Von Gerhard Seehase

Als Modellfigur für sportlichen Charme könnte er selbst seinem Starspieler Franz Beckenbauer Konkurrenz machen. Und sogar die leicht heruntergerutschte Krawatte wirkt bei ihm so korrekt salopp, als hätte er sie gerade eben erst vor einem Boutiquen-Spiegel im benachbarten Pöseldorf auf den letzten Stand gebracht.

Wolfgang Klein, der Präsident des Hamburger Sport-Vereins (HSV), hält sich wie sein Vorgänger Dr. Peter Krohn an das zeitgenössische Schnittmuster der höheren Einkommensklasse. Auch er bewegt sich mit sicherer Lässigkeit auf dem glatten Parkett der hanseatischen Schickeria; aber im Präsidenten-Sessel des renommierten Hamburger Bundesliga-Klubs läßt der promovierte Jurist Klein keine Übereinstimmung mit dem promovierten Diplom-Kaufmann Krohn gelten.

Als er sich 1979 auf die Kandidaten-Liste setzen ließ, da tat er es, weil er "die Gefahr" sah, daß ein geschickt agierender Peter Krohn die Oberhand gewinnen könnte gegenüber einem Präsidenten, damals Paul Benthien, "der nicht bereit war, einen Wahlkampf zu führen".

Wolfgang Klein gewann das Duell mit Peter Krohn in einer Kampfabstimmung, an der 1017 stimmberechtigte Mitglieder teilnahmen. Zwei Jahre später, im Dezember 1981, wurde Wolfgang Klein wiedergewählt. Ohne Gegenkandidat und ohne Gegenstimme. Diesmal waren nur noch 214 stimmberechtigte Mitglieder anwesend, so selbstverständlich war es den HSVern – der Verein hat 4800 Mitglieder diesen Mann Nieder an der Spitze zu sehen.

"Theoretisch hätte ich also durch eine Minderheit abgewählt werden können", sagt er, "falls irgendeine Abteilung mit einem Votum gegen mich anmarschiert wäre."

Nun, die Person Wolfgang Klein ist offensichtlich maßgeschneidert für den berühmten Präsidenten-Sessel, den es im übrigen gar nicht gibt. Denn entweder sitzt der HSV-Chef auf seinem keineswegs komfortablen Stuhl in der Hamburger Anwaltspraxis, oder er hockt auf den kalten Bänken eines Fußballstadions. Auf keinen Fall würde er es sich erlauben, gegenüber der Bundesliga-Mannschaft einen Platz einzunehmen, "der dem Trainer gehört".