Adolf Schmidt, Vorsitzender der IG Bergbau, wollte in die Offensive gehen. Energisch forderte er die Kollegen vom Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf, die Tagesordnung zu vergessen und in die Personaldebatte einzusteigen. Was anderes hätte das wohl heißen können, als die Empfehlung für Alois Pfeiffer, den designierten Nachfolger von DGB-Chef Vetter, nun doch wieder zurückzunehmen. Immerhin war der Unmut über Pfeiffers 100 000-Mark-Anlage in Berliner Abschreibungsobjekten der Neuen Heimat in Gewerkschaftskreisen groß.

Das große Aufräumen allerdings fand nicht statt. Alois Pfeiffer bleibt Spitzenkandidat, und auch die Liste der fünf übrigen Aspiranten auf einen DGB-Chefposten ist so neu nicht. Die beiden Vorsitzenden der DGB-Landesbezirke Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, Siegfried Bleicher und Lothar Zimmermann und der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Postgewerkschaft, Gustav Fehrenbach, waren schon seit langem im Gespräch. Zum ersten Mal genannt, doch aus politischer Sicht wenig überraschend, ist der weithin unbekannte Bremer Bezirksleiter der Postgewerkschaft Kurt van Haaren. Und schließlich Ilse Brusis von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die seit dem letzten Jahr ihrer frühreren Gewerkschaftsämter ledig ist und von der böse Zungen behaupten, sie sei eben die einzige Frau, die der DGB habe bekommen können. ms