadt Bombay keinen neuen Namen geben.

"Eine Stadt ohne Frauen und Kinder"

Schmidt in der DDR – das ist für uns so was wie die erste Mondlandung." Ein Ostberliner Freund, der mir am Wochenende des Kanzler-Besuchs über den Weg lief, konnte sich nicht harmloser zu diesem Ereignis äußern.

Verrechnet, verplant und vergeudet

Die polnische Tragödie begann mit einer Wirtschaftskrise. In kaum einem anderen Ostblockland ist so schlecht gewirtschaftet, soviel verplant, soviel vergeudet worden wie in Polen.

Polens riesige Schuldenlast

Die deutschen Banken, bei denen die Volksrepublik Polen mit rund zwölf Milliarden Mark in der Kreide steht (mehr als die Hälfte sind durch Bundesbürgschaften abgesichert), hatten zum Wochenbeginn noch keinen direkten Kontakt mit Warschau.

Der Putsch von 1926: Diktator wider Willen

Diktator war ich nur einige Monate. Ob nun mein Entschluß dumm oder vernünftig war – jedenfalls beschloß ich, den Sejm einzuberufen, meine Macht in seine Hände zu legen.

Plagiatoren

Wir sahen ihn verständnislos an. Da beugte er sich zu uns herüber: "Killer-Kommando. Ghaddafi Raketen auf das Weiße Haus. Mordpläne gegen den US-Präsidenten.

Vereinte Nationen: Mit Geduld und Vorsicht

Sein Lieblings-Wort heißt: "Vorsicht". Die diplomatische Fähigkeit, nirgendwo und bei niemandem anzuecken, seine politischen Überzeugungen bis zur Konturenlosigkeit zu verbergen, hat Javier Pérez de Cuéllar, der designierte Generalsekretär der Vereinten Nationen, bis zur, Perfektion entwickelt.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: Keine Ehe auf Probe

Man muß sich vor allem der Verpflichtungen bewußt sein, die dem katholischen Teil aus seinem Glauben erwachsen, nämlich diesen frei auszuüben und dementsprechend nach Kräften dafür Sorge tragen, daß die Kinder im katholischen Glauben getauft und erzogen werden.

Ein Hitzkopf als Präsident

Galtieri, 55 Jahre alt, Mitglied der dreiköpfigen Militärjunta und Oberkommandierender des Heeres (beide Funktionen will er entgegen den Statuten der Junta beibehalten) ist so ziemlich das genaue Gegenteil des am Freitag voriger Woche abgesetzten Roberto Viola.

Dänemark: Alte Krux

Die Wahlen brachten nun nicht etwa einen klaren Rechtsruck: Die Dänen entzogen ihrer Regierung zwar eindeutig das Vertrauen (minus 5,5 Prozent), doch davon profilierte die bürgerliche Opposition nicht wie erhofft.

Ein Verstoß gegen die Grundregel

Am Freitag wird im Bundestag endgültig über das Haushaltsstrukturgesetz entschieden: Um es verabschieden zu können, muß das Parlament einen Einspruch des Bundesrats zurückweisen.

Nato: Probleme mit Papandreou

Die alljährliche Wintertagung der Außen- und Verteidigungsminister der Nato-Staaten in Brüssel war – am Freitag vergangener Woche – bereits zu Ende gegangen, als die Regierung in Warschau das Kriegsrecht über Polen verhängte.

Verhältnis Ökologie – Ökonomie: Hauff contra Löwenthal?

Die ZEIT hat letzte Woche zusammen mit meinem Artikel über "Identität und Zukunft der SPD" einen Kommentar ihres Bonner Korrespondenten Gunter Hofmann über die Entstehung meiner "Thesen" veröffentlicht; zugleich hat sie auch einen Bericht Hofmanns über ein wichtiges Papier der von Volker Hauff geleiteten "Kommission für Umweltfragen und Ökologie" beim Parteivorstand der SPD erscheinen lassen, der sich von der redaktionellen "Spitze" an darauf konzentriert, dieses Papier in Gegensatz zu meinem Artikel und meinen Thesen zu stellen.

Karl der Große, Goethe und Tandler

Die Fronten sind klar abgesteckt. "Ziemlich das dümmste Projekt seit dem Turmbau zu Babel", fand Volker Hauff locker. Bayern sei nicht Babylon, erwiderte Gerold Tandler erbost dem Bundesverkehrsminister.

Der "blaue Montag" vorm Bundesverfassungsgericht: Streitbarer Figaro

Als der Waiblinger Friseurmeister Helmut Fischer im September vor sechs Jahren seinen Salon zum erstenmal am Samstag vier Stunden früher schloß und dafür montags ganztägig öffnete, ahnte er nicht, wie schwer auch für einen Barbier das Abschneiden eines alten Zopfes sein kann.

Fahrlässige Tötung

Mittwoch, 5. August 1981, 20 Uhr dreißig: Der Feind hat die Westlevener Brücke über dem Wesel-Datteln-Kanal bei Haltern (Westfalen) in die Luft gesprengt.

Rundfunkanstalten - Rentenanstalten?

Reinhold Vöth, Intendant des Bayerischen Rundfunks und Vorsitzender der ARD, ist – so scheint’s – derzeit sein Geld wert Zwar kassiert er von seiner Anstalt jährlich über 300 000 Mark Gehalt, doch ist das nur ein Pappenstiel gegen die Summe, die Vöth dem Bayerischen Rundfunk allein in den wenigen Wochen bis zum Januar des neuen Jahres erspart: 15 Millionen Mark.

Lieber etwas teurer

Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht aus irgendeiner Ecke der Ruf nach einer höheren Kilometerpauschale ertönt. Die bisher gewährte Kostenpauschale von 18 Pfennig je Kilometer für den Weg zur Arbeit, und von 36 Pfennig für Dienstfahrten reiche bei weitem nicht mehr aus, rechnen die Kritiker vor.

