Sehenswert

„Der Mann aus Eisen“ von Andrzej Wajda. Im Oktober des vergangenen Jahres war dieser in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Film bereits im Fernsehen zu sehen. Jetzt endlich ist er auch im Kino: ein Stück Gegenwartsgeschichte, zehn Jahre Kampf für eine freie Gewerkschaft in der Danziger Lenin-Werft. Wajda, der sich so unmittelbar einläßt auf die Ereignisse in seiner Heimat, hat für seinen Film eine Mischung aus Dokumentation, Fiktion und nachgestellten Aufnahmen wichtiger historischer Vorgänge gewählt. Anders als in „Der Mann aus Marmor“ (1976), dessen Geschichte zu Teilen in Wajdas neuem Film fortgesetzt wird, ist seine Erzählweise jetzt weniger von dem atemberaubenden Tempo geprägt, das seine Protagonistin, die Filmstudentin Agnieszka, bei ihren Recherchen vorantrieb. Wieder aber bestimmt die Figur eines Berichterstatters das Tempo. Ein müde gewordener, alkoholabhängiger Rundfunkredakteur soll über den Werftarbeiterstreik berichten. In Wirklichkeit aber wird er, ahnungslos, als Geheimdienstspitzel eingesetzt. Er ist eine Marionette der Macht, einer, der sich treiben läßt, und erst spät, zu spät handelt. Mit der Unterzeichnung der 21-Punkte-Forderung am 30. August 1980 endet „Der Mann aus Eisen“. Der fast rauschhafte Optimismus im Saal stimmt traurig nach dem 13. Dezember 1981.

Anne Frederiksen

Fragwürdig

„Mit dem Wind nach Westen“ von Delbert Mann. Der amerikanische Regisseur Delbert Mann habe, sagt man, eine Vorliebe für realistische Schilderungen aus dem Alltagsleben. Nach „Mit dem Wind nach Westen“ (einer Walt-Disney-Produktion) weiß man, er hat auch eine Vorliebe für Klischees. Weil sein Film in der DDR spielt, sieht man einen kargen Wochenmarkt und den stummen Streit um die einzige Orange, sieht man die stets zu Spitzeldiensten bereite Nachbarin und einen mißtrauischen, wissend grinsenden Angehörigen der Staatssicherheit. Freilich, es sind nicht nur die Klischees, die den Film, der von den beiden DDR-Familien erzählt, die im Spätsommer 1979 mit einem selbstgebastelten Heißluftballon in die Bundesrepublik kamen, so schwer erträglich machen. Auch Manns Erzählweise ist wenig geeignet, die Flucht und ihre Hintergründe glaubhaft werden zu lassen. Einmal heißt es gewichtig unwichtig: „Um so zu leben, sind Menschen nicht geschaffen worden.“ Die Fluchtvorbereitungen sind so spannungs- wie einfallslos inszeniert (der erste Fluchtversuch scheitert, und alles beginnt mit geringen Abweichungen von vorn); die Flucht selber dagegen wird in bewährter Hollywood-Manier mit der Verfolgung durch die Staatssicherheitspolizei in Parallelmontage gezeigt. Bei der diesjährigen Berlinale konnte der bunte, aus 1250 Quadratmetern Stoff gefertigte: Ballon nicht landen. Einer aber hat sich seiner angenommen: Axel Cäsar Springer, unter dessen Schirmherrschaft der Film pünktlich zum Festivalbeginn in einem kommerziellen Kino in Berlin anlief. Anne Frederiksen

Empfehlenswerte Filme

„Das letzte Loch“ von Herbert Achternbusch. von Juliet Berta und Jean-Henri Roger. „Tragödie eines lächerlichen Mannes“ von Bernardo Bertolucci. „Ganz normal verrückt“ von Marco Ferreri. „Rette sich wer kann (das Leben)“ von Jean-Luc Godard. „Scarlet Street“ von Fritz Lang. „Der Profi“ von Georges Lautner. „The Bronx“ von Daniel Petrie. „Mein Onkel aus Amerika“ von Alain Resnais. „Merry go round“ von Jacques Rivette. „Die Halbstarken“ von Georg Tressler. „Duell in der Sonne“ von King Vidor.