Von Klaus Pokatzky

Bekannte in Berlin haben ein kleines Experiment gemacht und nun ein schlechtes Gewissen. Sie wollen demnächst aus ihrer kleinen Wohnung ausziehen, und weil sie das Hauen und Stechen auf dem Wohnungsmarkt vom Hörensagen bestens kennen, haben sie mit einer fingierten Annonce getestet, mit welchen Mitbewerbern sie rechnen müssen, wenn sie eine günstig gelegene und zugleich große Wohnung haben möchten.

Für 34 Mark haben sie im großen Immobilienmarkt der Berliner Morgenpost inseriert: „Sechszimmrige, Charlottenburg, Etagenheizungsübernahme, 692,93 DM kalt, Chiffre ...“ In fünf Tagen bekamen sie 105 Briefe von Interessenten. Was da alles so drinstand, hat ihnen einerseits Angst gemacht vor der potenten Konkurrenz, andererseits haben sie gelernt, wie man bei Vermietern eine günstige Startposition erringt.

Regel eins: von vornherein mit Geld winken, demonstrieren wie solvent man ist, selbst wenn in der Anzeige von Kaution, Abstand und ähnlichem kein Wort steht. Es reicht nicht, was die Sozialpädagogin und der Handelslehrer, die vorsichtshalber das Datum ihrer bevorstehenden Eheschließung angeben, lapidar zu verkünden: „Wir sind in der Lage und bereit, einen höheren Abstand zu bezahlen.“

Schlechte Karten hat auch der Arzt von der Intensivstation, der behauptet: „Notwendige Renovierungsarbeiten und kleinere Reparaturen wären kein Problem, da ich als Hobbyhandwerker einen Teil auch selbst ausführen kann.“ Das kann ja jeder sagen; wenn er wenigstens angeboten hätte, vorab schon mal das eine oder andere herzurichten. Aber so?

Verheißungsvoller klingt der „selbständige Augenoptiker“ mit „geregeltem Einkommen“, der „gern bereit“ ist, „Abstand zu zahlen, Renovierungskosten zu übernehmen sowie Mietkaution zu stellen“. Auch der 25jährige, der „seit vier Jahren für den Herrenausstatter X in gesicherter Position tätig“ ist, darf sich Chancen ausrechnen, wenn er klarstellt: „Sollte die Vermietung von einer Mietkaution oder Wertausgleich abhängig sein, wäre das kein Problem für mich.“ Noch besser wären seine Chancen natürlich, hätte er und geschrieben statt oder.

Etwas plump erscheint der selbständige Kaufmann mit seinen nach orientalischen Gebräuchen schmeckenden Lockungen: „Sollten wir in den Genuß kommen, Mieter Ihrer Wohnung zu werden, würden wir uns bestimmt erkenntlich zeigen.“