Von Hans-Hagen Bremer

Aus Gründen der Courtoisie", so erklärte der Sprecher der Tagesschau des belgischen Fernsehens RTBF am Montag letzter Woche, habe sich die Redaktion entschlossen, die offizielle Luxemburger Reaktion auf die 8,5-prozentige Abwertung des belgischen Franken vor allen anderen Stellungnahmen zu senden.

So viel Liebenswürdigkeit war durchaus angebracht. Denn was Frau Colette Flesch, die Außenministerin des Großherzogtums, zu sagen hatte, ließ erkennen, daß bei dem vorausgegangenen nächtlichen Tauziehen um die Neubewertung des Franken im Europäischen Währungssystem die belgisch-luxemburgischen Beziehungen eine schwere Krise erlebt hatten.

Weder bei der Vorbereitung des Währungscoups noch bei dem Gefeilsche um die Höhe des Abwertungssatzes hatte die Brüsseler Regierung auf das mit Belgien in einer Wirtschafts- und Währungsunion verbundene Luxemburg Rücksicht genommen. Kernstück der Union ist Wertgleichheit zwischen luxemburgischen und belgischen Franken.

Daß die Regierung von Premierminister Martens zur Abrundung des wirtschaftlichen Sanierungsplanes auch eine massive Abwertung des Franken im Europäischen Währungssystem in Betracht zog, hatte die verblüffte Luxemburger Regierung nicht etwa, wie es zwischen Partnern üblich sein sollte, direkt aus Brüssel erfahren. Die Nachricht darüber erhielt sie vielmehr erst, als der Vorsitzende des EG-Währungsausschusses, der Bonner Finanzstaatssekretär Horst Schulmann, per Rundruf am späten Freitagabend zur eilends einberufenen Sondersitzung dieses Gremiums einlud.

Die Verärgerung der Luxemburger über die Verletzung der gegenseitigen Konsultationspflicht durch Belgien wurde noch größer, als Premierminister Martens dann am Samstag, während die Beratungen im Währungsausschuß über eine Stellungnahme zum belgischen Abwertungsantrag für die am Sonntag konferierenden Finanzminister und Notenbankpräsidenten der EG noch andauerten, durch einen Sprecher verkünden ließ, Belgien habe einen Währungsschnitt von zwölf Prozent beantragt.

Nur wenige Tage vorher hatte die luxemburgische Regierung in Gesprächen mit der belgischen Notenbank sowie mit Belgiens Wirtschaftsminister Eyskens noch die Zusicherung erhalten, daß der Wechselkurs des Franken nicht geändert würde. "Die haben uns wie eine Kolonie behandelt", war eine der vielen bitteren Reaktionen im Großherzogtum auf das rüde Verhalten des Partners im Norden.