Die Hintergründe des Militärputsches in Spanien bleiben weiterhin im dunkeln. Auch das Gericht ist noch nicht weitergekommen, denn die Angeklagten weisen die Schuld von sich.

Nach den ersten Tagen im spanischen Putschisten-Prozeß ist eines klar: Nur die Zeugen können die Verschwörung vom 23. Februar 1981 aufhellen. Denn die 32 Angeklagten spielen die Unschuldslämmer.

Immer wieder greifen die Verteidiger in das Verfahren ein, um die ruhmreiche Vergangenheit ihrer Mandanten referieren zu lassen. In der Biographie von Generalleutnant Milans del Bosch bleibt keine seiner 35 militärischen Auszeichnungen unerwähnt; Generalmajor Torres Rojas erscheint im Licht seiner unzähligen, freiwilligen Fallschirmabsprünge ebenso als untadeliger Militär wie Generalmajor Armada, dem die Chefs von neun spanischen Militärregionen ein fast untadeliges Zeugnis ausstellten: „Der Angeklagte ist unfähig, überhaupt eine strafbare Handlung gegen seinen König, zu begehen.“

Diese Strategie hat ein Ziel: die Angeklagten von dem Vorwurf zu entlasten, sie hätten vorsätzlich an einem „bewaffneten Aufstand“ teilgenommen; für dieses Delikt sieht das spanische Militärstrafrecht 30 Jahre Gefängnis vor.

Generalleutnant Milans del Bosch, der am Abend des 23. Februar in Valencia die Panzer auffahren ließ, rechtfertigt sich so: Der militärische Geheimdienst habe frühzeitig einen Angriff der kommunistisch gelenkten Comisiones Obreras auf spanische Kasernen aufgedeckt und deshalb habe er Befehl zum Ausrücken gegeben. Nach Ansicht seiner Verteidigung hat dieser Offizier in einer Art „übergesetzlichem Notstand gehandelt, in „Erfüllung seiner Pflicht“ und in „schuldigem Gehorsam“.

Auch Oberstleutnant Antonio Tejero ging es bei seinem Sturm auf das Parlament angeblich um das Erfüllen einer „patriotischen Pflicht“. Der schnauzbärtige, in der Haft zum Kettenraucher gewordene Tejero muß sich verbittert anhören, wie Armada, der ehemalige Vertraute des Königs, hartnäckig bestreitet, je an Verschwörungsplänen gegen seinen Monarchen und Oberbefehlshaber teilgenommen zu haben.

Der Prozeß, wie immer er am Ende ausgehen mag, ist schon nach der ersten Verhandlungswoche ein Plädoyer gegen die auf Zucht und Ordnung aufgebaute Disziplinarordnung der spanischen Armee – und ein Appell zu mehr „innerer Demokratie“. „Es existiert keine Pflicht zu schuldigem Gehorsam“, heißt es im reformierten Militärstrafrecht aus dem Jahre 1980, „wenn die Befehle Handlungen einschließen, die den Gesetzen und der Verfassung widersprechen.“