Von Bettina Musall

Werbeleute – das sind „Typen“ in lila Glitteranzügen, silbernen Cowboystiefeln, Stirnband, Ring im Ohr und überhaupt irre flippig und kreativ. Die Mädels in diesem Gewerbe: süß, aber doof; feuchter Schmollmund und von morgens bis abends Zahnpasta-Lächeln.

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Horst D., mausgrauer Büroanzug, dezent gemusterte Krawatte, weißes Hemd mit Manschettenknöpfen, ist Pressesprecher bei L., einer großen deutschen Werbeagentur. Er erklärt sich die Klischee-Vorstellungen und Vorurteile über seinen Berufsstand damit, daß das offizielle Berufsbild für den Lehrberuf Werbekaufmann völlig veraltet ist. Es stammt noch aus dem Jahr 1952. In einem Erlaß des Bundeswirtschaftsministers aus jenem Jahr heißt es:

Lehrzeit: drei Jahre; Lehrziel: Heranbildung eines lebens- und berufstüchtigen Kaufmanns; Fertigkeiten und Kenntnisse: a) allgemeine Wirtschaftliche Kenntnisse; b) kaufmännische Fertigkeiten und Kenntnisse wie: Schreiben, Rechnen, Buchen, Bezahlen, Ordnen, Versenden, Fernsprechen, Telegraphieren; c) werbefachliche Fertigkeiten und Kenntnisse wie: Marktvorgänge, Verkaufsorganisation, Werbeplanung, Werbemittel, Werbemittelgestaltung, Werbemittelstreuung.

Horst D.: „Das erste hört sich ganz ähnlich an wie das Berufsbild eines Verlags- oder Bürokaufmanns. Und wer kann sich unter ‚Werbemittelstreuung‘ schon etwas vorstellen?“

Berufsberater in Arbeitsämtern bestätigen, daß Schulabgänger vor allem Werbekaufmann (-frau) werden wollen, weil sie sich darunter einen „locker-flockigen Job“ vorstellen. Die Traumberufe der sechziger Jahre haben sich verändert: Daß Stewardessen fliegende Kellnerinnen sind und Kfz-Mechaniker nur in den seltensten Fällen Formel-I-Rennwagen tunen, hat sich herumgesprochen. Die Sehnsucht, mit den Händen zu arbeiten, etwas Kreatives zu tun, verklärt nun Berufe wie Goldschmied, Zahntechniker und neben den sogenannten „grünen Berufen“ wie Gärtner und Forstwirtschaftler auch den Werbekaufmann.