Von Rudolf Herlt

Die Brisanz der Nachricht war nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Zaïre, so stand Mitte Februar in den Zeitungen, sehe sich außerstande, die Verpflichtungen aus einem Sanierungsprogramm des Internationalen Währungsfonds zu erfüllen. Das Programm ist Teil einer internationalen Operation zur Wiederbelebung der Wirtschaft des Landes, damit die Gläubiger der Auslandskredite, mit deren Bedienung Zaire im Rückstand ist, einer weiteren Stundung zustimmen können. Präsident Mobutos Regierung hat erst im vergangenen Juni den wirtschaftspolitischen Auflagen des Währungsfonds zugestimmt – wie immer in solchen Fällen reichlich spät.

Zaire ist kein Einzelfall. Die Banken stehen oft unter Druck, Ländern immer wieder neue Kredite zu geben, damit sie die alten verzinsen und tilgen können. Allein im Jahre 1981 mußten acht Schuldnerländer in Umschuldungsvereinbarungen Stundungen vereinbaren. Die Kandidaten waren Liberia, Madagaskar, Senegal, Zaïre, Jamaica, Pakistan, Bolivien und der Sudan. Costa Rica konnte keine Umschuldung vereinbaren und verfügte darum einen Aufschub fälliger Verbindlichkeiten als hoheitlichen Akt – ein Moratorium. Die Bankiers fürchten, daß die bedrängten Länder ohne weiteres Entgegenkommen der Gläubiger ihre Zahlungsunfähigkeit erklären würden. Die Kreditgeber müßten dann die gesamte Schuld eines Landes auf einmal zurückfordern. Da das ohne Erfolg bliebe, müßten sie solche Kredite in ihren Bilanzen als Verluste abschreiben.

Deshalb gewähren sie schon lieber einen Zahlungsaufschub. Besonders die nicht ölbesitzenden Entwicklungsländer hatten schon unter dem ersten Ölpreisschock von 1973 zu leiden. Zu einer katastrophalen Zuspitzung kam es bei ihnen dann nach! dem zweiten Ölpreissprung von 1978/79. Sie mußten viel mehr für ihr eingeführtes Öl bezahlen, nahmen aber für ihre Exporte weniger ein und mußten obendrein auf ihre Schulden Rekordzinsen bezahlen. Das Geld zur Bedienung der Auslandsschulden war einfach nicht da. Das Loch in der Devisenkasse mußte mit Krediten gestopft werden.

So sind die Auslandsschulden der Dritten Welt allein im letzten Jahr um dreißig Prozent von 416 auf 540 Milliarden Dollar gestiegen. Vor zwei Jahren wurden 63 Prozent aller Kredite privaten Gläubigern, also Geschäftsbanken geschuldet. Die Weltbank hat noch kein neues Verhältnis zwischen privaten und öffentlichen Krediten errechnet, aber es dürfte sich weiter zu Lasten der Banken verschoben haben. Denn immer mehr Ölimportierende Länder suchten den Weg zu privaten Kreditgebern, weil ihnen von denen (anders als vom Internationalen Währungsfonds) kein wirtschaftliches Sanierungsprogramm aufgedrängt wurde.

Wenn der Lebensstandard in der Welt ange- – hoben werden soll, müssen die Defizite der Entwicklungsländer finanziert werden, entweder durch Entwicklungshilfe oder öffentliche Kredite von Weltbank und Währungsfonds oder durch Kredite privater Banken. Dazu braucht man leistungsfähige internationale Geld- und Kapitalmärkte.

Da geschieht im Großen, was im Kleinen etwa in der Bundesrepublik auch passiert. Produktivitätsstarke Länder wie Baden-Württemberg finanzieren produktivitätsschwache Länder wie Niedersachsen zum Teil über den Finanzausgleich, zum Teil über die Geld- und Kapitalmärkte.