Tarifpolitik: Einsame Rufer

Nun ist zwei Gewerkschaftsführern doch noch etwas eingefallen, wie sie durch eigene Beiträge ihre Solidarität mit den Arbeitslosen unter Beweis stellen können.

Mineralöl: Koalition

Die Front der Sozialdemokraten wirkte geschlossen wie in keiner anderen Sachfrage. Der "linke" Uwe Jens forderte wie der eher "rechte" Karl Ravens die Bundesländer mit eigener Öl- und Gasförderung auf, die Abgabe auf diese Förderung von zwanzig auf die gesetzlich zulässigen vierzig Prozent zu erhöhen.

Autopreise: Vorzug

Wer schnell hilft, hilft doppelt – nach diesem Motto hat die deutsche Autoindustrie ihre Preiserhöhung diesmal vorgezogen. Den Anfang machte VW mit durchschnittlich 2,3 Prozent Verteuerung am Montag dieser Woche; Daimler-Benz wird im Januar 2,7 Prozent zulegen.

AEG-Telefunken: Schweigen ist Gold

Dazu allerdings war kräftige Nachhilfe nötig: Die Kooperation mit Bosch und Mannesmann auf dem Gebiet der Kommunikationstechnik schwemmte dringend benötigtes Geld – einige hundert Millionen Mark – in die Kassen der AEG; die Banken mußten ein weiteres Mal auf Forderungen gegenüber dem Elektrokonzern verzichten, diesmal waren es 240 Millionen Mark.

Bonner Kulisse

Die meisten Leser einer Zeitung schätzen Bezeichnungen, die sie verstehen – anderenfalls blättern sie halt um. Bezeichnungen wie "Eigenkapital" oder gar "Haftungszuschlag" oder, noch schlimmer, "nachrangiges Haftkapital" aber zeichnen sich nicht gerade durch allgemeine Verständlichkeit aus.

Sparbeschlüsse: Nur ein Anfang

Es konnte schon keine Überraschung mehr sein, daß derBundestag den Einspruch der Unionsmehrheit im Bundesrat gegen die Verbrauchsteuererhöhung und die Kindergeldkürzung am 18.

Mit dem Bus nach Amerika

Möge der Herrgott MAN reiche Gewinne gewähren." Diese fromme Bitte des Pastors, der bei der Einweihung des neuen Bus-Montagewerkes in Cleveland (North Carolina) die landesüblichen Segensworte sprach, drückt so recht den Geist aus, der in dieser Region Amerikas noch herrscht.

Bauindustrie: Teuer und rätselhaft

Die Betroffenen erfuhren die Neuigkeit von den Nachrichtenagenturen. Der Vorstand des größten deutschen Baukonzerns Philipp Holzmann AG mußte einem Telex entnehmen, daß der Hauptkonkurrent Hochtief AG neuer Großaktionär geworden war.

Sozialversicherung: Der Renten-Frieden trügt

Die Hiobsbotschaften über Nullwachstum, Pleitenrekorde, steigende Arbeitslosigkeit, zerrüttete Staatsfinanzen, hohe Zinsen und Kostenexplosionen wechseln einander ab – nur über die Renten hat man schon seit geraumer Zeit nichts wirklich Bedenkliches gehört.

Japan: Loch in der Kasse

Noch im Mai dieses Jahres glaubte das Amt für Wirtschaftsplanung der japanischen Regierung (EPA) einen bedeutenden Sieg melden zu können: "Die Konjunktur Japans hat endgültig die Folgen der zweiten Ölpreiskrise überwunden", hieß es im Monatsbericht der Behörde.

Ferngesteuerte Zinsen

Die polnische Krise hat die deutsche Börse bisher besser überstanden, als zunächst angenommen werden konnte. Die Angstverkäufe der Ausländer hielten sich bei den festverzinslichen Papieren in engen Grenzen, bei den Aktien waren sie überhaupt nicht spürbar.

Unternehmen scheuen die Börse

Die Versuche der Banken, neue Unternehmen an die Börse zu bringen, waren auch 1981 bis auf wenige Ausnahmen erfolglos. Dabei gibt es viele "börsenreife Kandidaten".

ZEIT spart Geld

Nach der Hauptversammlung der Wasag-Chemie AG, auf der deutlich wurde, daß die Gesellschaft saniert werden muß, ohne daß der Großaktionär, die Bohlen Industrie GmbH, dazu einen Beitrag leisten wird, ist der Kurs der Wasag-Chemie-Aktien rasch bis in die Gegend von 100 Mark gefallen.

Manager und Märkte

Weil bei der Deutschen Shell strenge Sitten herrschen, hatte Hans-Georg Pohl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des zweitgrößten deutschen Ölkonzerns, in dieser Woche zwei Gründe zum Feiern.

Opfer für Arbeitslose

Döding: Ich will zumindest klarstellen, daß wir als Gewerkschaften den Staat natürlich nicht aus seiner Verantwortung für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik entlassen können.

Gegenwirtschaft: Ausstieg in die Fron

Der Augenschein täuscht: Mit lila Latzhosen gekleidete und hennarot gelockte Sekretärinnen auf den Chefetagen signalisieren noch nicht das Vordringen der Alternativbewegung bis in die Festungen der bürgerlichen Ökonomie.

Die nützlichen Parasiten

Das mildeste Argument der Kritiker gegen die Alternativen lautet, daß sie Spinner seien, daß ihre Ideen von Selbstverwaltung, gleichem Lohn, Aufhebung von Spezialistentum und Konkurrenz auf größere Betriebe oder gar die ganze Volkswirtschaft nicht übertragbar seien.

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