Eine Fülle praktischer Tips bilden das Herzstück des neuen Paris-Führers von Merian, mit dem Merian zusammen mit dem dtv-Verlag eine neue Generation von Reiseführern eröffnete.

Merian dtv-Reiseführer Paris, 50 SW-Fotos, 23 Karten und Skizzen, z. T. farbig, 72 Seiten, 16,80 Mark

Die Information im handlichen Paris-Buch, in dem angenehmerweise auf die üblichen seichten Klischees über die Stadt verzichtet wird, fängt gleich auf der Umschlagseite an. Bus- und Metroplan finden sich dort, auf der Rückseite eine kleine Übersichtskarte und zwischen den Pappdeckeln 270 Seiten Hinweise, die den Preis von 16,80 Mark wert sind.

Georg Stefan Troller leitet den Band mit einer Beschreibung seines Staunens ein, das ihm diese Stadt auch nach 30 Jahren Zusammenleben noch abnötigt. Voll Spannung und Entdeckerfreude erzählt einer, der Paris kennt, wie er diese Stadt immer wieder neu erlebt und weigert sich beharrlich, ein Patentrezept für den Parisreisenden zu liefern. Paris kann nicht besichtigt, sondern muß erlebt werden, rät Troller und lädt den Leser ein, sein ganz persönliches, eigenes Paris zu entdecken. Wenn irgend möglich, abseits von Stadtrundfahrten und Sightseeing-Programmen.

Wer sich auf dieses Wagnis einlassen will, findet in dem Band jede Menge solider Auskunft, ein kurzer historischer Abriß über die Entwicklung Frankreichs, der den Wahlsieg des Sozialisten Mitterrand noch erwähnt, geht dem Informationsvorteil voraus.

Der ausführlichen Schilderung spezieller Treffpunkte folgen wichtige Kleinigkeiten. Vom Hubschrauberflug über Paris, einer Ballonfahrt über Schlössern der Loire bis hin zu Restaurant-, Benimm- und Trinkgeldtips reicht das Angebot. Was Barbara Hartl da zusammengetragen hat, ist beachtlich und kann auch dem dienen, der in Paris lebt. Denn plötzlich erinnert man sich, wo man überall schon längst mal wieder hingehen wollte. Trotz der Informationsfülle ist notgedrungen aber nur ein kleiner Teil von dem, was sehenswert ist, aufgeführt. Hinter jeder Straßenecke können sich in Paris kleine Bistros verstecken, die hoffentlich nie in einem Reiseführer erscheinen werden, hinter Torbögen liegen unerwartet Gärten, Brunnen und Plätze. Die Tips des Merian Paris-Führers sind Ausgangspunkte für eigene Entdeckungen.

Hilfreich ist dabei sicher das kleine Sprachlexikon mit den wichtigsten französischen Brocken für Notfälle – und für die Speisekarte. Schade nur, daß die Auswahl der Restaurants wirklich billige Lokale nicht mit aufführt, aber die kann man schließlich auch selbst entdecken, wenn man dem besten Tip des Paris-Führers folgt und zu Fuß geht. Paris ist klein, und da es überall Metrostationen gibt, ist es so gut wie unmöglich, sich wirklich zu verirren, und nur wer sich verläuft, entdeckt auch etwas Neues.

Jörg Reckmann