Als vor kurzem eine Türkin als Beisitzerin in den Bezirksvorstand der SPD Hannover gewählt wurde, standen die Telephone in den Parteizentralen von Hannover und Bonn nicht mehr still. Wurden Glückwünsche für eine politisch kluge Wahl übermittelt? Wurden Respekt und Einverständnis. für eine notwendige Entscheidung geäußert? O nein, auch die Mitglieder der SPD richten sich nicht nur nach ihren Parolen; Aus dem Hörer quollen Unverständnis, Feindseligkeit, Haß und Angst – Angst vor der ausländischen Konkurrenz.

Das Dilemma, dem sich die Verantwortlichen in der Ausländerpolitik gegenübersehen, verdanken sie der Unentschiedenheit ihres Handelns, Offiziell gilt die "Integration" der ausländischen Arbeitnehmer immer noch als Ziel. Inoffiziell gibt es keinen Konsens darüber, was unter Integration zu verstehen ist. Der Koalitionsantrag, über den diese Woche im Parlament debattiert wird, verengt sich auf die Alternative "Integration" oder "Rückkehr" – wobei keiner sagen kann, wie das eine oder das andere herbeigeführt werden soll. Die CDU/CSU träumt von einer Massenrepatriierung der Türken. Auf freiwilliger Basis wird daraus nichts werden. Es ist nur eine neue Utopie, mit der sie den Bürgern ihre Angst vertreiben will.