Noch ehe am Freitag vergangener Woche der erste Kohlenzug die Grube German Creek im australischen Bundesstaat Queensland in Richtung Verschiffungshafen verließ, hatte die Ruhrkohle AG schon Geld an ihrer Beteiligung verdient. Sie war nach australischem Gesetz gezwungen, ihren Anteil an dieser Zeche von 16,6 auf 10,8 Prozent zu verringern.

Der Verkauf trieb Ruhrkohle-Chef Karlheinz Bund freilich keineswegs die Tränen in die Augen. Für die gut fünf Prozent, die an Australier verkauft wurden, erzielte das deutsche Unternehmen nämlich einen Buchgewinn von gut zehn Millionen Australischen Dollar – immerhin sind das mehr als 26 Millionen Mark, und das dürften gut fünfzig Prozent mehr sein, als die Ruhrkohle für den abgestoßenen Beteiligungsanteil selbst aufgewendet hat.

In die Bundesrepublik repatriiert werden soll das Geld freilich nicht. Bund und seine Mannen suchen vielmehr – ermuntert durch ihren Anfangserfolg – nach neuen Kohlebeteiligungen.

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Die Unruhe unter den Reemtsma -Mitarbeitern muß beträchtlich gewesen sein und unter den Vorstandsmitgliedern nicht minder. So kam denn auch vom Vorstand des Hamburger Zigaretten- und Biergiganten Reemtsma die Anregung zu einer Betriebsversammlung in der Hauptverwaltung an der Parkstraße. Hauptredner der Veranstaltung: Aufsichtsratsvorsitzender Günter Herz, dessen Kaffeefirma Tchibo gemeinsam mit der Familie Herz Mehrheitsaktionär bei Reemtsma ist. Denn seit die überaus erfolgreiche Kaffeefamilie beim zuletzt eher glücklos agierenden Traditionsunternehmen Reemtsma eingestiegen war, rissen Gerüchte, Spekulationen und gezielte Informationen nicht mehr ab. Und diese entsprangen längst nicht immer der Phantasie der Presse, wie Vorstandschef Horst Wiethüchter vor seinen Mitarbeitern klagte: „Glauben Sie ein bißchen mehr dem Vorstand und ein bißchen weniger der Presse.“

Günter Herz rückte denn auch einiges zurecht: Es werde nicht am Vorstand vorbei in die „geschäftlichen Dispositionen eingegriffen“. Das immer wieder geschürte Gerücht, Reemtsmas Biergruppe solle veräußert werden, dementierte Herz mit gebotener Vorsicht: Sie habe bisher nicht zur Diskussion gestanden. Vielmehr sei man bemüht, einen Einstieg in ein langfristig erfolgversprechendes Konzept zu finden. Finden muß der Aufsichtsrat auch noch neue Vorstandsmitglieder für die Bereiche Zigaretten und Bier. Beide Ressorts sind vakant. Auch hier ist der neue Reemtsma-Eigner seit Monaten „bemüht und in Verhandlungen“.

Das Interesse der Reemtsma-Mitarbeiter muß außerordentlich gewesen sein, denn Betriebsratsvorsitzender Siegfried Hentschel konnte die seit langem nicht so zahlreich besuchte Betriebsversammlung erst nach einer ungewöhnlich langen Dauer von drei Stunden beenden.