Verbannten die Kontinente den Mond aus der Nähe der Erde? Es sieht ganz so aus, meint Alan Binder von der Universität Münster im Fachblatt Geophysical Research Letters. Bislang nahmen die Forscher an, daß Erde und Mond bei ihrer Geburt vor 4,6 Milliarden Jahren etwa zwanzigmal näher beisammen waren als heute und sich seitdem gleichmäßig, mit einer Geschwindigkeit von knapp vier Zentimetern im Jahr, voneinander entfernt haben. Auch Binder geht davon aus, daß die Gezeitenreibung Ursache der langsamen Trennung ist. Er glaubt jedoch, Indizien für einen „plötzlichen“ (in geologischen Zeitmaßstäben) Sprung vor zwei bis zweieinhalb Milliarden Jahren gefunden zu haben. Damals stieg der Anteil der Kontinente an der Erdoberfläche von zwölf auf 53 Prozent des heutigen Wertes. Die neu entstandenen Kontinentalschelfe mußten die Bremswirkung der Gezeiten auf die Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde verstärkt haben. Da aber der Drehimpuls des Erde-Mond-Systems erhalten bleiben muß, hätte der Mond seinerzeit keine andere Wahl gehabt, als sich schneller von der Erde zu entfernen.

Judy Redfearn