Von Rainer Frenkel

Mein Nachbar im Flugzeug ist schon dagewesen. Insofern ist er ein typischer Nachbar. Mit der selbsttragenden Stimme des Kenners sagt er: „Unten brennt es wieder.“ Unten, da ist Grand Bahama, eine von 700 Inseln jener Republik, die im Verdacht steht, ein Paradies zu sein. Und es sieht, bis dahin, von oben alles sehr schön aus.

Die Schuld an der ewigen Brennerei gibt der Nachbar den zwei wohl auffälligsten Merkmalen des Archipels. – der Sonne und den Amerikanern. Wo die beiden sich treffen; da brennt es nämlich. Denn Amerikaner werfen leergetrunkene Flaschen in die Gegend, die Sonne scheint darauf – und schon ist es passiert.

Dennoch können wir in Westend, auf einem kleinen Pistchen, unbehelligt landen. Dem Piloten wird der fällige Beifall gezollt, wohl weil die Insassen des Charterflugzeugs einen anderen Ausgang der Reise für möglich gehalten haben. Zum Hotel um die Ecke fährt uns, in einem riesigen Taxi, ein Mann, den mein Nachbar im Auto (ein anderer) wegen dessen Hautfarbe offenkundig für einen Eingeborenen hält. So spricht er ihn, der den Kofferraum hat offenstehen lassen, folgendermaßen an: „Hey Boy, stopp mal.“ Insofern ist auch dieser Nachbar ein typischer Nachbar.

Merke: Eine Herrenrasse kann Angst vorm Fliegen haben. Doch sie weiß, was sie sich und anderen schuldig ist.

Genau das wissen auch die Damen der deutschen Reiseleitung, die im Grand Bahama Hotel und Country Club ihre neuen Schäfchen erwarten – und zwar am activity desk, damit man auch weiß, daß man im Ausland ist. Sie händigen aus: erstens den Schlüssel, zweitens einen Cocktail und drittens eine Broschüre. Darin ist als „Wichtige Information“ zu lesen: „Zu Ihrer eigenen Sicherheit möchten wir Sie bitten, die Start- und Landebahn sowie die Rollfelder des Flughafens nicht mit Fahrrädern zu befahren.“

Da heute Grand-Bahama-Ankömmlinge nicht mehr in Westend, sondern im Hauptort Freeport/Lucaya landen, ist diese Information unwichtig geworden. Und die Radfahrer können nun auch in Westend tun, was sie hierzulande ohnehin tun: herumfahren, wo sie nicht hingehören.