DIE ZEIT

Rudi Dutschke: Ein sanfter Radikaler

Dem Leser möge es erspart bleiben, eine Situation zu erleben, in der sich herausstellt: Nicht mehr lesen, die Alltagssprache nur eingeschränkt handhaben zu können.

Der Kanzler zahlt einen hohen Preis

Ist die Koalition vorläufig noch einmal davongekommen? Jedenfalls haben sich die Unterhändler geeinigt – und zwar im wesentlichen auf eine Lösung, die schon vor gut zwei Wochen im Gespräch war: ein Beschäftigungsprogramm zur Förderung von Investitionen, finanziert vor allem aus einer Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Bücherbann

In Warschau wurde jetzt Solschenizyns "Iwan Denissowitsch" verboten; das wäre keine Nachricht – handelte es sich nicht um Warschau, Indiana, USA.

Utopien helfen nicht

Ronald Reagan und Wojciech Jaruzelski haben peinliche Niederlagen erlitten. Die Niederlage des amerikanischen Präsidenten war vermeidbar, die des polnischen Militärdiktators nicht.

Geschlagen

Die Schlacht um die Startbahn West des Frankfurter Flughafens ist geschlagen. Etwa 15 000 Menschen aus der ganzen Bundesrepublik protestierten am vergangenen Samstag auf dem zweiten Baulos der seit vier Monaten heftig umstrittenen Betonpiste – und verloren die Auseinandersetzung, weil eine zur Gewalt entschlossene Minderheit alle Beschwörungen der Veranstalter mißachtete, nur friedlich zu demonstrieren.

Goldene Worte

Es stand in der Prawda: "Wenn wir dereinst im Weltmaßstab gesiegt haben, dann werden wir, glaube ich, in den Straßen einiger großer Weltstädte öffentliche Bedürfnisanstalten aus Gold bauen.

Worte der Woche

"Wir können sagen, daß wir uns jetzt in einer Phase des Autonomieprozesses befinden, in der wir uns darauf konzentrieren, die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, anstatt uns auf die Meinungsverschiedenheiten zu konzentrieren.

Polens Stalinisten suchen Sündenböcke

Zur Zielscheibe Nummer eins ihrer innenpolitischen Propaganda haben die polnischen Altstalinisten in den letzten Wochen einen Mann gemacht, den Warschauer Historiker Bronislaw Geremek, der vor dem Militärputsch vom 13.

Zeitspiegel

Raunen und Munkeln in Bonn: Hat der Kanzler nun mit Rücktritt gedroht oder nicht, und falls ja, wie hat er gedroht? Herbert Wehner, der die Journalisten erst auf die Spur gebracht hatte, antwortete auf seine unnachahmliche Art: "Es wäre falsch, mir in den Mund zu legen, daß Schmidt mit dem Rücktritt gedroht habe.

Wolfgang Ebert: Frostschäden

Der harte Winter, der gerade hinter uns liegt, hat das Klima in Bonn weiter verschlechtert. Eine erste Bilanz zeigt: Man nähert sich dort in eisiger Atmosphäre dem Gefrierpunkt.

Die tiefen Wurzeln

Erst schreiben sie, dann schreien und prügeln sie, zuletzt schießen sie – das ist der inzwischen gewohnte Weg vom Rechtsextremismus zum Rechtsterrorismus.

Kanzler mit Pauke

Ich will nicht von Bord gehen. Aber ich muß auch sagen, ein Schiff mit sieben, dreizehn oder 27 Möchtegernsteuerleuten, das läßt sich auf Dauer nicht steuern.

Hier irrt Strauß

Franz Josef Strauß hat in einem Interview der Süddeutschen Zeitung vom 2. Februar seine "hypothetische" Bereitschaft erklärt, unter einem Kanzler Kohl Bundesfinanzminister zu werden.

Die Politiker müssen Farbe bekennen

Bei einer der letzten Kanzler-Runden mit Wirtschaftsführern und Gewerkschaftern plauderte Rolf Rodenstock, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, angeregt von einem Besuch in Berchtesgaden.

In der Sackgasse

Vor knapp einem Jahr schoß der Präsidentschaftskandidat Georges Marchais aus allen Rohren gegen seinen Konkurrenten François Mitterrand.

Türkei: Vorsichtige Rüge

Seinen Anhängern präsentierte sich Bülent Ecevit in gewohnter Manier. "Ich schaue mit Zuversicht in die Zukunft", sagte der Ex-Premier, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, denn die Sehnsucht der Türken nach Freiheit und Demokratie werde "friedlich alle Hindernisse durchbrechen, so wie zartes Gras durch harten Felsen bricht".

