In zum Teil ganzseitigen Zeitungsanzeigen werben deutsche Rentenfonds für den Absatz ihrer Zertifikate. Damit wollen sie den seit zwei Jahren anhaltenden Rückfluß der Anteile stoppen.

Die deutschen Rentenfonds sind Leidtragende der Niedrigzinsphase in den Jahren 1977 und 1978. Wer damals Rentenfondsanteile erworben hat, ist bisher nicht auf seine Koster. gekommen. Und gerade damals hatten die Rentenfonds vom Absatz ihrer Zertifikate her gesehen Boom-Zeit. In kurzer Zeit flossen den Fonds für 16 Milliarden Mark neue Mittel zu. Diese mußten zu – aus heutiger Sicht – unbefriedigenden Renditen angelegt werden, eine Hypothek, mit deren Tilgung sich die Fonds jetzt schwer tun.

Die Kundschaft kam offensichtlich zur falschen Zeit. Das was kein Wunder. Denn während damals bei der Direktanlage in festverzinslichen Papieren Renditen von nur noch 5,5 Prozent erzielbar waren, lagen die Ausschüttungsrenditen (bezogen auf den jeweiligen Ausgabepreis der Zertifikate) deutlich darüber. Außerdem warben steigende Zertifikatspreise für die Rentenfonds.

„Es entstand ein falsches Signal“, klagt Hans-Dieter auf der Springe, Geschäftsführer der ADIG-Investment, „das ungefähr folgendes aussagte: gute Wertentwicklung – gute Anlageform – kaufen. Daß sich in diesen Ergebnissen die Kurssteigerungen niederschlugen – und daß sich diese im nachfolgenden Umschwung in ihr Gegenteil verkehren müssen –, wurde nicht beachtet Gesehen wurde nur die positive Wertentwicklung der Vergangenheit, In dieser Situation wäre Zurückhaltung angebrachter gewesen.“

Doch es gab keinen Fonds-Manager, der den Absatz seiner Rentenfonds-Zertifikate freiwillig beschränkte. Alle waren sie stolz, Monat für Monat Milliarden in die Kasse zu bekommen. Die Kundenberater der Banken verkauften dimals Rentenfonds-Anteile mit Vorliebe. Sie erkannten die bevorstehenden Folgen steigender Zinsen auf die Kurse der festverzinslichen Papiere. Verkauften sie ihrer Kundschaft damals Bundesanleihen oder Pfandbriefe, so konnten sie mit Vorwürfen ihrer Klienten wegen schlechter Beratung rechnen, sobald die Kurse der festverzinslichen Papiere in den Keller gingen. Bei Rentenfonds-Anlagen ließ sich den Fonds-Managern ein Teil der „Schuld“ zuschieben.

Die Manager der Rentenfonds haben diese Gefahr inzwischen erkannt. Bei dem kommenden Zinsabschwung möchte man vermeiden, daß Rentenfonds erneut als eine Wertpapieranlage mit hohen spekulativen Gewinnen verstanden werden.

Bei den Jahresausschüttungen gibt es Steuerungsmöglichkeiten. Da nicht ausgeschlossen werden kann, daß Spitzenausschüttungen in Niedrigzinsphasen in falscher Hinsicht werbewirksam werden, kann man rechtzeitig den Bestand hochverzinslicher Titel abbauen und stärker in Papiere mit niedrigem Nominalzins zu entsprechend niedrigen Kursen gehen. Das hätte zwar gekürzte Ausschüttungen, dafür aber um so höhere Wertsteigerungen der Zertifikate zur Folge.