Noch läßt sich die Europäische Gemeinschaft mit dem Synonym „die Zehn“ umschreiben. Der von einer knappen Mehrheit der Grönländer geäußerte Wunsch nach einem Abschied vom organisierten Europa verändert die EG-Mitgliederzahl nicht. Wohl aber stellt er europäisches Recht in Frage, denn: die Römischen Verträge enthalten keine Austrittsklausel. Wird Grönland jetzt zum Eisbrecher für einen Exodus aus der Gemeinschaft?

An unsicheren Kantonisten fehlt es nicht. Großbritannien hat sich mit Europa herzlich wenig angefreundet, und Margaret Thatchers angekündigter Entscheidungskampf um den britischen EG-Beitrag kann leicht in eine Abkehr auf Raten münden. Griechenland nährt auch ein Jahr nach seinem Beitritt weiter Zweifel an seiner Verläßlichkeit. Grönland könnte Schule machen.

Vor Nachahmung sei jedoch gewarnt. Die größte Insel der Welt gilt als ein europäischer Sozialfall. Ihre 50 000, um Eigenständigkeit und Überleben besorgten Einwohner konnten deshalb stets auf Brüssels Hilfe rechnen. Das sollte auch künftig so bleiben. Großbritannien und Griechenland hingegen dürften auf Mitgefühle nicht rechnen. Ihr Austritt wäre ein Affront, auf den die Gemeinschaft nur mit Härte antworten könnte. D. B.