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Eine Nachdenklichkeit über die Grenzen des Zumutbaren

Von Fritz J. Raddatz

Der Casus

Als aktuelle Ergänzung einer zweiteilig angelegten Sendung "Die französische Rechte" strahlte die Literatur-Redaktion des Südwestfunk Baden-Baden am 12. Januar einen reportagehaft angelegten Beitrag Armin Möhlers aus – "Begegnungen mit der französischen Rechten"; zuvor hatte Günther Schiwy fundierte historische Überlegungen zur Dreyfus-Affäre, Action Française und ihren Nachwirkungen angestellt. Der zuständige Redakteur, Gerhard Adler, erntete für die Möhler-Sendung einen Proteststurm seiner Kollegen im Funk. Es war in Briefen und Resolutionen innerhalb des Funkhauses vom "Nazi" Mohler die Rede, dem man Sendezeit gäbe "für einen Beitrag, der dem Ressentiment das Wort redet, der die Repression favorisiert, der die Verbrechen verschweigt und die Verbrecher anhimmelt" (Gunter Schäble). Von der Chefredaktion Hörfunk bekam Programmdirektor Locher es kurz und bündig: "Armin Mohler ist nicht zu vertreten", und selbst aus der Jazz-Redaktion schrieb der renommierte Experte Joachim E. Berendt: "Ich verwahre mich auch dagegen, daß die Diskussion um das Mohler-Skript auf die Frage ‚hier konservativ – dort liberal‘ zurechtgestutzt wird. Dies ist eine unzulässige Simplifizierung. Mein Vater stand (wie die meisten protestantischen Pfarrer) ‚rechts‘; die Nazi-Mörder, die Mohler reinwaschen will, haben nicht nur Linke, sondern auch Liberale und Rechte gemordet – viele der Besten aller politischen Richtungen

Der Gesamtpersonalrat des Südwestfunk und der von ihm gebildete Ausschuß für Programm-Mitarbeiter meldete sich mit einer Demarche zu Wort: "Dieser Beitrag stellt nach Auffassung des Ausschusses eine Glorifizierung und Heroisierung der Kollaboration französischer Faschisten mit dem Nationalsozialismus dar. Die ‚Begegnungen‘ werden nämlich in einer Sprache geschildert, die auf jede Distanz und Kritik verzichtet und unterschwellig zu erkennen gibt, daß sie mit dieser ‚Rechten‘ Sympathien hegt." Ein publizistischer Skandal.

Die ZEIT (Nr. 52/81, 2/82) hat einiges von dieser Debatte gedruckt, auch die Rechtfertigung des zuständigen Redakteurs, der sich auf eine Verteidigung des früheren Konservativen Mohler durch Jean Améry berief. Das kommentierte Wolfram Schütte in der Frankfurter Rundschau – die das Ausstrahlen der Möhler-Sendung unter der Überschrift "Instinktlos" abtat: "Ihre Fehler, Herr Adler, machen Sie künftig gefälligst allein oder zusammen mit Armin Mohler. Jean Améry hat in Ihrer Gesellschaft nichts zu suchen, weil er dort nichts gefunden hätte, als was er schon wußte, als er die Gemeinschaft der Lebenden mit Grund und Wissen verließ. Wenn der schlimmste jüdische Fluch lautet: Nicht gedacht soll seiner werden, so könnte man ihm auch entnehmen, ein vollkommenes Vergessen ist besser als eine schiefe Erinnerung, die das Andenken verfälscht."

