Eberhard von Brauchitsch und der Bundesverband der Deutschen Industrie

Von Rudolf Herlt

Der eindrucksvolle Ein-Meter-Sechsundneunzig-Mann sieht aus, als könnte ihn nichts erschüttern. Doch der Augenschein trügt. Der Eröffnung der beiden Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft hat ihn arg gebeutelt. Menschen, die ihn gut kennen, nichts er wirke heute ausgesprochen zerfahren. Zuschauen müssen, sich nicht wehren können, das ist nichts für einen Mann, der alles andere als ein stiller Dulder ist.

Eberhard von Brauchitsch, persönlich haftender Gesellschafter der Flick Kommanditgesellschaft auf Aktien, liebt klare Entscheidungen, zupackendes Handeln. Diesem Ruf wurde er noch einmal voll gerecht, als er dem amtierenden Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Rolf Rodenstock umgehend mitteilte, daß er sein Amt als Vizepräsident des BDI niederlegt und auf die Nachfolge Rodenstocks als Präsident des Industriellen-Verbandes verzichtet.

Dafür ist er in der Öffentlichkeit sehr gelobt worden – einmal, weil ein Ehrenmann auch in unserer Gesellschaft den staunenden Respekt aller Schichten genießt, zum anderen wegen des moralischen Drucks, unter den die Regierungsmitglieder geraten sind, die auch in staatsanwaltschaftlicher Behandlung sind, aber nicht an Rücktritt denken. Der 55jährige Preuße wußte da genau, was man in solchen Fällen zu tun hat: Auf den BDI sollte kein Schatten fallen. „Bei meinem Verständnis von der dienenden Funktion des Präsidenten für die gesamte Industrie halte ich deshalb eine Trennung meiner Person von jeder Funktion im BDI für notwendig und nicht aufschiebbar“, schrieb er an Rodenstock.

Erleichtert aufgenommen

Der Verband konnte solche Rücksicht gut gebrauchen. Schon einmal war ein Präsident, der Fliesenfabrikant Nikolaus Fasolt, zurückgetreten, weil er mit dem Steuerstrafrecht in Konflikt geraten war. Er hatte Scheingutachten bei einer CDU-Firma anfertigen lassen, die das Geld als Spende an die Parteizentrale weiterleitete. Fasolt setzte die Kosten für die fingierten Gutachten von der Steuer ab. Dem BDI war dieses kurze, aber unrühmliche Zwischenspiel Fasolt nicht gut bekommen.