Tatsächlich hat die Bank dem scheidenden Schreiber viel zu verdanken. Er hatte die Tochterbank in Luxemburg rasch zur größten Bank am Platze gemacht. Nachdem er 1974 in den Vorstand nach Frankfurt berufen worden war, organisierte er den Edelmetallhandel der Bank. Mit seinen im Goldgesdiäft erzielten Gewinnen konnten die Ertragsschwachstellen der Dresdner Bank längere Zeit unter der Decke gehalten werden. „Reden ist Silber, Schreiber ist Gold“ – dieser Slogan machte schließlich in Frankfurt die Runde.

Aber in diesem Jahr erwischte es den Goldhändler. Statt Gewinne beizusteuern, war das Goldgeschäft defizitär. Zu seinem Ausgleich mußten versteuerte Rücklagen herangezogen werden.

Einen zweiten Minuspunkt handelte sich Schreiber als Aufsichtsratsvorsitzender der Tochter Deutsche Länderbank AG in Frankfurt ein, bei der 1981 Verluste entstanden, die zwischen 50 und 100 Millionen Mark liegen und im wesentlichen Teil auf Wertpapierabschreibungen zurückzuführen sind. *

Anfang Juli hatte der Verwaltungsrat der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf wieder einmal den Schleudersitz ausgelöst und den Vorstandsvorsitzenden der Bank, Johannes Völling (59), wegen eines miserablen Abschlusses und des weiteren schlechten Geschäftsganges zur Jahresmitte an die Luft gesetzt. Völling kann sich mit auskömmlichen Bezügen trösten. Über die Bank war das Zinsänderungsrisiko in voller Wucht hereingebrochen. Die Erträge reichten nicht mehr aus, für alle Risiken, die notwendige Vorsorge zu treffen und gleichzeitig eine Ausschüttung an die Gewährsträger zu erwirtschaften.

Einen Monat später verließ auch Norbert Fischer (54) den Vorstand der WestLB. Erst sah es so aus, als hätte der Verwaltungsrat das Proporzdenken auf die Spitze getrieben und dem der SPD nahestehenden Völling dem der CDU zuzurechnenden Fischer nachgeschickt. Doch der wahre Grund war die schlechte Entwicklung bei den Immobilienfonds der Rheinisch-Westfälischen Immobilien-Anlagegesellschaft (RWI), einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der WestLB, bei der Fischer lange Zeit Aufsichtsratsvorsitzender war.

Friedel Neuber (46), vom Präsidentensessel des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands als Nachfolger Völlings auf den Chefsessel der Bank berufen, hat sich klugerweise noch nicht der Personalpolitik zugewandt. Vorläufig sucht er nach den Verlustquellen.

Auf „sanfte Art“ hat sich die Berliner Bank AG von ihrem langjährigen Vorstandsmitglied Jakob Kehren verabschiedet. Sie verlängerte den Vertrag des knapp Sechzigjährigen nicht. Kehren ist ein Opfer der Garski-Affäre, die der Bank einen Verlust von zwölf Millionen und dem Land Berlin von 93 Millionen eintrug. Auch wenn dem in Berlin angesehenen Kehren keine persönliche Schuld an der Affäre beigemessen werden kann, so war es doch seit langem klar, daß sie nicht nur von den Politikern der Stadt Opfer verlangen würde, sondern daß auch die Berliner Bank ein Vorstandsmitglied in die Wüste würde schicken müssen.

Rudolf Herlt/Kurt Wendt