Die Devise des Dickhäuters: Immer feste druff!

Ach ja, so seufzt so mancher in Bonn, hätten wir nur eine ordentliche Opposition, manches wäre besser und einfacher. Aber auch mit dem Besseren und Einfacheren hapert es eben.

CIA-Geschichten aus Teheran

Der ehemalige iranische Staatspräsident Bani-Sadr sollte, als er noch enger Kampfgefährte des Ajatollah Chomeini war, vom amerikanischen Geheimdienst CIA als Agent angeheuert werden.

Ein Stück Integration der Partei

Die Grundwerte-Kommission beim SPD-Vorstand hat ein neues Papier vorgelegt. Es trägt den Titel "Die Arbeiterbewegung und der Wandel gesellschaftlichen Bewußtseins und Verhaltens" und beschäftigt sich nicht zuletzt mit dem Verhältnis der SPD zu den alternativen Bewegungen.

Zentralamerika: Front gegen die Linke

Zu Wochenbeginn kündigten Regierungssprecher an, Washington werde Salvador militärische Dringlichkeitshilfe im Werte von 55 Millionen Dollar leisten, hauptsächlich Ersatz für jene zerstörten Hubschrauber und Flugzeuge, die in der Woche zuvor bei einem Guerilla-Anschlag nahe der Hauptstadt San Salvador gesprengt wurden (fast die Hälfte der salvadorianischen Luftwaffe).

Zukunft ohne Arbeit?

Erst drohte der Kanzler mit Rücktritt, dann wollte er doch noch im Amt bleiben. Sprach’s und warnte seine Parteifreunde und Regierungspartner: "Ein Schiff mit sieben oder 13 oder 27 Möchte-gern-Steuerleuten läßt sich auf Dauer nicht steuern.

Weder Reagan noch Thatcher

Die Stimmung drinnen im Saal entsprach der düsteren Realität draußen: Während im wenige hundert Meter entfernten Bonner Regierungsviertel Gerüchte über ein Beschäftigungsprogramm der Bundesregierung zunächst kolportiert und wenig später dementiert wurden, diskutierten im Erich-Ollenhauer-Haus der SPD Politiker, Gewerkschafter und Wissenschaftler auf einem "Forum Beschäftigung" über die Überwindung der Arbeitslosigkeit.

Heidelberger Manifest

Wir drucken dieses "Manifest" in Ergänzung zu dem Artikel von Hanno Kühnert: "Rassistische Klänge" auf Seite 61 dieser Ausgabe

Keine Gnade

Rosa L., Rentnerin aus einem Heidelberger Vorort, hatte sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Drei Ehemänner waren ihr gestorben, zehn Kinder hatte sie großgezogen.

Arbeit für den Staatsanwalt

Als die Abrißbirne des Baggers zum ersten Schlag gegen das altehrwürdige Evangelische Krankenhaus ausholte, stand den Bürgern in Essen-Kettwig Verbitterung und Enttäuschung im Gesicht geschrieben.

In tödlicher Gewissensnot

Der Selbstmord des 49jährigen Medizinaldirektors Dr. Volker Leschhorn am 11. Januar dieses Jahres hat in Berlin zu Kontroversen geführt.

Ich bin eine Ost-Agentin

Im Prozeß gegen Jürgen und Marietta Reichwald, die für das andere Deutschland spionierten, und ihren Verbindungsmann Rolf Hecht fehlt kaum ein Detail aus dem Spionagemilieu.

Fritz Sternberg: Ein vergessener Theoretiker

In der neueren Marxismusdiskussion ist auch eine Reihe undogmatischer Marxisten der zwanziger Jahre wiederentdeckt worden. Das gilt insbesondere für Georg Lukacz und Karl Korsch (dessen große Werkausgabe gerade erscheint), aber auch etwa für Karl Wittfogel.

Theater mit vielen Souffleuren

Nach Wochen des Geredes, der Widersprüche und immer neuer Verhandlungen ist das nun das Resultat: kein Programm, schon gar kein Beschäftigungsprogramm, sondern ein kleines Bündel von Beschlüssen, mit dem sich die Bundesregierung und die Bonner Koalition ein wenig innenpolitische Ruhe erkaufen können.

