• Ihr Unternehmen hat eine Studie über die wirtschaftlichen Aussichten der Kohleverflüssigung in der Bundesrepublik vorgelegt. Eine der Aussagen ist: Die Hydrierung deutscher Steinkohle ist nicht wettbewerbsfähig und dürfte es wahrscheinlich auch nicht werden. Ist das Thema damit erledigt?

• Oschmann: Für uns erst einmal ja. Eine Kohlehydrieranlage, wie sie unserer Studie zugrunde liegt, würde einen jährlichen Zuschuß von fast 1,5 Milliarden Mark erforderlich machen, einen Betrag, den kein Privatunternehmen aufbringen kann. Die Untersuchungen verschiedener Subventionsfälle lassen befürchten, daß die damit verbundenen Belastungen auch über die Möglichkeiten der öffentlichen Hand hinausgehen.

Dessen ungeachtet wird unter energiepolitischen Gesichtspunkten die Relevanz einer mehrsträngigen Großanlage zur Kohleverflüssigung von uns durchaus bejaht, allerdings weniger unter einem nationalen als unter einem globalen Aspekt, das heißt als Demonstration, daß Deutschland sehr wohl in der Lage wäre, Alternativen zum Öl erfolgreich und forciert zu entwickeln, sollte eine unvernünftige Preispolitik der exportierenden Länder dazu zwingen.

  • Bei Einsatz von Importkohle und Schwerstöl reduzieren sich die zu erwartenden Betriebsverluste zwar, sie bleiben aber immer noch beachtlich hoch. Welchen Gegenwert erhält der Steuerzahler, wenn er das finanziert?

Oschmann: Der Gegenwert ist kaum zu quantifizieren. Er läge wohl in erster Linie in der industrie- und exportpolitischen Bedeutung, die eine bivalent, also mit Importkohle und Schwerstöl beziehungsweise Rückstandsöl beschickte großindustrielle Demonstrationsanlage haben könnte.

  • Der Beschäftigungseffekt für den deutschen Anlagenbau wird sich bei einem Export der Anlagen wohl in bescheidenen Grenzen halten, denn der Trend geht doch dahin, daß ein immer größerer Teil der Anlagen im jeweiligen Land zugeliefert wird. So bleibt wohl nur der Zugang zu neuen Energiequellen als Vorteil.

Oschmann: Ganz so pessimistisch sehe ich das nicht. Im Kern der Hydriertechnologie steckt wegen der vergleichsweise hohen Drücke und Temperaturen eine Menge high quality technology, die durchaus nicht von jedermann bereitgestellt werden kann.