Nun hat also der Europäische Gerichtshof zwei schottischen Müttern recht gegeben, die gegen die an Großbritanniens Schulen immer noch übliche Prügelstrafe geklagt hatten: Die mit dem Lederriemen erzwungene Schuldisziplin verstößt gegen die europäische Menschenrechtskonvention. Die britische Regierung, wegen des Anachronismus Prügelstrafe derart massiv gerügt, hat sich beeilt zu erklären, daß sie nach einem „gründlichen Studium“ des Urteils die „nötigen gesetzlichen Schritte“ einleiten will.

Hinter der vagen Formulierung „nötige gesetzliche Schritte“ steckt allerdings nicht unbedingt eine Ankündigung, die Prügelstrafe nun endlich vollends abzuschaffen. Dazu kann der Europäische Gerichtshof die britische Regierung nicht zwingen. Sie muß nur jene Eltern – genauer: deren Kinder – vor der Prügelstrafe, schützen, die diese ablehnen.

Es darf also weiter geprügelt werden, wenn die Eltern der betroffenen Kinder nichts dagegen haben.

Ein kleiner Lichtblick bleibt allerdings jenen Zöglingen, deren Eltern nichts gegen die Anwendung des Lederriemens einzuwenden haben: Der Gleichheitsgrundsatz im britischen Recht, schreibt die Deutsche Presse Agentur, verbietet, daß in ein und derselben Schulklasse „Prügelknaben“ und „Nicht-Prügelknaben“ zusammensitzen. Also müßten fortan zwei Arten von Schulklassen geschaffen werden – eine Schulreform, die nach Angaben von Regierungsexperten bis zu 170 Millionen Pfund kosten könnte. Ob es da nicht billiger wäre, die Prügelstrafe ganz und gar abzuschaffen?

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Teuer, findet Niedersachsens Kultusminister Werner Remmers, seien die Schulbücher: zu teuer. Nicht allein das einzelne Buch. Dessen Preis – das bemängelt er außerdem – ist zwar auch zu stark gestiegen in den letzten Jahren. Doch die Masse der zugelassenen Schulbücher mache die Wurst fett. 8000 Schulbücher sind bereits in Niedersachsen zugelassen, eine Zahl, die wirklich verblüfft: 8000 Schulbücher insgesamt, und im Jahre 1980 sind allein 2200 neu hinzugekommen.

Uns stört die große Zahl freilich nicht so sehr. Sagt doch Remmers auch, daß die Verlage den Preis eines Tages selbst zahlen müßten, weil sie angesichts der sinkenden Schülerzahlen diese Bücher niemals alle loswürden. Und das wäre dann ja wohl ihr eigenes Risiko.