Daß es dieses außergewöhnliche Buch gibt, ist der Afrikareisenden Ingrid Jaax zu verdanken, denn sie brachte die Bilder und Geschichten zu –

Simon! Malya/Omari Amonde: „Wie die Giraffe zu ihrem langen Hals kam“ und andere Fabeln aus Tansania; Jugenddienst-Verlag, Wuppertal; 32 S., 19,80 DM.

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Simoni Malya, der als Berater für Erwachsenenbildung und ländliche Entwicklung arbeitet, hatte mit dem Tonbandgerät viele der überlieferten Geschichten aufgenommen, die in den Dörfern erzählt werden. Sie erschienen dann in der Landessprache Kisuaheli als Lesebuch für Erwachsene und für Kinder. Ingrid Jaax übertrug einige dieser phantastisch-naiven Mythen und Fabeln, die von der Ordnung und der Störung der Ordnung im Zusammenleben der Menschen und der Tiere handeln, ins Deutsche. Es sind ganz einfache Geschichten, und darin liegt wahrscheinlich ihr Zauber: Warum die Hühner im Sande scharren, wie das Nilpferd kahl und häßlich wurde, warum jeder einmal sterben muß, wie die Giraffe zu ihrem langen Hals kam, wie die Vögel ihre Heimat in den Bäumen fanden.

In Oman Amonde, der heute in einer Mal-Kooperative in Msanani, einem Vorort der Hauptstadt Dar es Salaam, lebt, fand Ingrid Jaax den kongenialen Partner für Simoni Malya. Er hatte auf Tabakfarmen und Sisalplantagen gearbeitet und kam, ganz und gar Autodidakt im guten Sinne des Wortes, durch Zureden eines Vetters ans Malen. Und wie er malt! Satt, sinnlich, lustvoll trägt er seine Lackfarben auf Hartfaserplatten auf, schweigt im Material, scheint verzückt von dem, was er liebevoll und betroffen darstellt: die Träume in den Augen der Löwen, die Schönheit der Büffelhörner, die Trauer der sterbenden Zebras, die Ästhetik der Pfauenfedern, das Licht auf der Nilpferdhaut. Wer die blutlosen, artifiziell gestrichelten Bilderbücher leid ist, von denen es zu viele gibt, wird an diesem schönen und sorgfältig ausgestatteten Buch für kleine und große Leute viel Freude haben. Es vermittelt etwas von der elementaren Kraft afrikanischer Erzähler und Maler und hat also nichts zu tun mit geschmäcklerischer Pseudo-Folklore. Ja Pestum