Einem Elternvertreter, der den linken Lehrer des nicht-lehrplangerechten Mathematikunterrichts bezichtigen wollte, gab der Schulleiter "in der Eile" einen veralteten Lehrplan. Diesen Irrtum deckte er genausowenig auf wie andere falsche Anschuldigungen, dagegen kolportierte er sie in tendenziöse Befähigungsberichte.

All dies nahm der Volljurist und Beamtenrechtler Heinz Delius, der sich auch durch seinen Roman-Namen "Delirius" beleidigt fühlt, unbedenklich in de Lorents Personalakte auf. Bei seinen häufigen Telephonaten mit dem Schulleiter in Sachen de Lorent passierten allerdings "Hörfehler" und "Mißverständnisse", alle zu Lasten des Angeklagten.

Nach sieben Verhandlungstagen, gefüllt mit unglaublichen Geschichten aus dem Beamtenalltag, bringt es der Schriftsteller Peter O. Chotjewitz, im Prozeß zweiter Verteidiger, satirisch auf den Punkt: "Erst die Beweisaufnahme erfüllt den Tatbestand der Beleidigung."

Der Staatsanwalt möchte "Die Hexenjagd" zwar immer noch verboten und eingestampft sehen, doch Richterin Haese fällte einen couragierten Freispruch: Das "unkorrekte" Verhalten der Beamten selber habe dem Autor so viel Anlaß zur Kritik gegeben, daß ihm auch satirische Überspitzungen nicht angekreidet werden können.

Charlotte Wiedemann