Auch wenn Sie extra aus Jakarta kommen und eine anderslautende Auskunft im Innenministerium erhalten haben – um die Badui zu besuchen, brauchen Sie ein Empfehlungsschreiben des Distriktsoberhaupts in Rangkasbitung.“ Der Bezirksvorsteher von Leuwidamar war unerbittlich, wir mußten wieder zurück in die Distriktshauptstadt.

Am nächsten Tag konnten wir bereits kurz nach Bürobeginn, nach der Zahlung eines „Beschleunigungsgeldes“, das amtliche Schreiben in Empfang nehmen. Wozu der Aufwand? Was wollten wir eigentlich in diesem abgelegenen Teil West-Javas, etwa 140 Kilometer südwestlich von Jakarta entfernt? Die rund 4000 Badui, denen unser Besuch galt, sind ein Volksstamm, der in den schwer zugänglichen Bergen südlich von Rangkasbitung in selbstgewählter Isolation lebt. Während die „äußeren“ Badui noch regelmäßige Kontakte zu den umliegenden Dörfern aufnehmen, um Lebensmittel zu tauschen oder um als Tagelöhner zu arbeiten, meiden die „inneren“ Badui bewußt jeden Kontakt mit der Außenwelt. Mysteriöse Tabus und Bräuche, etwa der Verzicht auf Tierhaltung oder das Tragen selbsthergestellter Kleidung (weiß für die „Inneren“, schwarz für die „Äußeren“), begünstigen das Entstehen von Legenden.

Nach etwa einstündiger Fahrt im Bemo, einem Pritschenwagen mit Sitzbänken, erreichten wir Bantarnaga, ein kleines Dorf am Oberlauf des Cisimeut. Dort, so sagte man uns, müßten wir zunächst den Fluß durchqueren und dann zu Fuß weitermarschieren. Kaum hatten wir uns bei einem Glas Tee an diesen Gedanken gewöhnt, fuhren zwei mit Baumaterial beladene Kleintransporter vor. Die Fahrer offerierten uns eine Mitfahrgelegenheit bis zum Rand des Badui-Landes.

Wir ließen uns das nicht zweimal sagen und stiegen ein. Die robusten Fahrzeuge durchquerten die Furt des zu dieser Jahreszeit nur einen halben Meter tiefen, aber fast 100 Meter breiten Flusses und arbeiteten sich vor bis Cibeoleger und damit endgültig an das Ende des befahrbaren Weges. Jetzt hieß es marschieren.

Badui-Dörfer sind nur durch schmale, lehmige Fußpfade miteinander verbunden. Unser Weg führte zunächst steil bergan, schon nach einem Kilometer waren wir in Kaduketug. Doch wir wollten tiefer ins Landesinnere. Eine halbe Stunde brauchten wir für den Aufstieg nach Kadujantug. Im Dorf teilte sich der Weg, wir wollten also nach der rechten Route fragen – doch kein Mensch war zu sehen.

Erst nach längerem Suchen fanden wir die Männerrunde in einem kleinen, offenen Versammlungshaus. Auf unsere Frage hieß es, wir sollten warten, der Bürgermeister werde gleich erscheinen. So hatten wir Zeit, uns das Dorf genauer anzusehen: ein kleiner, sauberer Platz, vielleicht 25 Häuser, Holzkonstruktionen mit eingepaßten, geflochtenen Strohmatten, Pfahlbauten, die jedoch nicht in den Boden eingerammt sind, sondern auf Felssteinen stehen, mit wasserdichten, geschickt geknüpften Blätterdäehern. Die Männer trugen eine blau-schwarz gemusterte, turbanähnliche Kopfbedeckung. Alle liefen barfuß. Ihre Gesichter waren markant geschnitten, die dunklen Augen freundlich und sanft.

Die Frauen hatten sich in verschiedenfarbige Sarongs mit bunten Oberteilen gewandet. Die Kleidung war keineswegs so einheitlich, wie wir es erwartet hatten. Während die Frauen, kaum daß sie uns erblickten, mit einem kleinen Schreckensschrei in ihre Häuser zurückflüchteten, zeigten sich die Männer recht aufgeschlossen und freundlich. Allerdings konnten wir uns kaum mit ihnen verständigen, da sie fast alle nur das hier übliche Sundanesisch, nicht aber die Landessprache Bahasa Indonesia verstanden.