Hauptabteilungsleiter Rübenach schließlich bat, für diesen Tag regelrecht von seiner Programmverantwortung entbunden zu werden, und meldete sich nach Ausstrahlen der Sendung am Abend des 12. Januar mit einer vehementen Distanzierung zu Worte: "Ich finde, daß innerhalb des Spektrums unserer Meinungsfreiheit Mohler insofern nicht vertretbar ist, als er in seinem Beitrag dieses Grundrecht für die sympathisierende Darstellung faschistischer, antidemokratischer Positionen mißbraucht. " Ein kaum je dagewesener Vorgang, vergleichbar dem, daß der Ressortchef einer Zeitung sich von der Produktion seines Ressorts öffentlich distanziert. Worauf sich der Hörfunkdirektor Locher mit einer eher gequält klingenden Erklärung verteidigte: "Es war die publizistische Entscheidung zu fällen, ob der Beitrag von Armin Mohler zum Meinungsspektrum einer öffentlich-rechtlichen Anstalt gehören darf. Dies bejahe ich, weil ich der Überzeugung bin, daß es ein Existenzprinzip des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist, im Rahmen der Gesetze alle Strömungen zur Darstellung kommen zu lassen, die in der Gegenwart vorhanden sind oder sich abzeichnen." Was natürlich der bare Unsinn ist; es sei denn, wir dürfen nun mit Spannung auf eine Darstellung des Terrorismus durch ein Zwanzig-Minuten-Feature von Christian Klar im Südwestfunk gespannt sein. Womit die Frage, die Debatte verlängert wäre: Ist Armin Mohler ein Terrorist?

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Der Mann

Der 1920 in Basel Geborene wollte sich 1942 freiwillig zur Waffen-SS melden; dieses Glück wurde ihm verwehrt. 1949 promovierte er bei Schmalenbach und Jaspers, war bis 1953 Ernst Jüngers Sekretär, wurde Auslandskorrespondent für die deutschen Zeitungen ZEIT und Christ und Welt und ist seit 1964 Leiter der C. F. v. Siemens Stiftung. 1967 erhielt er den ersten Adenauer-Preis für Publizistik. Wenn man das SS-Begehren als Jugendsünde abzubuchen bereit ist, eine legitime Entwicklung; es wäre schlimm, Möhlers Bekenntnis "Ich bin ein Konservativer" oder "Ich bin ein Rechter" böte schon Anlaß zu Schmähungen. Ich wäre der erste, ihm das Recht auf diese Position zu verteidigen – und nun muß natürlich der Voltaire-Satz "Ich mißbillige, was du sagst, aber ich setze mich mit ganzer Kraft ein, daß du es sagen darfst" fallen, zumindest das Rosa-Luxemburg-Dictum "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden".

Nur: Was eigentlich ist Möhlers Position? Wird er eigentlich zu Recht als "einer der wenigen brillanten Konservativen" bezeichnet? Ein Werk, um das zu überprüfen, gibt es nicht. Die Büchlein, Broschüren und Traktate, die man zur Hand nehmen kann, zeigen allerlei: eine Karriere – vom ZEIT-Mitarbeiter zum Hauptautor des bekannten SINUS-Verlages; Aufsätze, die wortreich, aber gedankenleer sind, so eine erhabene Idee etwa, die unser Autor für einen solchen Fund hält, daß man sie in anderen Aufsätzen immer wieder findet: "Wenn aber ein Münchner heute einen Tag in Detroit verbracht hat, so kann er nur mit einem Gedanken im sorgfältig verriegelten Hotelzimmer aufs Bett sinken: nämlich dem lieben Gott (oder meinetwegen der Vorsehung) zu danken, daß Clemenceau 1918 den Deutschen keine einzige Kolonie mehr gönnte. Warum Weil es sonst jetzt in Sendling einen riesigen Negerslum gäbe"; Brillanz gar keine – ein bißchen Brillantine: "So entsteht die ‚Wohlstandsgesellschaft‘, die weit komplizierter strukturiert ist, als jene jungen Leute meinen, welche sich zeitweise gegen sie sträuben. Ein eigenartiges Parfüm erinnert an den nervösen Unterbau dieser Gesellschaft unter ihrer Fettschicht. Es ist ein aus Demut und Genuß skurril gemixtes Parfüm – als ob die Demutsbeteuerungen, das betont Unpolitische das Unglück bannen und zugleich den Genuß steigern und verewigen sollten..."

Seriöse und begabte konservative Schriftsteller heißen sie nun Joachim C. Fest, Johannes Gross oder Golo Mann – muß es schütteln, diesen Stilkünstler an ihre Seite gerückt zu sehen. "Wir sind zwischen Geburt und Tod gespannt – beides wird uns treffen": Bei solcher Journalistenpoesie kann man sich nurmehr entscheiden: Lachen über die entgleiste Metapher oder Schluchzen über die hochgeflogenen Gedanken. Nein, ein Geschichtsforscher ist hier nicht tätig, sondern ein Geschichtsfrisör; keine Haare, aber Löckchen.

