Von Richard Gaul

Vor sieben Jahren, am 10. Februar 1975, einem Montag, betrat Toni Schmücker das VW-Verwaltungshochhaus am Mittellandkanal in Wolfsburg zum erstenmal als Vorstandsvorsitzender des Volkswagenwerkes. Hans Birnbaum, der damalige Aufsichtsratsvorsitzende, hatte einen Monat zuvor den künftigen Chef unter dem Blitzlichtgewitter der Photographen der Öffentlichkeit präsentiert. Schmücker war der Mann, der den schwer angeschlagenen Autokonzern aus einer existenzgefährdenden Krise retten sollte.

Am 18. Dezember 1981, einem Freitag, verließ Toni Schmücker um 12.30 Uhr VW zum letztenmal als Chef. Ein Herzinfarkt, der den Manager im Sommer getroffen hatte, zwang den VW-Sanierer vorzeitig aufs Altenteil.

Das Amt hat Schmücker fast das Leben gekostet. Jetzt muß er aufgeben, bevor das Werk getan ist – kann sich ein solches Opfer überhaupt lohnen? Die Frage ist für Schmücker falsch gestellt: "Was heißt hier Opfer? Ich habe es doch so gewollt", sagt er auch jetzt, nachdem er den Preis dieses Wollens kennt – seine Gesundheit.

Schmücker sieht sich nicht als tragischen Held, den Infarkt im Sommer hält er auch heute noch für gleichsam unvermeidlich. Er hat immer getan, was ihn reizte; er hat nicht abgewogen und in Kenntnis der Gefahr entschieden.

Der Arbeitersohn aus Frechen bei Köln, der als kaufmännischer Lehrling bei Ford begann, hat immer mit vollem Einsatz gespielt. 1968, er war seit Jahren Vorstandsmitglied bei seiner "Lehrfirma" und hatte beste Aussichten auf den Chefsessel der deutschen Tochtergesellschaft des amerikanischen Autokonzerns, entschied er sich fürs Risiko und nahm ein Angebot des verlustgeplagten Rheinstahl-Konzerns an. Die Stahlfirma führte Schmücker in die Fusion mit Thyssen – und verdingte sich wieder in einem Krisenjob: zu VW.

Der Chefposten in Wolfsburg war, wie Aufsichtsratspräsident Birnbaum damals meinte, "die vielleicht schwierigste Aufgabe in der deutschen Wirtschaft". Die Aufgabe hat Schmücker gemeistert. Aber jetzt, wo dem von ihm geprägten Autokonzern wieder schwerere Zeiten drohen, muß er aufgeben.