Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht daran, daß es in der sonst vernachlässigten Stillehre des Deutschunterrichts am häufigsten vorkommt; vielleicht daran, daß es im Grunde so einfach ist, daß viele wenigstens dieses aus ihrer Schulzeit in Erinnerung behalten.

Von keiner anderen Stilregel wird so viel Aufhebens gemacht wie von diesen dreien, die wir natürlich nicht abschaffen, die wir nur von ihrem Podest herunterholen wollen.

1. Das Vergleichswort heißt „wie“ („er ist so groß wie du“), aber wo es nach einem Komparativ oder nach „anders“ steht, heißt es „als“ („er ist größer, anders als du“).

2. „Anscheinend“ steht, wo der Anschein erweckt wird, gleichviel ob zu Recht oder Unrecht. Bei „scheinbar“ hingegen trügt der Schein; Eselsbrücke: „scheinbar“ ist immer dann richtig, wenn man ein „nur“ davorsetzen kann.

3. Ihr Nachbar kann „das gleiche“ Auto haben wie Sie, aber, sofern Sie keine Fahrgemeinschaft bilden, nicht „dasselbe“; ein Ding kann in allen Merkmalen einem anderen Ding gleich sein, „dasselbe“ ist es jedoch nur dann, wenn die beiden Dinger identisch, „ein und dasselbe“ sind. Das gleiche gibt es beliebig oft; dasselbe gibt es immer nur einmal. „Niemand steigt zweimal in denselben Fluß“ ist Philosophie (von Heraklit); „niemand steigt zweimal in den gleichen Fluß“ ist Unsinn.

Auf all dies noch einmal hinzuweisen, war Chronistenpflicht. Eine Art höherer Berechtigung gewinnen diese als solche nicht allzu wichtigen Regeln aus dem Stilgesetz, wonach der bewußt Schreibende es ebenso vermeiden sollte, für dieselbe Sache zwei verschiedene Wörter zu verwenden (synomym), wie er bemüht sein sollte, zu „differenzieren“, also nicht zwei verschiedene Sachen mit demselben Wort zu benennen (homonym).

Für die Bedeutungspaare „derselbe – der gleiche“ und „anscheinend – scheinbar“ stimmt das rundherum. Bei „als – wie“ sieht es anders aus. Denn schließlich gebrauchen wir beide auch in ganz anderen Zusammenhängen, die mit Vergleichen nichts zu tun haben, als Fragewort das eine („Wie geht es dir?“), aber auch als Konjunktion („wie ich sehe, gut“), das andere als Präposition (wie in diesem Satze hier) und schließlich auch als Konjunktion („als er nach Hause kam“).