Unser Autor ist mittlerweile von seinem Ausflug nach Paris wieder an den Ort der Tat, nach Winsen an der Luhe, zurückgekehrt.

Da geht man auf Reisen, und fragwürdig erscheint vieles, was man sieht. Man kommt zurück und trifft Fragwürdiges zu Hause an. Ei, wer sind denn zum Beispiel diese Herrschaften, die mir in Stöckte am Deich entgegenkommen, sobald ich am Vormittag nach meiner Rückkehr den Garten besehe? Hallo, zwei schieferblaue Moschusenten! Ein Erpel – groß und schlank, wenn auch noch etwas schmal um die Brust. Ein Entlein – zierlich, elegant und ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten oder wie sagt man da in Entenkreisen? Die beiden haben Schnäbel von leuchtendem Rot, und dem Erpel wölbt sich auch schon ein bißchen Geschwulst überm Schnabel. Aber ja, das muß er haben! Das soll so sein! Die Warze ist das Zeichen beginnender Männlichkeit.

Und wie gut erzogen sie sind! Wie sie zwitschern und mit langen Hälsen feine Verneigungen machen! Ihr schwarz-weiß-roter Stammesherr muß ihnen die Flötentöne wohl beigebracht haben, wie dies einem ordentlichen Witwer zukommt. Oder ist dies noch der Einfluß von Mama?

Die Ente kommt zutraulich näher und knabbert mir am Schuhband, während der junge Erpel sich in gewissem Abstand hält, als ob er sich geniere. In der Tat hat er auch Grund dazu: Erst flötet er sanft wie ein Waldvogel, plötzlich haucht er nur. Der Unglückliche ist im Stimmbruch.

Aber der Ur-Erpel – wo ist denn er? Ja, „Ur-Erpel“ sage ich schon, und doch sind es nicht mehr als drei Jahre, die er auf seinem schwarzweiß-roten Buckel hat. Ist das viel für einen Erpel? Und wieviel Jahre braucht ein Prozeß, bis er reift wie ein Camembert oder ein schottischer Whisky?

Endlich entdecke ich ihn. Er sitzt allein im goldenen Herbst unter den Erlen, dort, wo die Halbinsel am weitesten ins sonnenbeleuchtete Brack vorstößt. Ob er noch bekümmert ist? Im August ist seine Frau gestorben; jetzt ist’s Oktober.

Und mittags schickt die Sonne wohltemperierte Wärme aufs Wasser hernieder. Ihr Widerschein strahlt vom Brack zurück, und auf dem Wasserbalkon sitzt man wie am Kamin. Die Sonne ist gekachelt.