Tropenreisende, Afrika- und Asienbesucher können aufatmen: Die „gelbe Gefahr“ – Hepatitis B – ist endlich gebannt. Gegen diese schwere Lebererkrankung gibt es jetzt einen wirkungsvollen Schutz: die Impfung.

Mit der Freigabe des Impfstoffes ist ein medizinischer Durchbruch gelungen, aber es wird noch Jahre dauern, bis die Hepatitis B ausgerottet sein wird wie die Pocken. Diese Leberentzündung ist weltweit eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Nach neueren epidemiologischen Studien sind über 160 Millionen Menschen Virus- oder Teilvirusträger. In Afrika, Asien und den Tropen gibt es Gebiete, in denen ein Fünftel der Bevölkerung verseucht ist.

Alle Versuche, die Infektion mit konventionellen Mitteln zu bekämpfen, blieben bis heute wirkungslos. Als einzige Alternative galt daher von Anfang an die Impfung. Nachdem es internationalen Wissenschaftlern jetzt gelungen ist, ein nachweislich wirksames Serum gegen das Hepatitis-B-Virus auf den Markt zu bringen, sollte sich jeder impfen lassen, der eine Reise in die gefährdeten Regionen plant.

Die Ärzte unterscheiden drei verschiedene Virusinfektionen der Leber: Hepatitis A, Hepatitis B und die noch wenig erforschte Hepatitis Non-A-Non-B. Die Hepatitis A stellt für die Medizin kein ernsthaftes Problem dar, denn sie heilt in der Regel ohne Spätfolgen aus. Mit herkömmlichen Präparaten läßt sich zu erschwinglichen Preisen ein ein- bis viermonatiger Schutz erreichen.

Anders verhält es sich dagegen mit der Hepatitis B. Fünf bis zehn Prozent der Patienten entwickeln eine chronische Leberentzündung, in schlimmen Fällen sogar eine Zirrhose (Leberschrumpfung). Das klinische Spektrum reicht von der akuten, vorübergehenden Infektion über die chronische und die asymptomätische Hepatitis bis zur stummen, lebenslangen und völlig ungefährlichen „Erkrankung“. In der Dritten Welt ist die Hepatitis B darüber hinaus verantwortlich für das Entstehen des Hepatoms, eines bösartigen Lebertumors, zugleich eine der häufigsten Krebsarten überhaupt.

Übertragungsvehikel ist in jedem Fall das Blut. Dabei sind die Wege der Viren vielfältiger als unsere Schulweisheit sich träumen läßt: Für die Infektion genügt eine Mikroverletzung der Haut oder Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Speichel, Galle, Sperma und Urin; die Viren wirken ansteckend über den Darm und die Augenbindehaut, aber auch durch Küsse und – vor allem bei Homosexuellen – durch den Geschlechtsverkehr. Als weitere Überträger gelten Moskitos und andere Insekten, besonders in tropischen Zonen.

Die Risiken der Impfung sind gering. Als einzige Nebenwirkung können gelegentlich kurzfristige Schmerzen an der Injektionsstelle auftreten. Zur Zeit sind zwei Impfstoffe auf dem Markt: in den USA eine Vakzine der Firma Merck, Sharp & Dohme („Heptavax“) und in der Schweiz die Vakzine des französischen Pasteur-Institutes („Hevac B“). In der Bundesrepublik wird erst Mitte des Jahres Impfstoff zur Verfügung stehen. Wer sich jedoch jetzt schon impfen lassen will, braucht nur einen Apotheker zu bemühen. Auf diesem Weg läßt sich der Impfstoff ohne Schwierigkeiten aus der Schweiz beziehen.