In der Metallindustrie wiederholt sich zur Stunde das alljährlich beliebte Spiel: Begleitet vom Wirbel der Propaganda-Trommeln feilschendie Tarifparteien um Lohnprozente. Und auch das ist nicht neu: Arbeitgeber wie Gewerkschaften flüchten in die Schlichtung, weil sie offenbar nicht mehr fähig sind, autonom eine Einigung zu erzielen, so wie es einmal Sinn von Lohnverhandlungen war.

Dabei ist es das erklärte Ziel der Arbeitgeber, die prozentuale Lohnerhöhung auf eine „Drei vor dem Komma“ zu beschränken, weil nur so die Beschäftigung gesichert werden könne. Doch ebenso beharrlich, wie sie das fordern, weigern sie sich, die Beschäftigung zu garantieren. Und ebenso beharrlich weigert sich deshalb die Gewerkschaft, darauf einzugehen.

Da sind die Amerikaner von anderem Holz. So haben die Ford-Arbeiter soeben für 31 Monate auf Lohnerhöhungen verzichtet. Das ist ihnen sicher nicht leicht gefallen; doch dem Unternehmen geht es schlecht. Und dennoch hat es im Gegenzug die Beschäftigung garantiert.

Geben und Nehmen sind die Grundsätze fairen Verhandelns. Nur zu fordern und den Vertragspartner mit vagen, unverbindlichen Versprechungen abspeisen zu wollen – wie es die deutschen Arbeitgeber versuchen –, muß zum Scheitern der Verhandlungen, in letzter Konsequenz vielleicht sogar der Tarifautonomie führen. hm