Ich möchte hier nicht von Gerümpel sprechen, denn es handelt sich um mein Eigentum, das auf etwa acht Quadratmeter ordnungsgemäß abgestellt ist und durch Cellophanplanen gegen Verschmutzung voll geschützt wird. Da im vierten Stock wohnhaft, also unmittelbar unter dem Dachboden, ist es für mich ein leichtes, dort auch regelmäßig nach dem Rechten zu sehen. Maschendraht sichert die Bodenräume bis knapp über Kopfhöhe; bei meinem Vorhängeschloß handelt es sich jedoch um das sicherste zur Zeit auf dem Markt befindliche Fabrikat.

Die Lage meiner Wohnung macht es unausweichlich, vor allem jenen Geräuschen nachzugehen, die zu gewohnter Stunde über mir entstehen. Bin ich so lange wach, was gemeinhin die Regel ist, warte ich darauf, daß sich die Schritte, auch solche auf leisen Sohlen, wieder zur eisernen Eingangstür hin entfernen. Das Zuschlagen dieser Eisentür besagt aber nicht in jedem Fall, daß jemand sie wieder hinter sich zumacht, denn sie schließt sich durch ihr erhebliches Eigengewicht öfter von selbst.

Mein Erstaunen läßt sich nicht beschreiben, als ich, da jeder Mieter für die Sauberhaltung der jeweiligen Etagentreppe persönlich mitverantwortlich ist und die Aufgabe turnusmäßig wahrzunehmen hat, die Bodentür am Samstag, dem 9. 1. d. J. unverschlossen antraf. Aber das nicht allein: Auf einer Luftmatratze liegend fand ich einen jüngeren Mann vor, der es sich auf diesem, meinem Eigentum, sowohl unter Benutzung meiner zur Luftmatratze gehörigen Wolldecke, bequem gemacht hatte. Besagter Mann schlief ungeachtet meines Auftretens hartnäckig weiter. Ich zog mich zurück, sorgfältig die Eisentür hinter mir abschließend.

Verstärkung beschaffte ich mir in Gestalt meines Nachbarn, etwa fünfundzwanzig und von kräftiger Statur. Verhältnismäßig leicht bekleidet folgte er mir, und siehe da: Er schien den Eindringling zu erkennen, was aus dem überraschten Morgengruß hervorging. Dieser verstaute sodann meine Luftmatratze einschließlich der Wolldecke in den vorgesehenen Cellophansack und warf ihn kurzerhand über den Maschendraht zurück. Mein Nachbar drängte mich währenddessen sanft zur Tür und versprach, die Angelegenheit zu meiner völligen Zufriedenheit zu regeln, wobei die Frage nach dem „Wie“ allerdings offenblieb. In seiner Wohnung bietet er Personen auf engstem Raum Unterschlupf, und diese Ansammlung nennt sich nach modernem Sprachgebrauch Kommune.

Unabhängig davon sei erwähnt, daß unser Dachboden allein im Laufe des vergangenen Jahres bereits zweimal unter Hinterlassung unzähliger Zigarettenstummel von Einbrechern heimgesucht wurde. Ganz zu schweigen von der Gefahr eines Dachstuhlbrandes, wurde auf meinem Bodenraum lediglich ein reparaturbedürftiger Plattenspieler entwendet. Diese Straftaten fanden einmal während meines Sommerurlaubs statt und zum anderen, als ich kurze Zeit bettlägerig war. Die Polizei ist seit langem einem jugendlichen Täterkreis auf der Spur.

Nachdem dann plötzlich und unerwartet ein langjähriges Mieterehepaar im ersten Stock kurz nacheinander verstarb, ließen die Erben deren Bodenraum durch eine einschlägige Firma räumen, wobei Möbelstücke, die ausnahmslos bessere Zeiten gesehen hatten und jahrelang unter einer dichten Staubschicht kaum ansehbar waren, aus dem Hause geschafft wurden. Es handelte sich um einen regnerischen Vormittag, und ich verfolgte den Abtransport infolgedessen nicht, wie bei sonst üblichen Möbeltransporten, mit gewohntem Interesse.

Anläßlich meines darauffolgenden Treppendienstes betrat ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin, die aber noch eine Ein-Zimmer-Wohnung ihr eigen nennt, den Dachboden. Sie erkannte als erste, daß nicht nur mein Bodenraum, sondern alle restlos ausgeräumt worden waren. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, war nach der Räumung des vorgesehenen Bodenraumes der Verstorbenen ein weiterer Trupp mit ähnlich lackiertem Wagen und Firmenschild vorgefahren, der das Geschäft somit illegal fortsetzte. Diesem Umstand muß ein Informationsaustausch den Weg geebnet haben.