DIE ZEIT

In Polen regiert die Verwirrung

So viele Fesseln General Jaruzelski seinem Lande bisher auch angelegt hat, er selbst ist dadurch nicht freier geworden. Die Militärdiktatur bleibt ein Gefangener jenes alten und neuen Erbes, vor dem sie die Nation erretten wollte.

Was ist zumutbar?

Aufgeregter Protest, heute wie vor gut drei Jahren. Damals, Ende 1978, wurden in der Bundeshauptstadt Pläne ruchbar, wonach einem Arbeitslosen unter anderem längere Fahrzeiten zu einer neuen Stelle zugemutet werden sollten; sie scheiterten am empörten Widerstand gewerkschaftsnaher Sozialpolitiker.

Im Ernstfall

In den nächsten Tagen werden Deutsche und Amerikaner ein neues Verteidigungsabkommen unterzeichnen. Es sieht vor, daß die Akerikaner im Falle einer Krise oder eines Krieges die bereits in der Bundesrepublik stationierten vier Divisionen binnen zehn Tagen um sechs weitere verstärken und der US-Luftwaffe in Deutschland zusätzliche 1000 Kampfflugzeuge zuführen.

Achtung, Gift

Spielende Kinder haben in Lübeck und Kiel Kunststoffröhrchen mit giftigen Chemikalien entdeckt – im Kriege produziert, um tödliche Gase nachzuweisen, gegen Kriegsende vergraben, dann vergessen.

US-Wippchen

Da saß zu Kaisers Zeiten in Berlin ein phantasiebegabter Journalist, „Wippchen“ genannt, der seriöse Blätter mit Kriegsberichten aus Fernost belieferte, in denen der Schlachtenlärm nachhallte, auch wenn noch gar kein Schuß gefallen war.

Fest im Sattel, doch ohne Pferd

er Königin stets eleganter Außenminister, Lord Carrington, galt ihm bei Gelegenheit als duplicitous bastard, als tückischer Schuft.

Zeitspiegel

Keine Regierungs-Kredite mehr, keine Handelsbeziehungen auf höherer Ebene so sehen die Sanktionen aus, die Japan gegen Polen und die Sowjetunion als Antwort auf das polnische Kriegsrecht verhängen will.

Ein Weg zurück?

Sie sind nur ein kleines Häuflein in der FDP, aber ihr Anspruch ist groß: die Handvoll Jungdemokraten, die unter der Führung des 86jährigen William Borm für das kommende Wochenende nach Köln eingeladen hat, will nichts geringeres, als ihre Partei auf den rechten Weg zurückzubringen.

Noch hält Genscher zur Koalition

Wäre nicht allgemein bekannt, daß der FDP-Vorsitzende, Vizekanzler und Bundesaußenminister zu öffentlichen melancholischen Anwandlungen fähig ist, man hätte glauben können, einen Seufzer gehört zu haben.

Boedens Erzählungen

Zeitungsleser erinnerten sich bei Gerhard Boeden, Erster Direktor beim Bundeskriminalamt, bis letzte Woche vor allem an den Verantwortlichen für die Fahndungspanne von Michelstadt, wo im August 1978 drei langgesuchte Terroristen aus der "Roten Armee Fraktion" den Zielfahndern des BKA buchstäblich unter den Händen entwischten.

Mit Marx nach rechts

Schließlich haben wir dank der Berlin-Förderung hier genug Kakao, durch den wir uns ziehen sollten“, meinte der Regierende Bürgermeister von Weizsäcker zur Eröffnung des Kanzlerfestes am letzten Wochenende in der Berliner Oper.

Kein Pardon für den Kanzler

Die Beschlußlage wird langsam undurchsichtig“, schimpfte der Kanzler kürzlich vor einem sozialdemokratischen Gremium. Seine Kritik bezog sich nicht auf die Bonner Regierungsarbeit, auf das inzwischen verklungene Palaver über das Beschäftigungsprogramm etwa – die Schelte sollte die beschlußwütigen Genossen treffen.

Schwerter statt Pflugscharen

Alle reden, wieder einmal (zum wievielten Mal?) von Krieg – der israelische Verteidigungsminister Ariel Scharon, der Palästinenserführer Jassier Arafat, der syrische Präsident Hafez Assad.

Löst der Fuchs den Bären ab?

Das berühmte „Buch der Rekorde“ ist nicht zufällig mit dem Namen der Dubliner Brauerei Arthur Guinness Son and Co. Ltd. verbunden.

