Gefährlicher wurde es dann, als Busses auf zuletzt 120 Mitglieder angewachsener Haufen gewalttätig wurde, als er versprengte Kriminelle anzog und sein Netz über die Grenzen hinweg in westeuropäische Länder ausspann, Erst prügelten einzelne VSBD-Schläger auf harmlose Passanten ein, propagierten die "Machtergreifung", den "Kampf bis zum Sieg" über Juden, Ausländer und "Bonner Bonzen", legten es an auf den "militärischen Aufeinanderprall".

Der passierte dann, in ihrem Sinne, am 24. Dezember 1980, als Busses "Horst Wessel", Frank Schubert, ein 23jähriger DDR-Flüchtling, an der Grenze zwei Schweizer Polizisten erschoß und sich anschließend selber eine Kugel in den Kopf jagte. Schubert, der auch die Verbindung der VSBD zu einer anderen rechtsradikalen Sammlung herstellte, zur "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene" (HNG), hatte bei einem sattsam bekannten Gesinnungsfreund Waffen besorgt, die er in die Bundesrepublik schmuggeln wollte. Inzwischen sollte der bisher fast nur verbal geführte Kampf nach RAF-Manier mit brutaler Gewalt zum "Krieg" und bis zum "Endsieg" geführt werden. Dazu war auch Geld nötig. Also wurde im Westerwald eine Bank überfallen.

So kam es zu dem zweiten spektakulären Zwischenfall: Als am 21. Oktober des letzten Jahres fünf Busse-Getreue mit einem Wagen in München-Waldperlach zu einem neuen Bankraub aufbrechen wollten, wurden sie von einer Spezialeinheit der bayerischen Polizei gestellt. Es kam zu einer Schießerei, bei der zwei Terroristen den Tod fanden. Der Wagen lag voller Waffen und Sprengstoff, wie auch Busses Garage. Unter den Tätern war ein Franzose. Vier weitere "Volkssozialisten" hatten sich inzwischen über Frankreich nach Belgien durchgeschlagen, wo sie neue Gewaltaktionen planten; dort sind sie bald verhaftet und kürzlich in die Bundesrepublik ausgeliefert worden.

Daß ein gefaßtes Mitglied Ausländer ist, ein getöteter Terrorist lange in Frankreich untergetaucht war, vier seiner Kameraden bei ausländischen Gesinnungsfreunden Unterschlupf und "logistische Unterstützung" gefunden haben, beweist die internationale Verzahnung des deutschen Neonazismus zumindest in diesem Fall, Wie verschlungen die Wege radikaler Rechter gelegentlich sind, demonstriert auch ein anderer Fall: Einer der Münchener Täter war erst in Busses "Bewegung" aktiv gewesen, dann zu Hoffmanns "Wehrsportgruppe" übergewechselt, nach deren Verbot mit dem kläglichen Rest in den Libanon entwichen – wo es unterdessen eine "Wehrsportgruppe Hoffmann Ausland" gibt –, schließlich zurückgekehrt und, trotz seines Verrats an Hoffmann, von Busse wieder aufgenommen worden.

Zuletzt erregte noch eine Aktion der Berliner Polizei Aufsehen: Anfang vergangenen Monats wurden bei Durchsuchungen von Wohnungen zwölf Jugendlicher im Alter von 16 bis 19 Jahren außer Druckschriften, Uniformen und NS-Emblemen auch Waffen gefunden. Busses Jungmannen hatten kurz zuvor einen Berliner Landesverband der VSBD gegründet.

Jetzt wartet Friedhelm Busse in der Justizstrafanstalt Landsberg, wo ihm die Verbotsverfügung zugestellt wurde, auf seinen Prozeß. Großsprecherisch wollte er einmal "die Rechte einigen"; sagte er ein anderes Mal voraus: "Die Rechte wird in zehn bis fünfzehn Jahren stark sein, wenn die Politspinner und Neonazi-Briefkastenfirmen weg sind"; versprach er vor dem mit einer schwarz-weiß-roten Fahne bedeckten Sarg Frank Schuberts: "Es gilt zu rächen, zu brechen die Macht. Wir müssen bereit sein zu sterben, zu retten die Ehr’"; trieb er seine Schläger und Schießer an: "Der Kampf geht weiter. Der Sturm bricht los, bis endlich das Reich neu entstanden, ist" Und das alles wurde geredet und geglaubt unter schwarzem Keltenkreuz, in schwarzer Lederjacke mit Helm, Schlagstock und Pistole.

Eine bestürzende Diagnose