Von Jes Rau

Die Nachricht vom Absturz einer ihrer Maschinen in Washington war nur wenige Stunden alt, da rotierten im Hauptquartier der „Air Florida“ schon die Marketing-Leute. Wie ließ sich ein Image-Verlust abwenden.

Um die Erinnerungen an die grausigen Fernsehbilder von den im eisigen Potomac River versinkenden Passagieren schneller vergessen zu lassen, gab die Gesellschaft in ganzseitigen Anzeigen erneute Tarifsenkungen bekannt: Der Flug von New York nach Miami beispielsweise war für 75 Dollar zu haben – knapp die Hälfte von dem, was er noch vor zwei Monaten kostete.

Der von „Air Florida“ gewährte „Lohn der Angst“ zwang die übrigen Gesellschaften mitzuziehen. Das Desaster von Washington wurde damit zum Auslöser einer neuen Schlacht im Preiskrieg der amerikanischen Fluggesellschaften – ein Krieg, bei dem es für mehrere Gesellschaften ums nackte Überleben geht. Möglich, daß Freddy Laker mit seinem Bankrott genauso zum „Trendsetter“ der Branche wird wieder es mit seinen Billig-Tarifen war. An Pleite-Kandidaten, die zunehmend von der Gnade ihrer Banken abhängen, fehlt es jedenfalls nicht.

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die dreißig größten Luftlinien Amerikas insgesamt einen Verlust von 300 Millionen Dollar (rund 700 Millionen Mark). Dieser Aderlaß ist um so bedrohlicher, als die Branche 1980 bereits 225 Millionen Dollar verlor.

Weltmeister im Verlustemachen ist Amerikas Prestigelinie Pan Am. Erheblich bluten mußten aber auch der Branchengrößte United Airlines, sowie Eastern, Continental und Braniff. Als Beispiel für eine wirklich gesunde US-Gesellschaft fällt den Branchenbeobachtern nur die in Atlanta beheimatete Delta Airline ein.

Am prekärsten ist die Lage von Braniff International. Wenn die texanische Gesellschaft bis zur Jahresmitte nicht wieder in der Gewinnzone fliegt, „dann können wir nicht weitermachen“, gesteht Braniff-Chef Howard D. Putnam. Bis jetzt sind aber profitable Zahlen nicht in Sicht. Selbst die mächtigen United Airlines machen derzeit auf den meisten Strecken Verluste und auf anderen Routen nur hauchdünne Gewinne.