Politik mit falschen Zahlen

Die Nachrichten über die Genfer Mittelstrecken-Raketenverhandlungen sind zugleich gut und schlecht. Die gute Seite ist, daß beide Großmächte ziemlich detaillierte Vorschläge auf den Tisch gelegt haben – ein Punkt, der in solchen Verhandlungen im allgemeinen erst nach Monaten oder Jahren erreicht wird.

„Etwas ist falsch gelaufen“

Zimbabwes vielgerühmte Politik der Versöhnung ist in Schwierigkeiten geraten. Das erweist sich nicht nur daran, daß Premierminister Mugabe seine Koalition mit dem anderen wichtigen Führer der Schwarzen im Lande, Joschka Nkomo, beendet hat; auch die Weißen werden zusehends nervöser.

Wolfgang Ebert: Klarstellungen

Frage; Plant man wirklich im Osten ein Gegenstück zu der US-Fernsehsendung „Laßt Polen Polen sein“, in der sich u. a........

DDR: Höhere Zollfreigrenzen

In den Besucherbüros in West-Berlin, in denen Aufenthaltsgenehmigungen für die DDR beantragt werden können, hatten DDR-Bedienstete auf die neue Großzügigkeit hingewiesen.

Wissenschaftler und Patriot

Der gebürtige Berliner, Doktor der Philosophie und der Rechte, begründete seinen wissenschaftlichen Ruf bereits in den Endjahren der Weimarer Republik.

Iran: Chomeinis Macht ist ungebrochen

Als schon über mögliche Nachfolger spekuliert wurde, wollte der angeblich Todkranke nicht länger schweigen. Am Montag redete Ajatollah Chomeini wieder über Radio zu seinen Anhängern: „Der, von dem behauptet wird, er sei sehr krank und werde bald sterben, ist immer noch da.

Papstreise: Blick auf Polen

Am meisten berührte Johannes Paul II. der Ausflug nach Äquatorial-Guinea, das in der 12jährigen blutigen Terrorherrschaft eines verrückten Diktators zugrunde gerichtet worden war und das heutige Militärregime als Befreiung empfindet.

„Ein abscheulich democratia“

Mit einer gewissen Erleichterung blicken die Bonner Koalitionspolitiker auf die tollen Tage zurück: Sie sind glimpflich davongekommen.

Giftgas: Tod ohne Sieg

Es war der 22. April 1915, Punkt 18 Uhr. „Die französischen Truppen beobachteten über die Brustwehr ihrer Gräben hinweg diese merkwürdige Wolke; da sah man plötzlich, wie sie die Arme in die Luft warfen, die Hände an den Hals legten und sich dann am Boden wälzten – eine Beute des grauenhaften Erstickungstodes.

Mikroben in Uniform?

Unter den apokalyptischen Reitern moderner Massenvernichtungswaffen ist der mit dem großen „B“ am wenigsten scharf gezeichnet.

Tödliches Duo: GB und VX

Nicht alle Substanzen, die Menschen umbringen oder außer Gefecht setzen, eignen sich auch als Kampfstoffe für die chemische Kriegführung.

Der „Blendax-Max“

Noch vor zwei Wochen war Hellmut Zundel obenauf. Er war noch Oberbürgermeister von Crailsheim und hielt den wachsenden Widerstand der Stadträte gegen seine Amtsführung für „unsachliche Profilierungsversuche“.

Geschenke verboten

Was darf ein deutscher Richter? Darf er sich von einem Verurteilten ein Zeitungsabonnement schenken lassen, oder läßt er sich damit bestechen im Amt? Eine Justizposse in fünf Akten fand zu diesem Thema in der letzten Woche ihren Abschluß.

Rettung in letzter Minute

Donnerstag, vergangene Woche: Es war nicht die erste Krisensitzung. Es war auch nicht das erstemal, daß eine Rettung in letzter Minute gelang.

Im Vorhof der Unterwelt

Wo Historisches unentbehrlich ist, sein Nutzen die Kosten für die Erhaltung überwiegt, können Denkmalschützer unbesorgt sein.

Miß-Erfolg

Dunkles Modell“, „Schlankes Modell“, „Blondes Modell“, so genormt und vereinheitlicht stehen sie seit einigen Wochen wieder als Kleinanzeigen für runde 55 Mark unter „Verschiedenes“ in der Badischen Zeitung (BZ), Freiburg, und erreichen möglicherweise damit fast eine halbe Million Leser im südlichen Baden.

