Der „Koordinationsausschuß“ war – und bleibt – die interessanteste Institution des Verfahrens. In diesem Ausschuß treffen sich nach wie vor Ausführende und Betroffene etwa alle Vierteljahre, um einander zu informieren, Wünsche und Beschwerden vorzubringen, nachzuhaken, zu protestieren, zu kontrollieren. Diese Aufgabe ist – zuletzt mit leicht erlahmendem Temperament – weidlich wahrgenommen worden, vor allem von den Mietervertretern: Sie haben hellwach jede Nachlässigkeit moniert, Unterlassungen gerügt, Versprochenes angemahnt, gegen unterlassene Informierungen protestiert. Namentlich Behörde und Saga haben sich viel Böses Vorhalten lassen und viel dabei hinzugelernt.

Die Hauptsünde dieses Verfahrens wurde gleich zu Anfang begangen und hat nicht nur die Mietervertreter aufgebracht: der Abriß von Wohnungen vor dem ersten Neubau. Dabei war ausdrücklich vereinbart worden, zuerst neu zu bauen, um zu verhindern, daß jemand aus seiner vertrauten Umgebung, in der er womöglich Jahrzehnte seines Lebens zugebracht hat, vertrieben würde. Der Vorsatz wurde, wie üblich, mit sogenannten Sach-

Am empfindlichsten wurde gegen das Übereinkommen lückenloser und stetiger Unterrichtung über alle behördlichen oder Baumaßnahmen verstoßen. Meist geschah auch das gedankenlos; es zeigte sich, daß Behörden und Verwaltungen immer noch eher daran gewöhnt sind, unter Ausschluß der Öffentlichkeit zu handeln und sich lieber Papier als Menschen mitzuteilen.

Der größte und ganz unerwartete Erfolg des Koordinationsausschusses hingegen war der Neubau eines Wohnhauses, das beim Modernisieren halb eingestürzt war. Es erhielt so viel Aufmerksamkeit, obwohl es nur indirekt zum eigentlichen Gebiet gehört, eine Geschichte in vier Szenen.

Erste Szene: Die Mietervertreter verlangen, um jeden Preis so viel Haus wie möglich zu erhalten, damit die Erneuerung unter der Rubrik „Modernisierung“ möglich würde: um die niedrigen Mieten zu halten.

Zweite Szene: Abriß und völliger Neubau sind laut technischer Prüfung unvermeidlich; Saga, Denkmalschutzamt und alle Betroffenen, auch die Stadtverordneten, präsentieren stolz einen Plan: die detailgetreue Rekonstruktion des alten Hauses.

Dritte Szene: Die ZEIT widerspricht; sie erinnert an das Modell, das dieses Verfahren darstelle, und plädiert für eine ausdrücklich zeitgenössische Architektur: Es ist der klassische, in allen Städten stetig wiederkehrende Fall, zwischen alten Häusern ein neues mit einer zeitgemäßen Architektur zu entwerfen. Der Ausschuß läßt sich überzeugen.