Aufruhr in Köln – dort inszenierte Luc Bondy Shakespeares „Macbeth“. Aufruhr auch in Freiburg – dort inszenierte Valentin Jeker Shakespeares „Hamlet“. An beiden Orten: fluchende Zuschauer, fliehende Zuschauer, am Ende ist die Erschöpfung größer als der Beifall und die Wut Kein Shakespeare-Wunder in diesem Winter unseres Mißvergnügens.

Worüber sich das Publikum erregte: über einen fetten, faulen Hamlet in Freiburg (den Schriftsteller und Selbstdarsteller Martin Sperr), über drei nackte Hexen und ein nacktes Königspaar in Köln. Über Hamlets Turnschuhe und Macbeths blutbeschmierten Körper. Ein Skandal?

Seltsamerweise sind beide Aufführungen eher zarter als spektakulärer Natur, von den provokativen, „entlarvenden“ Mitteln eines rabiaten Regie-Theaters weit entfernt. Beide Aufführungen auch meinen es gut mit Shakespeares Figuren, dämonisieren sie nicht, stellen sie nicht hämisch bloß. Keine Titanen, keine Monster, keine Mordmaschinen werden vorgeführt, sondern schwache, schutzlose, oft klägliche Menschen.

Ein nächtliches Märchen, ein Rätselstück ohne Anfang und ohne Ende, ist Bondys „Macbeth“ in seinen schönsten Momenten, eine grämlich-witzige Spießersatire der „Hamlet“ von Jeker. Mißglückt

(was immer das heißen mag) sind beide Aufführungen. Kein Shakespeare-Wunder. Aber doch einige Shakespeare-Entdeckungen. Darüber demnächst mehr.

Benjamin Henrichs