Von Hanno Kühnert

Karlsruhe

Geständnis“. Das Wort kam zögernd, wie durch ein Versehen aus dem Mund des Strafverteidigers Edgar Liebrucks. Der hinter seinen beiden Verteidigern sitzende Angeklagte Günther Adler hat es nicht gebraucht. Auch Anwalt Ernst Eggler meinte nur, der Angeklagte werde am dritten Verhandlungstag „zur Aufklärung der Sache beitragen“. Adler wäre wohl besser verteidigt gewesen, wenn der Begriff zunächst vermieden worden wäre. Schon am Abend wurde er im ZDF „Mörder“ genannt.

Allzu plötzlich fiel die Verteidigung mit der Tür ins Haus, nachdem Günther Adler vierzehn Monate lang immer nur gesagt hatte: „Ich habe mit der Sache nichts zu tun.“ Solche Hartnäckigkeit spornte die Strafverfolgung an, eine Fülle von Indizien gegen Adler zu sammeln, ein so komplettes Mosaik seiner mutmaßlichen Tat vorzuführen, daß sein Schweigen ihm nichts nützen werde. Das ist ihr offensichtlich gelungen: Die Verteidiger drangen wochenlang in ihren Mandanten, etwas zu sagen, um damit seinen Verteidigungsspielraum zu erweitern.

Günther Adler wird des Mordes an einem kleinen Mädchen beschuldigt, des erpresserischen Menschenraubes und weiterer schwerer Delikte im Versuchsstadium. Ihm droht lebenslange Haft. Die Anklage wirft ihm vor, die elf Jahre alte Tochter einer Fabrikantenfamilie, Cornelia Becker, im November 1980 entführt und im Keller seines Hauses getötet zu haben. Trotzdem habe Adler sein Vorhaben, den Eltern des entführten Kindes zwei Millionen Mark abzupressen, nicht aufgegeben und weitere Erpresserbriefe geschrieben.

Das Mädchen soll der Angeklagte, nachdem er es mit „mindestens fünf schwersten Schlägen auf die linke Kopfseite“ getötet habe, in blauem Plastiksack in einem Kiefernwäldchen vor den Toren Karlsruhes vergraben haben. Die Leiche des Kindes wurde dort, nach wochenlangem Hoffen der Eltern und nach einem Appell des Papstes, von einem Försterbuben gefunden.

Die Polizei hatte eine Woche geschwiegen und mit der Fahndung nach dem Kindesentführer zunächst 36 Tage stillgehalten. (Cornelia Becker soll schon am Tag der Entführung getötet worden sein.) Dann trug die Staatsanwaltschaft Indizien für die Täterschaft Adlers zusammen: Drei Zeugen meldeten sich, als die Telephonstimme des Erpressers im Radio erklang; das war der Anlaß zur Festnahme Adlers.