Das Werk

Was also ist Möhlers Position, die man verteidigen oder bekämpfen kann – die zu äußern aber sein Recht sein sollte? Mit Sicherheit nicht die eines "Nazi". Das zu Tode gerittene Wort sollte, außer zur historischen Positionsbestimmung, also: in Polemiken mal für eine Weile aus dem Verkehr gezogen werden. Dieser Vorwurf – auch der des "Faschisten" – gegen Mohler ist ressentimentgeladen, unsauber. Das inzwischen justitiable Wort "Auschwitzlüge" habe ich bei ihm nicht gefunden. Und sein Wort vom "Bewältigungsrummel" – denkt man an die Schmalzsäule "Holocaust" – ist so falsch nicht.

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Was die Auseinandersetzung mit Armin Mohler so, schwierig macht, ist ein Element des Unreinlichen; man kann nicht "Haltet den Dieb" rufen, wenn es nur ein Taschenspieler ist, der schließlich leere Beutel vorweist – kein silberner Löffel drin. Möhler stellt uns vor die klassische, unlösbare Frage: Wie nagelt man einen Pudding an die Wand? Pars pro toto ein Zitat aus seinem 1980 erschienenen Buch "Vergangenheitsbewältigung", das eine Argumentation vorführt, die man in Frankreich "glissant" nennen würde: "Die deutschen Konservativen werden auf die Dauer die Kampagne eines zeitgeschichtlichen ‚Revisionismus‘ nicht ignorieren können, welche seit Jahren schon eine kleine Schar von insbesondere angelsächsischen und französischen Autoren begonnen hat. Es geht dabei um mehr als bloße Retuschen an der bisherigen Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg und das Dritte Reich. Es seien nur die beiden wichtigsten Streitpunkte erwähnt. Erstens wird die Zahl von sechs Millionen umgebrachten Juden radikal angezweifelt; die als Korrektur angebotenen Zahlen sind sechsstellig. Zweitens geht es um die sogenannten Vergasungskammern. Das Institut für Zeitgeschichte in München hat bereits zugegeben, daß es solche Kammern in den KZs des Reichsgebiets in seinen Vorkriegsgrenzen nie gegeben hat (nur Krematorien für auf andere Art Gestorbene oder Umgebrachte). Die Kammer, welche gefangene SS-Leute im befreiten KZ Dachau unter amerikanischer Aufsicht errichten mußten, steht noch, ist aber mit dem Vermerk versehen, daß sie nie in Gebrauch genommen wurde. Ein Assistenzprofessor der Universität Lyon namens Robert Faurisson, spezialisiert auf Textkritik zeitgeschichtlicher Texte, hat nun eine umfangreiche Dokumentation zusammengestellt, mit der er beweisen will, daß es auch in Auschwitz und den anderen KZs auf polnischem Boden keine Vergasungskammern gegeben habe." Der nächste Satz bei Mohler heißt: "Wir wissen nicht, ob diese Thesen stimmen." So arbeitet Mohler. Er verschweigt, daß Faurisson nicht nur fragwürdig, sondern inzwischen rechtskräftig verurteilt ist (er benutzt selber nicht das Wort "Auschwitzlüge", aber er bezieht sich oft auf Wilhelm Stäglichs Buch "Der Auschwitz-Mythos", 1979 – und verschweigt, daß der Autor wegen der Behauptungen dieses Buches vom OberTandesgericht Hamburg verurteilt wurde). Mohler tut so, als behaupte er nie etwas – er fragt ja nur. Verurteilung "by insinuation" nennt man das in angelsächsischen Ländern. Das "April – April"-Gerufe nach unerhörten Frage-Behauptungen ist nicht bloß stillos-neckisch, sondern schlichtweg widerlich – angesichts des Gegenstands. Mohler streut Überlegungen ein, bei denen der Leser sich sagt – endlich, hier ist er ehrlich, unangreifbar, seine Thesen sind nicht zu disputieren: "Es ist denkbar, daß eine genauere Forschung, aus historischem Abstand, einmal andere Zahlen der Opfer ergeben könnte als die heute geltenden. Das ändert und entschuldigt an diesen Verbrechen jedoch nichts, denn sie sind keine Frage der Quantität. Hundert Morde sind nicht besser als tausend Morde, ein Mord nicht weniger schlimm als hundert Morde, Mord ist Mord. Die intensive Beschäftigung mit der Zahl der Opfer, wie sie von manchen Autoren betrieben wird, stößt ab, weil sie Verbrechen und Leiden zu statistischen Größen entwertet." Wenige Seiten später gibt er zu verstehen, daß bis heute "aus Gründen politischer Opportunität" geheimgehaltene (aber ihm wohl zur Kenntnis gebrachte?) Dossiers die Bombardierung von Guernica als "Mythos" entlarven. Eine Slalom-Moral, eine Zickzack-Argumentation. Armin Möhler ist nicht jemand, der seriös unbequeme Fragen stellt, sondern ein Wichtigtuer, der gerne verboten werden möchte; den Gefallen sollte man ihm nicht tun. Niedriger hängen.