Ein gelungenes Experiment

Erstaunliches haben 356 Bürger von Norderstedt bei Hamburg geleistet: Über zweieinhalb Tonnen giftigen Hausmüll, die ein Volumen von zwölf Kubikmeter füllten, lieferten sie nach einem Aufruf der Stadt an eine speziell hierfür eingerichtete Annahmestelle.

Europa – nur Sonderwege

Seit einigen Jahren hat Geschichte Konjunktur. Das Publikum drängt sich in historischen Ausstellungen, öffentliche Proteste gegen die Vernachlässigung des Geschichtsunterrichts an den Schulen häufen sich, der „Hitler-Welle“ folgt die Vernachlässigung die historische Buchproduktion steigt unaufhörlich an, und einschlägige Reihenwerke werden seit kurzem von Verlegern als gutes Geschäft betrachtet.

Geopferte Wölfe

Die garantierte Tauchtiefe betrug etwa 70 Meter; aber das Boot, dessen Tiefensteuerung versagte, sackte auf 92 Meter ab. Der Kommandant befahl ein letztes Manöver; Preßluft drückte das Ballastwasser aus allen Tauchtanks.

Hexenzauber

Mein lieber Bruder Hidayet Agha, als erstes grüße ich Dich und erkundige mich nach Deinem Wohlbefinden. Und küsse Deine beiden Augen.

Wer immer nur kassieren will...

Noch nie zuvor hat es in der Bundesrepublik so viele Firmenpleiten gegeben wie im vergangenen Jahr. 8994 Unternehmen mußten beim Amtsgericht ihre Zahlungsunfähigkeit anzeigen.

Mit Strom durch die Stadt

Erich Pöhlmann hatte sich gerade selbständig gemacht, als er sich im Januar 1981 in Essen mit Bernd Stoy, dem Chef der RWE-Anwendungstechnik, traf.

Die Ideologie vergessen

Vieles ist anders in der Tarifrunde ’82. Das unvermeidliche Klappern, das nun einmal zum Tarifgeschäft gehört, klingt diesmal verhaltener.

Schlechter Witz

Unter den geistreichen Gesängen, die in diesen Tagen in den Kapitalen des rheinischen Karnevals zu hören sind, ist seit Jahren ein cantus populär mit dem Refrain „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?“.

Bonner Kulisse

In den Genuß der von der Bundesregierung im Rahmen ihres Beschäftigungsprogramms beschlossenen Investitionszulage sollen möglichst nur jene kommen, die zusätzlich investieren.

Belgischer Sündenfall

Auf Wunsch der belgischen Regierung sind der belgische und der luxemburgische Franc am 22. Februar um achteinhalb, die Dänenkrone um drei Prozent abgewertet worden.

Ausländertarif

Die deutschen Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer wünschen für Ausländer einen gesonderten Tarif. Denn der Schadenaufwand, den die in der deutschen Kfz-Haftpflicht versicherten ausländischen Kraftfahrer verursachen, liegt um 20 bis 30 Prozent über dem der deutschen Autohalter.

Silberstreif

Hat der zweitgrößte Bankkonzern in den USA im Ausland jahrelang Steuern hinterzogen? Eine Kommission der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC glaubt der Citicorp nachweisen zu können, daß sie mindestens 46 Millionen Dollar an Gewinn aus Devisengeschäften in Steuerparadiese verschoben hat.

Mit fünf Mark nicht mehr dabei

Die Bundesregierung hat beschlossen zu sparen. Zu denjenigen, die dies am schnellsten und schmerzhaftesten zu spüren bekamen, gehören Taxifahrer.

Pelikan: Nur gerupft und nicht gefüttert

Einer kann heute stillvergnügt die Hände reiben und sich zu seiner Entscheidung vor vier Monaten nachträglich beglückwünschen: Peter Haverbeck, nach wie vor in Vorstandsdiensten beim Hannoverschen Reifenproduzenten Continental, war damals drauf und dran, die Branche zu wechseln.

Der Profit steht in den Sternen

Früher managte er seinen Betrieb „nach dem Gefühl“, heute steuert er ihn mit Hilfe der Sterne. Der sechzigjährige Heizungsfabrikant, der mit fünfhundert Beschäftigten rund fünfzig Millionen Mark Umsatz erwirtschaftet, bedient sich des Rates einer Astrologin, wenn er vor wichtigen Entscheidungen steht.

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