Nicht erst seit der letzten Heizkostenrechnung regt sich das Interesse des Normalverbrauchers für die alternativen Energiequellen. Doch bei den scheinbar endlosen Debatten über Solarzellen oder Windkraftwerke wird allzu leicht die vielleicht wichtigste Energiequelle der Zukunft übersehen: der Wasserstoff! Schon seit geraumer Zeit versuchen Forscher in aller Welt ein Problem zu lösen, das die Natur durch die Photosynthese im Blattgrün (Chlorophyll) der Pflanzen seit Jahrmillionen sicher im Griff hat: die Trennung von Wasser in seine Bestandteile Wasser- und Sauerstoff durch Sonnenlicht.

Auf diesem Weg ist jetzt den beiden englischen Chemikern David Cole-Hamilton und Rodney Jones ein wichtiger Schritt vorwärts gelungen. Die beiden Liverpooler Wissenschaftler entwickelten ein neues Verfahren, bei dem sich Wasserstoffgas aus verdünnter Schwefelsäure mit Hilfe eines Katalysators – Platin-tris(triethylphosphin) – und ultraviolettem Licht abspalten läßt (Katalysatoren bewirken oder steuern chemische Reaktionen, ohne sich selbst zu verändern).

Bisher konzentrierten sich die Anstrengungen der Forscher auf ein vom Schweizer Michael Grätzel vorgeschlagenes Verfahren, das auf einem recht komplexen Gemisch verschiedener Katalysatoren aufbaut. Die neue Methode produziert zwar im Augenblick verhältnismäßig geringe Mengen Wasserstoff, besitzt jedoch einige vielleicht entscheidende Vorzüge.

So benutzt das neue Verfahren nur einen einzigen Katalysator und vermeidet dadurch Komplikationen, die durch das Zusammenwirken mehrerer Katalysatoren leicht eintreten können. Zudem kann mit wesentlich höheren Katalysator-Konzentrationen als beim Grätzelschen Prozeß gearbeitet werden. Als besonders wichtig könnte es sich erweisen, daß beim Cole-Hamilton-Verfahren gasförmiger Wasserstoff abgegeben wird, während der Sauerstoff zunächst in gebundener Form als Schwefelkarbonat in der Lösung verbleibt. Beim alten Verfahren wurden beide Gase freigesetzt, wobei ein hochexplosives Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff entstand: Knallgas. Jetzt läßt sich der Wasserstoff relativ leicht alleine auffangen und speichern.

Gegenwärtig arbeiten die Liverpooler Forscher an zwei Fronten. Zum einen versuchen sie, die Produktionsrate des Wasserstoffs und damit die Effektivität des Reaktionsprozesses zu erhöhen. Zum anderen konzentrieren sie sich auf die Suche nach einem Katalysator, der Wasser schon mit normalem Sonnenlicht aufspaltet. Sollte dies gelingen, ginge ein Traum in Erfüllung. Denn wenn Wasserstoffes verbrannt wird, entsteht als Abfallprodukt – Wasser. Bernd Kröger