Von Iki Mann

Jedes Jahr fahre ich zurück, um die Eltern zu besuchen. Immer der gleiche Eindruck: diese träge, flimmernde Hitze beim Verlassen des Flugzeuges, meine eklige weiße Haut im strahlenden Sonnenschein. Besorgte Blicke zum Himmel – ob das Wetter schön bleibt? Schließlich bin ich gekommen, um dem Winter in Hamburg zu entfliehen. Früher war Dezember der heißeste, trockenste Monat im Jahr, aber in der letzten Zeit hat sich hier sogar das Wetter verändert. Regen zu Trockenzeiten und Dürre zu Regenzeiten, nichts mehr ist voraussehbar.

Bei meinen ersten Reisen von Kenia nach Europa flog ich vom Wilkinson Airport ab – einem kleinen, aus Holzbaracken bestehenden Flughafen, hauptsächlich von Hunderten wilder Katzen bewohnt. Antilopen, Zebras und Giraffen, die sich zufällig auf der Landepiste befanden, hatten Vorfahrt. Pionieratmosphäre, erinnernd an Hemingway-Stories, Erlebnisse, die ich später Freunden in England mit Stolz erzählte.

Dann kam ein neuer, internationaler Flughafen. Da standen bei der Ankunft dann die Familienmitglieder auf der Waving Base und winkten mir zu. In der Gepäckhalle trennte uns nur eine Glasscheibe, man warf Küsse, gestikulierte, freute sich. Afrikanische Gepäckträger bewarben sich schön, durch die Scheibe, hartnäckig und lustig, man sah viele Bekannte, der Flughafen barst vor Betriebsamkeit.

Nun ist schon wieder ein neuer Flughafen errichtet worden: Beton und Plastikstühle, autoritätsbewußte Zollbeamte, lange Schlangen deutscher Touristen bei der Immigration. Es riecht nach Fortschritt.

Jedesmal werde ich von dem Gefühl überwältigt, unbedingt beweisen zu müssen, daß ich hierher gehöre, daß dies meine Heimat ist, daß ich nun Keine Touristin bin. Aber ich werde, ohne daß die Zollbeamten mir wegen meiner Suahelikenntnisse sonderliche Aufmerksamkeit schenken, schnell abgefertigt.

Wo die Dattelpalme steht