Die Sendung

Also lief die Sendung des Südwestfunks zu Recht? Die Entscheidung darüber ist keineswegs eindeutig. Rechtens gewiß – ich sehe nicht, wo sie gegen geltendes Recht verstieße; außer dem des guten Geschmacks: Es ist ein schlechtes Manuskript. Doch sehe ich ein – würden die deutschen Funkanstalten nach diesem Kriterium verfahren, müßte ein sehr langes Pausenzeichen erfunden werden.

Es ist, wie immer bei Mohler, keine kluge Arbeit, aber eine schlaue. Sie gibt sich als Reportage. Und, beim Kisch, jeder Reporter hat seine Sympathien. Mohler verbirgt seine nicht: Erstens freut sich ein Rechter im allgemeinen – die Ausnahme wird gleich genannt – genauso über das Treffen mit Rechten anderer Länder wie sich ein Linker freut, in der Fremde andere Linke zu treffen. Zweitens hat ein Rechter dazu noch bessere Voraussetzungen als ein Linker: Er ist ja nicht der Meinung, daß alle Menschen gleich seien, und hat deshalb mehr für die Andersartigkeit anderer Menschen übrig – sie ist ihm das Selbstverständlichste von der Welt."

Das, finde ich, muß erlaubt sein. Was danach kommt, nicht mehr. Mohler lädt einen jungen französischen Hitler-Verehrer in die Pariser "Cinémathèque" zu Leni Riefenstahls "Triumph des Willens", jenem bekannten antifaschistischen Filmwerk, fürwahr geeignet, törichte und von historischem Wissen ungetrübte Sympathien abzubauen: "Er sah Hitler doch von da an in weniger lichten Strahlen." Also noch: licht, falls die deutsche Sprache einen Sinn gibt. In solchen perfiden Details liegt Möhlers "Insinuation", seine Unreinlichkeit – denn es ist ja nicht er, Mohler, der Reporter. Der berichtet nur – wie sein Freund das Horst-Wessel-Lied mitsummt, und was dann geschah, um das Wohlbefinden des Berichterstatters zu erhöhen: "Auf jeden Fall waren wir nach Schluß des Filmes, auf der Straße draußen, plötzlich von einem Rudel von Männern umringt, von denen die meisten groß wie Kleiderschränke waren. Sie fixierten uns und fragten: ‚Haben Sie das Horst-Wessel-Lied mitgesummt?‘" Ich dachte: das jetzt gibt’s Haue, und schielte nach rechts und links der Hausmauer entlang nach einem Fluchtweg. Aber die Kleiderschränke riefen fröhlich: Kommen Sie mit – wir haben alle in deutscher Uniform in Rußland gekämpft!‘ Und sie nahmen uns mit in ein nahe gelegenes Und gegenüber dem Eingang zum Luxembourg-Park, wo noch zahlreiche Gleichgesinnte saßen.