Und zum Schluß etwas Sonne

Gipfeltreffen der Wirtschaft. Dieser Name hat sich für das alljährliche Symposium europäischer Spitzenmanager und ihrer Kollegen aus aller Welt im schweizerischen Davos längst eingebürgert.

Abschied auf französisch

Der dreiwöchige Arbeitskampf der gesamten Belegschaft gegen die Schließung der TV-Röhren-Fabrik Videocolor in Ulm (ZEIT Nr.

Stöhnen gehört zum Geschäft

Im vergangenen November konnte den uninformierten und unvoreingenommenen Zeitungsleser das blanke Mitleid packen, so heftig stöhnte ein Teil der Ölgesellschaften in der Bundesrepublik auf: Mobil Oil wollte die Investitionspläne prüfen, was im Klartext so viel wie kürzen bedeutet, die BASF-Tochter Wintershall trug sich gar mit Abwanderungsgedanken ins Ausland, wo künftig das Schwergewicht der Investitionen liegen sollte; und der Chef der Gewerkschaft Brigitta und Elwerath (BEB) Heino Lübben sagte, er sei bestürzt.

Gesichtsverlust ohne Folgen

Es bedurfte massiven Drucks aus dem Ausland, um die japanische Regierung zu dem Eingeständnis zu zwingen, daß Nippons Markt für Importe keineswegs offen, sondern durch ein engmaschiges Netz von nichttarifären Handelshemmnissen abgeschottet ist.

Bonner Kulisse

Harald Bock, Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Bonn, befürchtet, die deutsche Datenverarbeitungsindustrie verpasse wieder einmal eine große Chance.

Flug in die Filzokratie?

Dem menschlichen Wesen ist es nun mal gegeben, daß der Mensch immerfort, wie Goethe schon erkannte, nach Höherem strebt. So wäre es auch Manfred Hölzl nicht zu verdenken, wenn er nach Höherem strebt, zumal er als Gewerkschaftssekretär bei der Gewerkschaft öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr für die Luftfahrt zuständig ist.

Das Tor zum Glück

Unsere verbesserte außenwirtschaftliche Lage läßt wieder Optimismus aufkommen

Großbritannien: Verliert auch Maggie ihren Job?

Margaret Thatcher rief den deutschen Bundeskanzler zu ihrer Entlastung in den Zeugenstand. "Helmut Schmidt, ein Sozialdemokrat immerhin, bekämpft die Inflation viel schärfer und packt die Staatsausgaben viel fester an als ich.

Retter in Not

Für ein Familienunternehmen machte der Willner-Clan schon immer sehr viel Schlagzeilen. Doch in jüngster Zeit sorgen die weitverzweigten, zum Teil nicht sehr transparenten Engagements der "nimmermüden Familie aus Ingolstadt" (Frankfurter Allgemeine) mit einem etwas schillernden Image mehr für negative Publicity.

Die Macht der ÖTV

Der berühmte Zweizeiler des traditionsreichen deutschen Arbeiterliedes klingt, als wäre er geschrieben für die Gewerkschaft öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr (ÖTV): "Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will.

Japan: Ende der Koexistenz

Wenn noch mehr Roboter eingesetzt werden, entfällt für die arbeitende Bevölkerung der Zwang zu Überstunden, und das Freizeitangebot steigt", so dozierte Seiuemon Inaba am Heiligabend 1981 vor dem nationalen Presseclub in Tokio.

Ohne Begeisterung

Die Bemühungen der Bundesregierung um ein Beschäftigungsprogramm sind in den Börsensälen mit Gelassenheit registriert worden.

Zeitraffer

Mehr Zuversicht in die Entwicklung der nächsten sechs Monate will das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung unter bundesdeutschen Unternehmern ausgemacht haben.

Manager und Märkte

Viel Würde bringt auch viel Bürde. Bayer-Chef Herbert Grünewald erfuhr das jetzt schon, da er gerade seit vier Wochen als Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) amtiert.

Gebremste Japaner

Die großen Gewinner des Autojahres 1980 sind diesmal die großen Verlierer. Die Japaner Toyota, Nissan-Datsun und Honda büßten jeweils weit über zehn Prozent ein; auch Mazda lag mit einem Minus von 5,5 Prozent schlechter als der Durchschnitt.

Schon ein Kompromiß

Kirchner: Maßgebliche Konjunkturexperten halten ein ganzes Jahr Lohnerhöhungspause für erforderlich, um die Arbeitslosigkeit verringern zu können.

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