Durch diesen Zufall war ich in eine Art von faschistischer Internationale’ geraten, denn es stellte sich bald heraus, daß dieser Kreis nicht nur aus Franzosen, aus Angehörigen der französischen Freiwilligen-Legion oder der Waffen-SS, bestand. Es waren Spanier aus der ‚Blauen Division‘ dabei, Italiener, Belgier, Holländer, Skandinavier aus der ‚Division Wiking‘. Dazu ein Kranz von Jüngeren, die nicht mehr ‚dabei‘ gewesen waren und nun begierig den Berichten, der Älteren zuhörten. Auch der ‚repos du guerrier‘, das Krieger-Ruhekissen, fehlte nicht: junge Mädchen, denen diese Männer gefielen und die – nicht unwichtig – sich in den Ton der Kameraderie einschwingen konnten. Das so besondere Kulturprodukt der französischen Dame war hier nicht gefragt.

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Ob nun der "Blitzmädel"-sabbernde Kasino-Ton oder die Klein-Leni-Dackelperspektive von den "Kleiderschränken" oder das verharmlosende Schuljungen-Vokabular von der "Haue": Das ist nicht nur unangemessen. Das ist verherrlichend. Es ist seifig – doch wir erinnern uns, aus was, nein: Aus wem diese Seife gemacht wurde. Möhler schämt sich nicht, das wörtlich zu negieren; ach, nein – er ist ja "nur" Reporter, also: negieren zu lassen: "Eines verband alle diese Männer: ihr selbstverständlicher Internationalismus. Sie fühlten sich denen verbunden, die sich wie sie als Freiwillige für die gleiche Sache geschlagen hatten. Sie sagten: ‚Wir brauchen uns nicht zu schämen – wir haben keine Verbrechen begangen."

Wahrlich, ich sage euch: Das geht nun nicht. Der Herr Programmdirektor irrt, wenn er das noch unter "audiatur et altera pars" rubriziert und derlei Aufkläricht zum Programmauftrag stilisiert. Merkwürdig: Man ist nicht mal so sehr empört wie angeekelt. Man will nicht mal nach "Zensur" rufen – möge Armin Mohler getrost diesen Sud in seinen Traktat-Verlagen abkochen. Aber öffentlich-rechtliche Anstalten sollten sich zu derlei nicht hergeben. Das ist weit unter "Alt-Vater" Charles Maurras, auf den Armin Mohler sich so gerne beruft – und der (1945 zu lebenslanger Haft verurteilt) die vier Evangelisten als "vier schäbige Juden" bezeichnete.

Das Fazit

Es gab und gibt große Irrende: Hamsun oder Céline, Genet oder Pound. Ihr Werk gibt Rätsel auf, birgt Ungleichzeitigkeiten, Verwucherungen. Sie haben das Gift unserer Zeit in ihrer Arbeit bewahrt wie der Bernstein die Mücke. Bei Armin Möhler aber gibt es keinen Bernstein, nur Flaschenglas. Es bewahrt nichts als schale Listigkeit. Nicht aufhebenswert. Die Kollegen des Südwestfunks haben sich zu Recht nicht gegen einen Anstoß, aber gegen das Anstößige entschieden. "Ich bereue nicht" hieß die Parole, unter der der Neonazi Röder seine Exerzitien abhielt; sie ist ein Zitat von Rudolf Heß – er begegnete mir in seinen Nürnberger Richtern. Ist der gleichklingende innere Du! aus mit dem von Mohler gepriesenen "wir haben keine Verbrechen begangen Zufall? Dann ist die vierzehn Monate alte Jennifer Altring allerdings auch an einem Zufall gestorben – und war nicht Opfer eines neonazistischen Terrorakts auf ein jüdisches Restaurant in Berlin, Januar 1982. Es gibt auch ein anderes Verständnis vom Demokratie-Auftrag des Publizisten. Man darf sich erinnern: Als 1955 die ZEIT einen Vor-Denker faschistischer Staatsformen, Carl Schmitt – ein Mann von allerdings profundem Gewicht, verglichen mit Mohler – unter Vertrag nehmen wollte, verließ ein Redakteur das Haus (und kehrte statt Schmitt zurück); er heißt Marion Gräfin Dönhoff. Und ist heute Herausgeber dieser Zeitung. Wäre Armin Mohler doch Sekretär geblieben.